Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 15 (1.8.1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Bayerische israelitische Gemeindezeitung 22? Er endete mit der Umgriindumg Jerusalems zu einer römischen Militärkolonie und mit der Anerkennung der jüdischen — Gelehrten als fürstlicher Oberhäupter. Überhaupt ließ die römische Regierung nach beendetem Kampf und errungenem Sieg die jüdische Öffentlichkeit den Krieg nicht entgelten, am wenigsten die „Auslandsjuden“. Titus trat schon in Antiochia, wohin er sich bald nach der Eroberung Jerusalems begab, dem jetzt laut werdenden Verlangen der hellenischen Bürgerschaft nach Entrechtung der Juden energisch entgegen. Es scheint sich im allgemeinen in der Rechtstellung der Juden nichts verändert zu haben. Das römische Reich, damals noch auf der Höhe seiner Macht, begann sich sehr schnell zu zersetzen. Siegreich drang das Judentum als Religion bis in das Kaiserhaus selber ein, ganz kurze Zeit nach der Zerstörung des Tempels. Die ganze abendländische Welt wurde mehr und mehr von Gesinnungen erfaßt, die in Judäa ihren Ausgang genommen hatten. Schon bald sagte man, Titus habe den Tempel zerstört, um das —junge Christentum zu treffen. Von jüdischer Seite wurden damals Proselyten in Mengen und mit Absicht geworben. Noch 200 Jahre später mußten die Christen mit schweren Strafen vom Besuch der Synagogen abgehalten und schließlich zum gleichen Zweck der christliche Sabbat auf den Sonntag, das christliche Osterfest auf einen vom Pessachfest verschiedenen Termin gelegt worden. Später wurde die Weltstellung Roms durch das Christentum wieder¬ Jüdische Persönlichkeifen in de Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hat es in allen Teilen FranKens nicht an Anläufen gefehlt, in biographischen Sammelwerken das Andenken an die Persönlichkeit und das Werk bedeutender Landsleute festzuhalten: Nürnberg, Bamberg, Bayreuth, und vor allem auch Würzburg hat so seine biographischen Lexika aufzuweisen. Erst die Schaffung der „Allgemeinen deutschen Biographie“ hat diese Bestrebungen zum Stocken gebracht. Aber bald zeigt sich, daß trotz dieser zentralen Sammelarbeit die lokale nicht zu entbehren ist und die hier und dort in den Ländern und Provinzen aufblühenden historischen Vereine übernahmen diese Aufgabe als ein neues Feld ihrer Tätigkeit. So sind die „Lebensläufe ausTranken“ entstanden, die Professor Anton Chroust, Würzburg, im Auftrag der Gesellschaft für fränkische Geschichte seit 1919 herausgibt. Die Sammlung soll, wie es in dem Vorwort zum ersten Band (München, Verlag Duncker & Humblot) heißt, „den Einfluß widerspiegeln, den das Frankenland sowohl durch seine eigenen Söhne, die der fränkischen Erde entsprossen sind, als auch durch die fremden Kräfte, die es aus der Fremde heranzuziehen und für kürzere oder längere Zeit festzuhalten verstanden hat, auf die geistige und wirtschaftliche Kultur des engeren und weiteren Vaterlands, ja über dessen Grenzen hinaus geübt hat“. Bereits bei Erscheinen des ersten Bandes lagen dem Herausgeber als Grundlage für die Zusammenstellung der „Lebensläufe“ 4500 Namen von Männern und Frauen vor, die sich irgendwie in und um Franken verdient gemacht haben. Damit aber war der Kreis der Persönlichkeiten, deren Biographie in dem Werk Aufnahme finden soll, keineswegs abgeschlossen. Und der Herausgeber rechnet damit, daß das Werk etwa 20 Jahre bis zu seiner Vollendung erfordern wird, selbst wenn es nur tausend Lebensläufe umfaßt, und in jedem zweiten Jahr ein Band erscheinen würde. Bis jetzt liegen vier Bände vor. Es ist das Reizvolle dieser Sammlung, daß sie nicht nur rein sachlich Werk und Leistung hergestellt und die abendländische Kultur durch das Christentum entscheidend mitbestimmt. Kaum 500 Schritte liegt in Jerusalem das „Heilige Grab“ der Christen von der Klagemauer der Juden entfernt. Die enge räumliche, zeitliche und ideelle Nachbarschaft schuf und schafft noch heute täglich viel nachbarlichen Streit. Das ist wohl, um mit Mommsen zu reden, „unvermeidlich“. Die Stellungnahme des christlichen Rom gegenüber den Juden ist der des heidnischen Rom nicht ganz unähnlich; in beiden Fällen ein etwas unwilliges, aber im ganzen einsichtsvolles Gewährenlassen. Von den Juden ist jedoch das Gefühl der Bedrücktheit noch immer nicht genommen. Aber gerade aus den Reihen der jüdischen „Armen und Bedrückten“ ist zur römischen Kaiserzeit die Losung für den Wiederaufbau Roms und den Neuaufbau der europäischen Welt gekommen. Das Judäa der römischen Kaiserzeit war erfüllt von Dumpfheit, Enge, Bosheit und Gewalttat, und doch zugleich von höchster Weisheit, Frömmigkeit und Duldung. Es ist, als ob das Schicksal beispielhaft menschliche Größe in beispielloser Verwirrung hätte zeigen wollen. Der Geschichtsschreiber, der diese imgebändigte Fülle im kümmerlichsten Gewände in ganzer Großartigkeit wiedergeben könnte, ist noch nicht dagewesen. Aber vielleicht bedarf man seiner nicht. Denn gerade in der ruhigen, anspruchslosen Erzählungsweise Hermann Dessaus kommt die erschütternde Sprache der Ereignisse zu unmittelbarster Wirkung. .... rst. n „Lebensläufen aus Franken dieser um Franken verdienten Männer und Frauen würdigt, es entsteht vielmehr aus den vielen kleinen Bausteinen die aus Milieu, Charakter und Erziehung den Menschen formen, ein Bild voll Lebendigkeit und Reichtum, um so lebendiger, als ja meist Söhne oder Enkel, Schüler oder Mitarbeiter die einzelnen Biographien verfaßten. Freilich liegt hier auch eine — bisher glücklich umgangene — Gefahrenquelle. Daß bisher mehr Wissenschaftler und Gelehrte, Schriftsteller und Politiker, und weniger Männer der Verwaltung, des Handels und der Industrie Aufnahme in den „Lebensläufen“ fanden, mag, wie der Herausgeber andeutet, darin seinen Grund haben, daß sich bisher sehr viel schwieriger für diese Männer Biographen finden ließen. Dem jüdischen Leser dieser Lebensläufe wird auffallen, daß in den bisher erschienenen vier Bänden nur wenige Juden verzeichnet sind. Das ist wohl vorwiegend in der Tatsache begründet, daß in Bayern und besonders in Franken die Juden erst seit Aufhebung des Judenedikts ihre Kräfte frei im Dienste der Allgemeinheit entfalten konnten. Die „Lebensläufe“ aber schließen einerseits noch lebende Zeitgenossen, andererseits die Biographien aller Persönlichkeiten aus, die am 1. Jan. 1800 nicht mehr am Leben waren. Überdies aber ist anzunehmen, daß die nächsten Bände noch manches nachholen werden. Die fünf Biographien von jüdischen Persönlichkeiten aber, welche in den bis jetzt erschienenen Bänden enthalten sind, interessieren uns aus mehr als einem Grunde. Es sind Typen, die immer wieder unter den Juden uns entgegentreten, reiche, vielseitige Persönlichkeiten, die teils im außerordentlichen Maße zu Nutz und Frommen, teils aber auch zum Fluch der jüdischen Allgemeinheit gewirkt haben. Da ist zunächst Heinrich Berolzheimer, 1836 bis 1 9 0 6 (II. Band, Biograph Dr. Michael Berolzheimer, München) 'zu nennen. Berolzheimer, aus einer Fürther Kaufmannsfamilie stammend, war der Begründer einer Bleistiftfabrik in Fürth, die bald eine Schwesterfamilie in Amerika erhielt. Er ist der Typ