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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-07-01 · 13 (1.7.1932) · p. Seite 204

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
13 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 Personen aufnehmen; es ist aber geplant, diese Zahl bald erheblich zu erhöhen, um den jüdischen Arbeitslosen eine wirklich merkbare Hilfe zu geben. Das Gut Neuendorf liegt in landschaftlich besonders schöner Lage, die Arbeitsmöglichkeiten sind vielseitig und umfangreich, Unterbringungsmöglichkeiten sind angemessen und ausreichend gesichert, die Werkstätten (Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Sl£llmacherei) ohne größeren Kostenaufwand aüszubäuen und zu erweitern. Die Leitung liegt in besonders qualifizierten Händen; sozialpädagogisch und auch sonst vorgeschulte Kräfte werden dem Betrieb eine gute pädagogische und soziale Atmosphäre sichern. Als Rechtsträger hat die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge den Verein „Jüdische Arbeitshilfe e. V.“ ins Leben gerufen, dessen Geschäftsstelle sich in Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158, befindet, wohin auch alle Gesuche um Aufnahme zu richten sind. Der Vorstand der Hauptstelle hat für Neuendorf einen besonderen Verwaltungsausschuß gebildet, dem die Herren Adler-Rudel, Alfred Berger, Dr. Max Kreutzberger, Landgerichtsrat Dr. Lilienthal, Wilhelm Marcus und Bruno Woyda angehören. Vereine Studien- und Arbeitsförderungs-Verein für Israeliten in Bayern E. V. Am 16. Juni 1932 fand die ordentliche Mitgliederversammlung statt, bei der die bisherige Vorstandschaft mit Herrn Rabbiner Dr. Baerwald als ersten Vorsitzenden wiedergewählt wurde. Aus dem Bericht für das Jahr 1931 ist hervorzuheben, daß im vergangenen Jahre an 30 Hochschul-Studenten und -Studentinnen Stipendien im Gesamtbetrag von RM. 5000.— verteilt und daß 12 Handwerkslehrlingen insgesamt RM. 525.— gewährt wurden. Bei der Stipendienverteilung für das laufende Semester konnten von 29 Gesuchen nur 19 berücksichtigt werden, während 10 Bewerbern mangels entsprechender Mittel ein abschlägiger Bescheid gegeben werden mußte. Allseits wurde dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß bisher alle Bemühungen für den Verein Mitglieder und Gönner außerhalb Münchens zu gewinnen, vergeblich waren, obwohl der Verein grundsätzlich Studierende aus ganz Bayern, einschließlich der Rheinpfalz berücksichtigt. Es wäre daher dankbar zu begrüßen, wenn die Bestrebungen des Vereins durch den Beitritt auswärtiger Mitglieder Unterstützung finden würde; die Tatsache, daß ein Drittel der Bewerber trotz Würdigkeit und Dürftigkeit zurückgewiesen werden mußte, ist ein trauriger, aber beredter Hinweis auf die in Kreisen der jüdischen akademischen Jugend Bayerns vielfach herrschende Notlage, der abgeholfen werden kann und muß. Beitrittserklärungen (Mindestjahresbeitrag RM. 5.—) an den Schriftführer Dr. W. Kitzinger, München, Promenadeplatz 5. Oneg Schabbath Oneg Schabbath; so nennt ein kleiner Kreis junger Menschen, der sich unter Führung von Dr. Percikowicz, dem Leiter der Münchener hebräischen Sprachschule, zusammengeschlossen hat, seine Veranstaltungen, die seit wenigen Wochen jeden Sonnabend Nachmittag um die fünfte Stunde in den Räumen des Münchner jüdischen Jugendheims stattfinden. Nach dem Vorbilde der gleichnamigen palästinensischen, von dem hebräischen Schriftsteller Bialik geschaffenen Einrichtung wird hier versucht, an die uralte Tradition des „dritten Sabbathmahls“ (sudah schlischith) anschließend, den Sabbath als Gemeinschaftserlebnis zu gestalten. Ein mit bescheidenen Mitteln festlich bestellter Tisch schafft die Atmosphäre des fröhlichen Festes, dem auch die ungezwungen gesungenen hebräischen Lieder entsprechen. Im Mittelpunkte der Feierstunde steht ein kurzes Referat über ein jüdisches Problem oder eine Lesung aus der Bibel oder aus der neueren und neuesten jüdischen Literatur. Zum Schlüsse wird gewöhnlich nochmals gesungen und nicht selten beschließt eine begeistert getanzte „Horrah“ den Nachmittag. Es ist schwer zu sagen, was diese Oneg Schabbath- Veranstaltungen so reizvoll macht: es ist vielleicht weniger das „Was“ als das „Wie“ dieser festlichen Stunden, die man nicht messen kann und darf mit dem kritischen Maßstabe, der nur das äußere Sichbegeben bemißt, sondern die miterlebt werden müssen wie die großen inneren Wirkungen kleiner, unbedeutend scheinender Anlässe. Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Ortsgruppe München Vielfache Anfragen und Anregungen veranlassen die Ortsgruppe für Donnerstag, den 7. Juli 1932, abends 8/4 Uhr in dem Großen Saal des Künstlerhauses, Lenbachplatz 8, Eingang Maxburgstraße, eine Versammlung einzuberufen. In der Versammlung wird der I. Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Dr. Alfred Werner, die Aussprache über „Die politische Lage vor den Wahlen“ mit einem kurzen Referat eröffnen. Die Aussprache soll dazu beitragen, die notwendige Aufklärung über die Grundlagen der deutschen Politik in der Gegenwart zu schaffen. (Vergl. Inserat in der gleichen Nummer.) Jüdisches Jugendheim München Einladung. Einige Mitglieder des Jüdischen Kammerorchesters haben sich freundlicher Weise bereit erklärt, am Donnerstag, den 7. Juli, im Lessingsaal um 20.30 Uhr einige Werke von Haydn, Mozart und Beethoven zu spielen. Wir bitten um zahlreichen Besuch. Der Eintritt ist frei. Synagogenchor „Linath Hazedek-Agudas Achim“ Um den mit so viel Beifall aufgenommenen Herren- und Knabenchor weiter auszubauen, benötigen wir noch einige sangeskundige Herren und ersuchen um Meldungen bei Herrn I. Rosenwasser, Sendlinger Straße 20, Tel. 91350. Schachklub „Lasker“ Da in der Sommer- und Ferienzeit die Teilnehmerzahl zu gering ist und infolgedessen die Unkosten (Miete für das Spiellokal im jüdischen Kindergarten) nicht gedeckt werden können, ruht nunmehr der Spielbetrieb bis anfangs September; er soll am Montag, den 12. September, wieder beginnen. i. A.: Dr. Fritz Silber. Bücherscnau Encyclopaedia Judaica. 8. Band. Hesse bis Jerusalem. Verlag Eschkol A.G., Berlin, 1932. Die Encyclopaedia will nicht — das sei hier wieder betont — ein Lexikon, ein Nachschlagebuch im üblichen Sinne sein, sondern will „das Judentum in Geschichte und Gegenwart“ darstellen, will tiefen Einblick gewähren in das Wesen und Werden des Judentums und zugleich die Grundlagen schaffen zu seiner weiteren gründlicheren Erforschung. Darum erscheint hier der Artikel „Historiographie“ geradezu wie eine programmatische Arbeit. Begriff, Grundlagen und Systeme jüdischer Geschichtsschreibung werden hier erörtert, die jüdische Historiographie vom Altertum bis zur Gegenwart, die geschichtliche Forschungsarbeit in West-, Mittel- und Osteuropa, auch im Orient, wird übersichtlich dargelegt, die Grundanschauungen der DAS PR E 1 sw Ü R D i G E MÜNCHNER TUCHHAUS SONNENSTRASSE 8 IM PHÖBUSPALAST 'v-LW HK X

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