Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 13 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 203 Aus der Gemeinde München Auktion der Judaica-Sammlung 8. Kirschstein bei Hugo Helbing in München Vom 12.—14. Juli versteigert die Kunsthandlung Hugo Helbing die wertvolle jüdische Sammlung Kirschstein. Zu dem hochinteressanten illustrierten Katalog hat der Kunsthistoriker Theodor Harburger ein Vorwort geschrieben, dem wir folgendes entnehmen: Aus der großen Reichhaltigkeit kann nur einzelnes hervorgehoben werden. Von den Kultgeräten verdienen die Decke für die Beschneidung (Nr. 121), der große Chanukkah-Standleuchter aus einer polnischen Synagoge (Nr. 145) und vor allen Dingen die im Heime des Besitzers noch aufgestellte Synagogen-Einrichtung (Nr. 166) besondere Beachtung. Neben den Thorarollen, von denen eine durch ihren aufmontierten Silberschmuck (Nr. 167), eine andere wegen des Schreibmaterials (Hirschhaut) bemerkenswert ist, sind es die M’gilloth, die Pergamentrollen mit dem Buche Esther, die durch ihren künstlerischen Schmuck sich auszeichnen. Hier hat Kirschstein mit besonderer Liebe die ältesten und bemerkenswertesten Arbeiten zu vereinen sich bemüht. Als Resultat seiner eindringenden Beschäftigung ist von ihm, der sich durch sein Werk „Jüdische Graphiker aus der Zeit von 1625—1825“ bereits erfolgreich literarisch versucht hat, eine Darstellung der Kunstentwicklung in der Schmückung der M’gillah zu erwarten. Als wertvollstes Stück betrachtet er die M’gillah Nr. 182, die er als ältestes ihm bisher bekannt gewordenes illuminiertes Exemplar ansieht. Er vermutet ihren Urheber im Kreise der jüdischen Miniatoren, die die zweite Haggadah des Germanischen Museums und andere gleichartige Werke geschaffen haben. Dabei sind die meisten übrigen M’gilloth aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert von “nicht weniger hoher Bedeutung. Auf dem Gebiete des Handschriftenwesens besitzt Kirschstein noch mehrere Unika, so die Haggadah auf 64 Rundblättchen (Nr. 213), das Psalmen-Ms. (Nr. 214) und das Gebetbuch (Nr. 215), das Abraham Farissol im Jahre 1485 in bester Zierschreiberkunst fertigte. Von hohem geschichtlichem Werte sind die Urkunden, die sich auf Rabbiner David Oppenheim beziehen, dessen berühmte Bibliothek jetzt die Bodleiana ziert (Nr. 274). Beim Sammeln der Portraits und Miniaturen wurde vor allem auf die Familienzusammenhänge Wert gelegt und dabei Berlin als die Heimat des Sammlers begreiflicherweise besonders berücksichtigt. So ist der erste Vorsitzende der Berliner Gemeinde, B. H. Fraenkel-Mirels (Nr. 291) zu finden, wie der Lehrer Moses Mendelssohns (Nr. 298). Dabei sind auch Zeugnisse jüdischer Künstler, wie die seltenen Blätter der Henschel (Nr. 312—315) nicht außer Acht gelassen. Besonderes Interesse verdient die reichhaltige Kollektion von Portraits jüdischer Persönlichkeiten aus allen Gebieten und die Sammlung von historischen Dokumenten, die sich auf Juden und Judentum beziehen. Ohne die Absicht, eine umfassende Bibliothek zu schaffen, hat Herr Kirschstein bemerkenswerte Druckwerke in hebräischer, deutscher und lateinischer Sprache zusammengebracht, vor allem natürlich die Bibel in verschiedenen Ausgaben, exegetische Werke, aber auch wissenschaftliche Arbeiten verwandter Gebiete. Wir finden den S”MaG des Mpses de Coucy in der Bombergschen Ausgabe von 1522 (Nr. 461), die von Fagius herausgegebenen „Sprüche der Väter“ (Isny 1541, Nr. 462), Reuchlins Rudimenta Linguae hebraicae (Nr. 477) und Fürst’s Bibliotheca Judaica (Nr. 601) sowie lexigraphische Werke. Vorhanden sind Bodenschatzens kirchliche Verfassung in Originalausgabe und Herrlibergers mächtiger Foliant. Spezialthemen wie Moses Mendelssohn, Jud Süss, Antisemitica werden berührt. Eine Reihe seltener Werke behandelt die Lokalgeschichte jüdischer Gemeinden. Besonders sei noch die Aufmerksamkeit gelenkt auf das große Konvolut Nr. 513, das in 151 Originalblättern die Entwicklung des jüdisch-hebräischen Buchdruckes aufzeigt. Die Sammlung ermöglicht durch die Vielseitigkeit, mit der Kirschstein alle Gebiete jüdischer Kultur berücksichtigt hat, die wissenschaftliche Beschreibung des umfangreichen Stoffs in vielleicht nie wiederkehrender Weise. Aus bayerischen Gemeinden Aschaffenburg. Rabbiner Dr. Fritz Bloch Nachfolger des verstorbenen Bezirksrabbiners Dr. Raphael Breuer Von den hiesigen Gemeindeverwaltungen wurde zum Nachfolger des verewigten Bezirksrabbiners Dr. Raphael Breuer Herr Rabbiner Dr. Fritz Bloch gewählt. Dr. Bloch entstammt einer angesehenen Münchener Familie und steht im 30. Lebensjahre. Er absolvierte sein Studium in Breslau und Berlin. Anschließend verbrachte er mehrere Jahre an hervorragenden Talmudhochschulen des Ostens, wie Telsiai und Mir. Voraussichtlich wird der neugewählte Bezirksrabbiner sein Amt Anfang August antreten. Aus dem Reiche Errichtung der ersten jüdischen Arbeiterkolonie — Produktive Arbeitslosenhilfe — Landwerk Neuendorf Seit langem verfolgt die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge das Projekt der Errichtung einer jüdischen Arbeiterkolonie. Nach Überwindung mannigfacher Schwierigkeiten ist es nunmehr mit der besonders großzügigen Unterstützung des Preußischen Wohlfahrtsministeriums, des Preußischen und der anderen jüdischen Landesverbände gelungen, das Gut NeuendorfbeiBerlinzu übernehmen, das die Möglichkeiten gibt, in größerer Zahl jüdische Erwerbslose sowohl in Landwirtschaft und Gärtnerei als auch in handwerklichen Nebenbetrieben zu beschäftigen. War diesem Projekt schon in wirtschaftlich gesünderer Zeit eine besondere Bedeutung beizumessen, da es allein in der Lage ist, unabhängig von den Schwankungen des Arbeitsmarktes einer größeren Zahl langjährig Erwerbsloser und damit völlig Entwurzelter Gelegenheit zu geregelter Arbeit zu geben, so ist ihm im gegenwärtigen Augenblick ein ganz besonderer Wert zuzuerkennen. Die steigende Zahl jüdischer Erwerbsloser, die Unmöglichkeit für viele, auf absehbare Zeit in den Produktionsprozeß wieder eingereiht zu werden, entlassene Jugendliche, die eben ihre Lehrzeit beendet und keine Möglichkeit haben, neue Arbeitsstellen zu finden, abgebaute ältere Angestellte und viele andere Kategorien mehr, können und müssen von der jüdischen Öffentlichkeit erwarten, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder für einige Zeit zu arbeiten, um ihre Arbeitskraft und ihren Arbeitswillen zu erhalten. Land werk Neuendorf wird am 1. Juli vorerst 30—40 Die Nachfrage nach unserem 6/30 PS Primus ist sehr groß! ^IV(flll*|||||? WWf^SI erkannt wird, daß sich seine Anschaffungen jedem Falle rentiert! II R>W» Für Reichsmark 3350.— eine neue, bequeme, äußerst Wirtschaftliche 4sitzige Limousine, diese Tatsache wirbt für den Primus. Adlerwerke sSSSer Filiale München, Augustenstraße 40