Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 10 (15.5.1932)
- Date
- 1932-05-15
- Page
- Seite 155 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 155 An alle jüdischen Schachfreunde Münchens Der jüdische Schachklub Laster in München, dessen Tätigkeit während der letzten Jahre leider geruht hat, will diese wieder aufnehmen. Alle jüdischen Schachfrcunde Münchens, ob Damen und Herren, gleichviel ob sie bisher dem Schachklub Lasker angchörten oder nicht, werden hicmit eingcladen, am Mittwoch, dem 25. Mai, abends 20.15 Uhr, im Bibliothcksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/2, zu einer gemeinsamen Besprechung zwecks Wiedereröffnung des Spielbetriebes zu erscheinen. I. A.: Dr. Silber lZückrerschau Ezechielis Judaei poetae Alexandrini fabulae quae inscribitur exagogae iragmenta recensuit atque enarravit. Joseph Wieneke. X, 135 Seiten. Monasterii Westfalorum 1931 ex officina Aschendorffiana (Münster 1931). Das Mose-Drama des alexandrinischcn Juden Ezechiel aus hellenistischer Zeit (2. Jahrh. v. Chr.) ist den Philologen und Theologen seit langem gut bekannt. 269 jambische' Trimeter sind uns erhalten. Die griechischen Verse, meist in engem Anschluß an den Text der Septuaginta, sind schlicht und leicht verständlich. Das erste Fragment ist ein Monolog des Moses, in dem er seine Lebensgeschichte bis zur Flucht nach Midian erzählt. Die folgenden Bruchstücke handeln von seinem Aufenthalt bei Neue! (2. Buch Mose 2, 16 ff.), von der Erscheinung Gottes im brennenden Dornbusch, den von Moses in Ägypten zu vollführenden Zeichen und der Einführung des Passahfestcs. Die letzten Stücke sind Botenbcrichte, von denen der eine den Untergang der Ägypter im Roten Meer, der andere die Auffindung der Oase Elim (2. Buch Mose 15, 2?) behandelt. Wir wissen nur von diesem einzigen jüdischen Dramatiker, der biblische Stoffe zu einem griechischen Drama verarbeitet; ob Ezechiel Vorläufer und Nachahmer hatte, wissen wir nicht nrehr. Das merkwürdige Phänomen bestätigt die eigentümliche kulturelle Doppcllage der Juden von Anfang an; dieses griechische Drama stammt aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Es ist weit über den philologisch-historischen Fall denkwürdig. Bei Schürer (Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu, 4. Ausl., Bd. III, S. 500—503), bei Otto Stählin (Hellenistisch-jüdische Literatur, S. 607 f.) und in der Cnzyklopädia Judaica, Bd. VI, S. 885 f., findet auch der Laie über dieses Moses-Spiel alles Wissenswerte. Seit kurzem haben wir auch bei Paul R i e ß l e r, Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel (Augsburg 1928), S. 337—345, einen guten deutschen Text. Es gibt kein charakteristischeres Literaturdenkmal als dieses Moses- Drama, um den Geist des jüdischen Hellenismus, als historischer einmaliger Erscheinung und gleichzeitig als des typischen wiederkehrendcn jüdischen Schicksals zu begreifen. Joseph Wieneke hat die Czechielschen Fragmente in der vorliegenden Arbeit mit kritischem Apparat herausgegebcn, der Parallel- Text aus der Septuaginta ist regelmäßig beigefügt. Der Kommentar- Text des Verfassers, seine Untersuchung über die näheren Lebensumständc des jüdischen Dichters und über seine dramatische Technik sind in fließender lateinischer Sprache abgefaßt. Ein vollständiger Wortindex schließt das Werk ab. Cs kann in keiner guten jüdischen Gelehrtcnbibliothck entbehrt werden. Die Lektüre des griechischen Textes in den Oberklassen unserer humanistischen Gymnasien im jüdischen Religionsunterricht wäre des Versuches wert. F. Simon Dubnow, Geschichte des Chassidismus. Aus dem Hebräischen übersetzt von Dr. A. Steinberg. Bd. I: 340 Seiten; Bd. II: 336 Seiten. Berlin (Jüdischer Verlag) 1931. Die zchnbändige Weltgeschichte des jüdischen Volkes krönt der Verfasser durch seine Darstellung der merkwürdigen Volksbewegung des Chassidismus. Er begibt sich damit zurück auf sein eigentliches Forschungsgebiet und muß nicht mehr wie in den meisten Teilen der „Weltgeschichte" aus zweiten Quellen oder aus Vermittlungsliteratur schöpfen. Seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte sich Dubnow der Erforschung der als „Chassidismus" bezeichneten mächtigen innerjüdischen Auflehnung gegen seelenlos gewordenen Werkdienst gewidmet; Entstehung, Aufschwung und Entartung der Bewegung hat er aus ersten, selbst erschlossenen Quellen zum erstenmal im Zusammehang, nach nrodernen streng wissenschaftlichen Methoden geschildert. Er hält sich gleichmäßig von einseitigen Urteilen der innerjüdischen Gegner, seien es östliche Aufklärer (Maskilim) oder Strenggläubige (Misnagdim), wie auch von Urteilen der von außen kommenden, mehr literarischen und idealisierenden Bewunderer wie Buber fern. Er kann überhaupt „Literatur" über den Stoff so gut wie ganz entbehren, da er aus den kritisch überprüften ersten Quellen erzählt und deutet. Die erste Beilage zum ersten Band gibt Rechenschaft über die Beschaffenheit dieser Quellen und die Methoden ihrer Benützung. In dieser wichtigen Beilage werden nicht weniger als 193 Stücke mit peinlich genauer Beschreibung vorgesührt: Dokumentensammlungen und polemische Schriften (Manuskripte, Flugblätter esw.), chassidische Sagenbücher, die dogmatische Literatur des Chassidismus, endlich die Aufklärungsliteratur und die wissenschaftliche Forschung. Der deutsche Leser, der bisher die „Geschichten des Rabbi Nachman", die „Legende des Baalschem" von Buber kennt, erhält nun ein völlig neues, örtlich, zeitlich und stofflich viel differenzierteres, echt historisches Bild dieser jüdischen „Reformation", die praktisch wohlgemerkt von der jüdischen Pflichtenlehre in ihrer strengsten Form nie auch nur den kleinsten Schritt abgewichen ist. Das Urteil Dubnows über den Salonchassidismus von Buber ist sehr maßvoll, vornehm und ohne Gelehrtenhochmut in Band I, S. 309 s. vorgctragen. Die vollendete Sprachschönheit Bubers darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß seine Bücher die Forschung nicht fördern; sie zählen der besten deutschen Literatur und Prosadichtung zu. Der Mythos, die Legende ist für Buber die höhere Realität. Auch für den eigentlichen Inhalt der chassidischen Lehre, nicht für die authentischen historischen Vorgänge wird Dubnow von jetzt ab die entscheidende Darstellung bleiben. F. Thomas Mann, Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters. Rede zum 100. Todestag Goethes, gehalten am 18. März 1932 in der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin. S. Fischer Verlag, Berlin 1932. Am Ende des bürgerlichen Zeitalters, in Nöten und Krisen des Übergangs, auf dem Weg in neue Welten, neue Ordnungen des Innen und Außen bringt uns Thomas Mann die einfache bürgerliche Seite Goethes nahe, seine einfachen und natürlichen Gewohnheiten guter. Herkunft. „Es fehlt diesem Wesen jede Spur des Priesterlichen, Feierlichen und Gespreizten, aller sakrale Anspruch"; schon seinen Zeitgenossen fiel diese Abwesenheit alles Exzentrischen, „Genialen" auf. Im Tieferen entspricht bei Goethe dieser Ordnungsliebe, ja Pedanterie seine unablenkbare Richtung und Sicherheit. „Der Geist des Wirklichen", sagt Gocrthe, „ist das wahre Ideelle" — eine gegen Schiller gerichtete antiideale Form des Idealismus, die sein ganzes Verhalten zum Menschlichen und auch zum Menschheitlichen bestimmt und sich namentlich im Politischen bewährt. Thomas Mann erzählt mit unnachahmlicher Grazie, eine scheinbare äußerliche Szene über Goethe als Hausherrn bei Tisch: Ein „Literator" und Jslandfahrer Martin Friedrich Arendt, ein Bohemegelehrtcr, ist in Weimar zu Mittag bei Goethe geladen. „Es gibt einen Hammelbraten mit Gurkensalat, und nach w Der neue 6/30 PS 1 V2 Liter iÄ^llei "1^1 IIIIIIS ist jetzt Bitte, besichtigen Sie ihn im Ausstellungsraum der liof45l*l)Sll9 Aillcnvcrke Filiale illiiiiclicii Augustenst.aße4o