Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 12 (15.6.1932)
- Date
- 1932-06-15
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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182 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Form, auch nicht nur in der Anwendung historischer und philologischer Methoden der wissenschaftlichen Arbeit, sondern auch in einem Lieferen Sinn. Die Einheit besteht in dem Maße, als jeder Mitarbeiter nicht eine Einzelmonographie zu schreiben unternimmt, sondern einen Beitrag zu einem Gesamtwert, das als ganzes seine Norm allein im Neuen Testament hat. Die Aufgabe der neuteftamentlichen Begriffsgeschichte ist bei der heutigen Lage eine überaus verzweigte. Der wissenschaftlichen Sicherung des Werkes dient die Mitarbeit mehrerer Nicht- Neutestamentler. Die wichtigeren altteftamentlichen Begriffe werden (nach einer von Rudolf Kittel kurz vor seinem Tode, getroffenen Auswahl) von altteftamentlichen Kollegen selbständig bearbeitet. Außerdem aber zirkulieren alle Manuskripte bei einigen Herren, deren jeder sie unter dem Gesichtspunkt seines speziellen Fachgebietes prüft: Gottfried Quell und Gerhard von Rad: Altes Testament; Albert Debrunner und Hermann Kleinknecht: Sprachgeschichte, Profangräzität, hellenistische Religionsgeschichte; Hans Heinrich Schäder: Iranistik, Semitiftik; Gerhard Kittel und Karl Georg Kuhn: Rabbiniftik. Die dabei sich ergebenden Bemerkungen stehen vor der Drucklegung des Artikels dem Hauptbearbeiter zur Verfügung, der naturgemäß die volle Verantwortung für die endgültige Gestaltung feines Beitrages behält. Außer den Kögelschen Notizen haben die Mitarbeiter noch zwei weitere bedeutungsvolle handschriftliche Hilfsmittel. Adolf Schlatter hat große Teile eines durchschossenen Exemplars des Cremer-Kögel handschriftlich mit Parallelen aus der rabbinischen Literatur und aus Iosephus versehen und es uns zum freien Gebrauch überlassen. Erik Peterson gab zu fast jedem Stichwort eine größere oder kleinere Zahl von Belegstellen aus seinen persönlichen Materialsammlungen." Dieser Plan, der Name Gerhard Kittel und die bisher vorliegenden Lieferungen lassen ein Sammelwerk von überragender Bedeutung, von höchstem wissenschaftlichen Wert für eine unbefangene Erkenntnis der Entstehung des Christentums, besonders der neuteftamentlichen Urkunden erwarten. Man wird in der gesamten bisherigen wissenschaftlichen Literatur keine so ausgearbeiteten und tiefgehenden Untersuchungen finden wie etwa den Artikel im Alten Testament und im Judentum oder ayäxr\rpo „bie Liebe im Alten Testament" eine ausgedehnte, erleuchtende begriffsgeschichtliche Behandlung durch den Altteftamentler Gottfried Quell erfährt, wie wir sie bis jetzt nicht besitzen; daß dazu in der darauf folgenden Abhandlung „Lieben" (im Judentum im allgemeinen, im hellenistischen und rabbinischen Judentum) von dem neuteftamentlichen Forscher Stauffer eine prachtvolle, streng wortgeschichtliche Ergänzung fernab von jeder in der jüdischen Literatur leider allzu häufig vorkommenden unscharfen und nichtssagenden Homiletik vorliegt, darauf sei vorläufig hier nur aufmerksam gemacht. Nur im Vorübergehen kann neben unzähligen anderen wichtigen Aufsätzen auf die Abhandlung über den jüdischen Engel-(Malach-) Begriff von Pros, von Rad und über die Engellehre des Judentums von Kittel selbst hingewiesen werden, ferner auf den Abschnitt über die Verwendung des Heiligkeitsbegriffs im Alten Testament und über die Begriffsgeschichte von „Heilig" (prophetische Zeit, prophetische Theologie, nachexilische Zeit, Philo und Iosephus, rabbinisches Judentum). Alles in allem, hier ist ein Werk von größtem Ausmaß und ebensolcher Denkkraft und Ursprünglichkeit im Werden. Es sei hier der besonderen Aufmerksamkeit jüdischer Kreise anempfohlen. Wir werden über die weitere Entwicklung des Werkes unterrichten. F. Mbert Londres Neisetagebuch durch die jüdische Well der Gegenwart Zu dem tragischen Tode des französischen Reporters Der bekannte französische Journalist Albert Londres ist nach Blättermeldungen vor kurzem bei der Katastrophe des französischen Dampfers „Georges Philippar" mitverbrannt. Albert Londres gehörte zu dem Dreigestirn moderner Weltreporter: Egon E. Kisch, Knickerbocker und Albert LondreS. Er war Journalist aus innerem Zwang heraus. Seine Biographie ist ein Abriß der Probleme und Tatsachen der Nachkriegsgeschichte. Wie Kisch, wurde er groß als KrieLsberichterftatter. Er war an allen - alliierten Fronten, seine Reportagen waren Meisterstücke. Erst nach dem Kriege wurde Albert, Londres, der 1885 in Vichy geboren ist, der große Reporter, dessen Werke in alle Kultursprachen übersetzt worden sind. Als Redaktionsmitglied des „Petit Parisien" kam er wiederholte Male durch die ganze Welt. Er ist immer unterwegs; er ist immer dort, wo etwas los ist. Ein Erdbeben in Japan? Albert Londres durcheilt die verwüsteten Straßen Pokahamas und schreibt eine Reportage in Buchform darüber. Er reift nach Südamerika und besucht die aus der Strafkolonie geflüchteten Bagnards. Er fetzt sich für einen unschuldig Verurteilten ein. Er erreicht, daß dieser Mann, Dieudonn«, begnadigt wird und nach Frankreich zurückkehren kann. Wodurch erreicht er das? Albert Londres schreibt ein Buch darüber. Er analysiert den Mädchenhandel in Buenos Aires und in Rio. Er fährt nach Abessynien und schreibt über den immer noch blühenden Sklavenhandel im Schwarzen Erdteil. Man liest diese Bücher sehr eindringlich im Völkerbund. Und man greift ein, auf Grund einer Reportage. Er besucht Marschall Pildudsky und sieht ihm zu, wie er die Peitsche über Polen schwingt; er haust bei den ausständigen Drusen - er ist mit Abd el Krim in Verbindung. Er schenkt einer Dame eine Perlenkette. „Wissen Sie, gnädige Frau, wieviele Menschen starben, elend im Meer ertranken, um Ihnen diese Freude zu bereiten?" Albert Londres war bei den indischen Perlenfischern und schrieb eine erschütternde Reportage über das elende Dasein dieser Leute, die jede Minute ihr Leben auf das Spiel setzen. — Jüngst hat er eine Reise gemacht, um das jüdische Leben, wie es sich ihm in den verschiedenen Gebieten Europas und dann in Palästina darftellte, zu schildern. Sein Weg führte ihn durch Whitechapel, durch die Karpathen, in die Judenviertel von Warschau, Lemberg und anderen Orten Polens, nach Rumänien, in die Ukraine und schließlich nach Palästina. Er hat darüber ein Buch geschrieben, das 1930 in deutscher Übersetzung erschienen ist: „Der ewige Jude am Ziel." Wien, Phaidon-Verlag. Er schildert, was er gesehen und gehört hat, mit einer ungewöhnlichen Teilnahme.; - ' Wir geben im folgenden die lebendige Besprechung wieder, die jüngst Herr Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal (Köln) in der „Kölnischen Zeitung" dem Juden-Buch von Londres gewidmet