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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-08-01 · 15 (1.8.1932) · p. Seite 228

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
15 (1.8.1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 jenes großzügigen, vornehmen jüdischen Kaufmanns, der Tatkraft mit Weitblick verbindet, bei welchem aber ebenso ausgeprägt wie die kaufmännischen Qualitäten Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe die persönliche Entwicklung bestimmen. Wie bei seinen Zeitgenossen Charles Hallgarten und Wilhelm Merton erschöpft sich bei ihm die philantropische Gesinnung nicht in Wohltaten für Einzelne, er arbeitet vielmehr, als er 1889 von einem dreijährigen Aufenthalt in Amerika zurückkehrt, im Dienste der geistigen Hebung der Massen und hat mit zweien seiner Söhne nach dem Vorbild amerikanischer Volksbibliotheken 1904 „das Berolzheimerianum“, ein Volksbildungsheim mit Lesehalle, Volksbibliothek und Vortragsräumen in Fürth, begründet. Weiterhin dankt das Nürnberger „Künstlerhaus“ und das „Luitpoldhaus“, welches dem Verein für Volksbildung, der naturhistorischen Gesellschaft und dem ärztlichen Verein Aufnahme bot, Berolzheimer seine Entstehung. Sehen wir bei Berolzheimer die Ausweitung und den Ausgleich der Persönlichkeit nach der Seite des Philantropen hin, so ist Max von Wilmersdoerffer- München, 1824—1903, in Bayreuth geboren (Band I; Biograph: Theodor Wihnersdoerffer, München), als Chef eines der angesehensten deutschen Bankhäuser, dem früher ein Münzen- und Antiquitätengeschäft angegliedert war, vor allem nach der Seite der Kunst und Literatur interessiert. Unterstützt von einem großen Fachwissen auf diesem Gebiet wußte Wilmersdoerffer eine Münzensammlung von einzigartiger Bedeutung auszubauen. Er ist der Gründer des „numismatischen Kränzchens“, aus welchem später die „Bayerische Numismatische Gesellschaft“ hervorging; sein Haus wurde zu einem Mittelpunkt für Wissenschaft und Kunst, und seine etwa zehntausend Bände umfassende Privatbibliothek ist nach dem Willen Wilmersdoerffers nach seinem Tode einzelnen bayerischen Instituten geschenkt worden. Bei aller Aufgeschlossenheit für geistige Dinge, die Tradition in der Familie war, ist Wilmersdoerffer politisch sowohl wie religiös konservativ geblieben. Die Wahl zu verschiedenen kaufmännischen Gremien und besonders die Verleihung des bayerischen Kronenordens, mit welcher der Adel verbunden war, zeigt, welches Ansehen Wilmersdoerffer in weitesten Kreisen genoß. Ein königlicher Kaufmann! Die Persönlichkeit des Dr. Fischei Arnheim, Bayreuth, 1812—1864 (II. Band; Biograph: Eckstein, Bamberg) — hier in diesem Blatt schon bei anderer Gelegenheit neulich gewürdigt —, führt uns mitten hinein in die politische Arena. Er ist in Bayreuth geboren, studierte die Rechtswissenschaften, und siedelte sich später in seiner Vaterstadt an. 1849 wird er für den Wahlkreis Hof in den bayerischen Landtag gewählt, dem er bis zu seinem Tode als Vertreter freiheitlicher Forderungen angehörte. Arnheim hat sich weniger um die Fragen der großen Politik angenommen, vielmehr haben ihm seine glänzenden juristischen Kenntnisse und ein ausgezeichnetes Rednertalent einen hervorragenden Anteil an der Kodifizierung des bayerischen Rechtes gesichert. Besondere Verdienste erwarb sich Arnheim im Kampf um die Gleichberechtigung der Juden in Bayern und um die Aufhebung des Judenedikts im Jahre 1861. Eckstein nennt ihn den Lasker der bayerischen Abgeordnetenkammer. Haben die drei eben gezeichneten Persönlichkeiten noch ganz auf dem Boden des Judentums gestanden und sind die Verdienste, die sie sich um ihre engere und weitere Heimat erwarben direkt und indirekt auch der jüdischen Allgemeinheit zugute gekommen, so kann dies für die Persönlichkeit des in Heidingsfeld bei Würzburg geborenen Rechtsanwalt Siegfried Haenle, 1814—1889 (Band IV; Biograph: Adolf Bayer, Ansbach), der zunächst als freier Schriftsteller und politischer Journalist, später als Advokat in Ansbach tätig war, nicht gelten. Er ist im Jahre 1854, um seine Karriere zu erleichtern, zum Protestantismus übergetreten. Besonders hervorzuheben sind die lokalgeschichtlichen Forschungen Haenles, vor allem die Skizzen zur Geschichte Ansbachs und seine Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstentum Ansbach. Wenn wir uns noch mit einem zweiten Dissidenten aus den „Lebensläufen“ beschäftigen, dem „Abenteuerer, Reisenden und Judenapostel“ Josef Wolff, 1795—1862 (Band 1; Biograph: Dr. Franz Babinger, Würzburg), so geschieht es, weil hier der Typus eines Juden vorliegt, der als „juif errant“, als ewiger Jude mit der romantischen Seele in der Brust, mit der Sehnsucht nach dem verlorenen Garten, jene böswillige Theorie von der rationalistisch materiellen Einstellung der Juden widerlegt.- „Das Leben dieses Mannes (so schreibt Dr. Babinger), der als Rabbinerssohn in einem kleinen Frankendorf zur Welt gekommen, zuerst Katholik, dann Methodist wird, um als Judenapostel die ganze alte und neue Welt zu durchpilgern, der gefährliche Abenteuer einer Wahnvorstellung zuliebe im unwirtlichsten Asien besteht, sich nach einem aufregenden Erdenwallen schließlich der Hochkirche anschließt, um dann als ehrenwerter Vikar in einem englischen Landstädtchen das Zeitliche zu segnen, gehört sicher zu den bewegtesten, unruhevollsten, aberteuerlichsten irdischen Wanderungen des hieran wahrlich nicht armen verflossenen Jahrhunderts.“ Es ist zunächst der Einfluß der Schriften des Regensburger Bischofs Michael Sailer gewesen, der ihn dem Katholizismus näher brachte und ihn schließlich, siebzehnjährig, die Taufe nehmen ließ. In Wien saß er zu Füßen des damals bedeutendsten Vertreters alttestamentlicher Wissenschaft Johannes Jahns, er tritt in nahe Beziehungen zu Schlegel, zu Körner, zu Zacharias Werner und dem Grafen Stoib erg, später in der Schweiz zu Heinrich Zschokke, Pestolozzi und Frau von Stäel. Er kommt nach Rom, tritt ins Collegium de Propaganda fide ein. Er ist überzeugt, „daß der Triumph des Evangeliums und zugleich die zweite Ankunft Christi auf Erden nahe sei, und der Neubekchrte hält sich für das auserwählte Gefäß, seine alten Glaubensgenossen auf dieses Ereignis vorzubereiten und in dieser Absicht die verlorenen zehn Stämme Israls aufzusuchen“. In Rom kommt er bald in Gewissenskonflikte und wird verbannt. Er zieht die Mönchskutte aus und in London übernimmt die Society for promoting christianity amorigst the Jews seine Ausbildung zum Judenapostel; in Cambridge nimmt er seine Studien der Theologie und der orientalischen Wissenschaften wieder auf und tritt zum englischen Methodistenglauben über. Und im Jahre 1821 beginnen nun seine Reisen als Apostel durch ganz Europa und Asien, überall den Juden das Evangelium predigend und unter Abenteuern und Gefahren die zehn Stämme suchend, die er nirgends fand, auch in Amerika nicht, wohin der Unermüdliche im Jahre 1837 die Reise antrat. Dort ließ sich Wolff zum Geistlichen der englischen Hochkirche weihen, nachdem er es vorher mit allen Zweigen des Katholizismus versucht hatte. In dieser Kirche verblieb er, immer aufs Neue mit allen möglichen Missionen in der Welt herumwandernd. Später hat er die Erlebnisse und Erkenntnisse seiner Reise in verschiedenen Schriften niedergelegt, die in England eine hohe Auflage fanden, und auch ins Deutsche übersetzt wurden. „Das Verständnis für die Abenteuer, die einem Glaubenswahn zuliebe willig auf sich genom- - men wurden, wird freilich im Inselreich und im starkgläubigen Amerika stets lebhafter sein, als im nüchternen Deutschland, wo Wolff gewiß nicht das geworden wäre, wozu ihn die Hochkirche emporführte.“ Nichts kann uns lebendiger die heiter klare Atmosphäre des Frankenlandes, seine Kultur und seine Sitte, nichts die Wechselwirkung mit seinen Söhnen und Töchtern besser erschließen, als diese „Lebensläufe“ von Menschen aus ganz verschiedenartigen Milieu, mit heterogener Veranlagung und Gesinnung, die nichts eint, als eben diese Wechselwirkung und die Verdienste, die sie sich um ihre engere Heimat erworben haben. Für die jüdische Geschichte Frankens, die besonders für Unterfranken spärlich bestellt ist, haben diese Lebensläufe jüdischer Söhne Frankens aber die besondere Bedeutung, daß sie unter ganz objektiven weiten Gesichtspunkten die Verdienste beleuchten, die eine Reihe fränkischer Juden sich um ihre Heimat erworben haben. Es ist zu hoffen, daß die nächsten Bände in dieser Beziehung noch reicheres Material zutage fördern. Dr. Henny Stahl, Würzburg. CAFE KONDITOREI gn | fm wgr der vornehme Aufenthalt im lil I 1 STADTZENTRUM ■ WEINSTRASSE 4 TÄGL. GEÖFFNET ■ VON8UHRVORM. ■ BIS 1 UHR NACHTS W

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