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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-07-15 · 14 (15.7.1932) · p. Seite 213

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
14 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 213 / -- . * *;:‘£ MWßWW W8UWW &ätm% ‘-väs.V?v<«f: E. „Die Frau mit den Ziegen“ (Aus der Münchener Pinakothek) legte, nach dem Beispiel anderer die französische Nationalität anzunehmen, wies er dies mit aller Deutlichkeit zurück, und ich werde nie die Erregung vergessen, mit der er vor einigen Jahren in einer Unterredung die Worte hervorstieß: „Ich stehe zu meiner Unterschrift“, der Unterschrift nämlich, die er in den Kriegsjahren mit anderen deutschen Intellektuellen unter jenen berühmten Protest gesetzt hatte, weswegen man dem Achtzigjährigen die Ehrung einer Ausstellung in Frankreich verweigerte. „Ich würde es wieder tun, und wenn man mir die Hände abhacken sollte!“ Ihm geht es in seinem Deutschtum und in seinem Judentum um den Charakter, um die Würde der Persönlichkeit. Aber weder Religion noch Nation haben vermocht, diese Künstlernatur in engende Schränken zu zwingen. Mag man m seinem Werk auch jüdische Züge suchen und vielleicht auch finden — das Nervengespannte, das Verstandesklare, das Rein-Geistige — mag man den typisch deutschen Cha1r a k t e r in ihnen immer wieder erkennen und betonen, — die; schlichte Ehrlichkeit, das solide Können, die straffe Organisation, — „es gibt kein deutscheres Bild im Luxemburg zu Paris als Liebermanns ,Biergarteii‘ zu Brannenburg“, sagte mir einer der bekanntesten Münchener Maler, mein Lehrer Hermann Groeber. — Gleichviel, über allem religiös und national Trennenden steht die Einheit der künstlerischen Persönlichkeit. Er ist mit Goethe der Ansicht, daß das Genie der Welt gehöre, und er gehört der Welt! Wie er in seinem eigenen Schaffen sich keine Grenzen zieht, wie er alles und jedes künstlerisch gestaltet, in der Landschaft das Wasser und das Land, die Bäume und die Blumen, die Häuser und die Hütten, unter den Tieren die Pferde und die Hunde, bei den Menschen den Bauern und den Kaufmann, den Arbeiter und Industriellen, den Dichter und den Staatsmann, so kennt er auch keine Grenzen, keine ausschließenden Grenzen zwischen der Kunst des Inlandes und der des'Auslandes, zwischen der Kunst der Vergangenheit und der Gegenwart — er kennt nur gute und schlechte Kunst und vermag nur die gute gelten zu lassen. Die Universalität seines künstlerischen Schaffens und seines künstlerischen Urteils entströmt der Universalität seines Geistes. Es ist bezeichnend für die Universalität dieses Menschen, daß man seit Jahren mehr von seiner kunst-und kulturpolitischen Bedeutung spricht, als von seiner Malerei; obwohl er immer noch Neues schafft und gestaltet — und auch seine letzten Bilder gehören in jeder Ausstellung zu den besten, wie das erst vor wenigen Wochen entstandene Bild des Chirurgen Sauerbruch, das geradezu von visionärer Gestaltungskraft zeugt. Der Maler ist unumstritten, ist klassisch geworden. Das aber ist das Bedeutsame an diesem Menschen, daß dies nicht das einzige Ziel seines Strebens war. Als man ihn vor zwölf Jahren an die Spitze der Preußischen Akademie berief, erkannte er seine Aufgabe immer klarer darin, die Kunstfragen aus ihrer Sonderstellung zu befreien, sie ins kulturelle und geistige Leben hineinzuführen, sie mit allem Geschehen der Zeit zu verbinden und so an der Hebung unserer Gesamtkultur und ifi

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