Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 9 (1.5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 137 Paul Mombert, o. Prof, a.' d. Universität Gießen, Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftsgestaltung. Zur Frage des Volkswachstums. Veröffentlichungen der Frankfurter Gesellschaft für Konjunkturforschung, herausgegeben von Dr. Eugen Altschul; Neue Folge Heft 3. Leipzig (Hans Buske) 1932. Mombert ist der beste Kenner des Bevölkerungsproblems in der gegenwärtigen Nationalökonomie. Seine neue Fragestellung ist fruchtbar; die Wichtigkeit seiner Antwort besteht zunächst in der klärenden Abgrenzung der vorläufigen Diskussionsfragen. Mombert ist sich vor allem bewußt, auf wie schwankendem Boden man sich bewegt, wenn man aus den in der Gegenwart erkennbaren Kräften kommende wirtschaftliche Gestaltungen zu erkennen sucht. Welchen Einfluß hat der Wandel in der Wirtschaftslage auf den Gang der Bevölkerung? Die möglichen Zusammenhänge und der tatsächliche Hergang dieser Wechselbeziehungen sind das Objekt der neuen Mombertschen Forschungen. Beispiel: Zwei Zahlenreihen werden einander gegenübergestellt: „Auf 1000 Einwohner entfielen Eheschließungen in Deutschland" — „Cs betrug der Betriebsüberschuß der deutschen Eisenbahnen in Prozent des Anlagekapitals". Man sieht, die Malthusschen Zahlenreihen haben sich verändert. Ein anderes Beispiel: Einfluß der Wandlungen im Altersaufbau der deutschen Bevölkerung auf die einzelnen Warenmärkte. Nach diesen Andeutungen ist ohne weiteres auch die höchst praktische Bedeutung der Mombertschen Arbeit auch für jüdische Fragen ersichtlich; erinnert sei -hier etwa an die Arbeitsmarktprognose im Dienste der Berufsberatung. F. Deutschland — So oder So. Von H. R. Knickerbocker. Rowohlt, Berlin 1932. „Das unmittelbare Interesse jedes einzelnen amerikanischen Bürgers an einer Beantwortung der Frage nach dem Geschick der deutschen Republik läßt sich auf rund 35 Dollar beziffern." Gegen 4 Milliarden Dollar stehen insgesamt für Amerika in Deutschland auf dem Spiel. So ist es begreiflich, daß Deutschland die Amerikaner aufs höchste interessiert. So wurde Herr Knickerbocker von der New Dork Evening Post geschickt mit dem Auftrag, das Deutsche Reich im Auto gründlich zu bereisen. Knickerbocker klärt die Amerikaner zunächst auf: „Als das letzte Kricgsjahr zu Ende ging, wurden in Deutschland zwar Achtzehnjährige und noch Jüngere eingezogen, aber prinzipiell kann man sagen, daß ein Junge, der 1918 18 Jahre alt war und heute 32 ist, nicht gedient hat. Mit 20 Jahren gewinnt man in Deutschland das Wahlrecht. In der Altersklasse zwischen 20 und 32 Jahren sind also die Männer und Frauen zu suchen, die den Krieg mit Kindcraugcn gesehen und nicht an ihm teilgenommcn haben, aber heute in einem Alter stehen, das es ihnen ermöglicht, einen stets stärker werdenden Einfluß auf die Regierung zu nehmen. Die 13 570 000 Deutschen dieses Alters erklären vieles. Vor allem erklären sie Hitler. Ohne diese Jugend, die er durch die Jugendlichkeit seiner Gefühle gewonnen hat, wäre Hitler noch heute Führer einer obskuren Partei, die wahrscheinlich so klein wäre, daß sie nicht einmal ein Reichstagsmandat hätte... Diese Jugend hält es für möglich, alles über Nacht zu ändern und glaubt, daß zum Abschütteln des französischen Joches' nichts weiter gehört als Mut. Die Führer anderer Parteien sagen ihr, daß noch sehr viel mehr dazu gehört als Mut, daß Geduld dazu gehört und Zeit und Diplomatie; Hitler sagt ihnen: ,Alles, was dazu gehört, ist Schneid.' Sie folgt Hitler." Knickerbocker hat in Deutschland viel gesehen und gehört. Ein Interview bei Krupp von Bohlen unterrichtet ihn über die herrschende Meinung in der Schwerindustrie; eine Unterredung mit Höltermann, dem Führer des Reichsbanners, mit Minister Klaggcs in Braunschweig, mit Hitler im Braunen Haus in München belehrt ihn über die gegeneinander streitenden Parteien. Als Obdachloser war er mit den Ärmsten der Armen in den Asylen der Berliner Elendsviertel, mit verzweifelten Verschwendern in den luxuriösen Tanzbars des Westens von Berlin zusammen. Er kennt das fast unzugängliche Leuna-Werk bei Merseburg, das Zeiß-Werk in Jena, die Öpelwerke in Rüsselsheim, kennt Unternehmer, Arbeiter, Studenten. Knickerbocker besucht Frankfurt am Main und steht in Meyer Amschel Rothschilds Haus, Nummer 26 an der Börnestraße. „Im Keller des Hauses ist noch der dunkle Eingang zu einem Tunnel zu sehen, der zu dem.nächsten Haus führt, wo die Vorfahren des New Dörfer Bankiers Schiff wohnten; er diente als Rettungsweg, wenn blutdürstige Volkshaufcn unterwegs waren, um Juden zu erschlagen.... Meyers tägliche Einnahmen wurden in einer großen imposanten Cisenkiste in einem Hinterzimmer aufbewahrt — sein wirkliches Gold war Besichtigung des Betriebes erbeten! Wäscherei * Münchener Hausf rauenhilfe Landwehrstr.57/59-Telefon596858 München Cafe Lnif|i»ld Kammer-Orchesters . 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