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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-05-01 · 9 (1.5.1932) · p. Seite 132

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
9 (1.5.1932)
Date
1932-05-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung ,~i . * i EM ,'qüAba1 isöf; LLW M 5 Abb. 6: Grabstätte I. Hirschinger Entwurf: A. Zadikow rnvKß \nT^r4WiMjbY^M -. ti r. «rj* «r‘~ri'' m-s jp [fofe^ianV' I ipT/töftä rrnfts n’*5V: jy r imitf piiten?;; 'Abb. 7:. Grabstätte Henriette Bach - Entwurf:- R. Ernst Nr. 9 des Künstlers zu bezeichnen, daß er in Anknüpfung an beste jüdische Schaffensperioden der Gestaltung moderner Kunstwerke eine besondere, von innen heraus geborene Note zuführt. Diese Bestrebung spricht auch aus dem von ihm geschaffenen ragenden Steinmal für Frau Paula Marschütz, besten symbolischer Schmuck der dreiarmige Sabbath-Leuchter in schöner Stilisierung bildet. Plastische Wucht und geschlossene Wirkung zeichnet auch den vom gleichen Künstler herrührenden Stein für Jakob Hirschinger aus (Abb. 6), der in der Einfachheit seiner Erscheinung klastische Ruhe und Würde ausströmt. Eine der neuesten Schöpfungen Fritz Landauers ist der von zwei stattlichen Pylonen flankierte Sarkophag aus gelbem Travertin für Kommerzienrat Hermann Bach. Die plastisch hervortretenden Embleme: Menorah, Magen David und Palmbaum sind mit Geschick gewählt und betonen die jüdische Note. Diese für ein Cinzelbegräbnis etwas zu anspruchsvoll hervortretende Gruppe wird ins rechte Verhältnis zu ihrer Umgebung gesetzt durch ihre Stellung an der südlichen Umfassungsmauer, wodurch sie einen ruhigen und wirkungsvollen Hintergrund erhält, wie auch dadurch, daß sie Abschluß und Blickfang eines' Hauptweges bildet. Weitere beachtenswerte Arbeiten Landauers sind der gutgegliederte Sarkophag für Karl Treumann aus hellem Treuchtlinger Marmor, die Grabstätte für Nathan Rosenau, welche das gleiche Motiv in abweichender aber nicht weniger glücklicher Lösung behandelt, Und die breitgelagerte Tafel aus Diabas für Justizrat Eugen Beer, deren ruhige Wirkung durch das edle Ebenmaß der Form und durch die Klarheit der Schrift hervorgerufen wird. Das Beispiel eines Liegegrabes, einer in jüdischen Friedhöfen nicht häufigen und erst in den letzten Jahrzehnten verwendeten Form des Totenmals, ist in besonders ansprechender Weise gegeben in der gutkonturierten Steinplatte zum Gedenken an Erich Jakob, Werner und Georg Cahn. Künstlerische Gestaltung zeichnet weiters das von dem Maler Ludwig Schwerin geschaffene Grabmal für Nathan Holzinger aus, das in beachtlicher Weise die Idee des Liegegrabs mit einer als Folie dienenden modern gestalteten niederen Abschlußwand verbindet. Die in der Nähe dieses Steins befindlichen Grabstätten der Familie Schülein sind von Prof. Julius Seidler nach einem zusammenfastenden Gesichtspunkt unter Benützung der südlichen Umfassungsmauer einheitlich behandelt. Der Gedanke der Grabwand begegnet uns auch in der mit Nischen gut gegliederten Anlage für die Angehörigen der Familie S. Guttmann. Auf diesem von Architekt Hans Noris geschaffenen eindrucksvollen Monument ist die Verwendung von Bronzeteilen in Form von Schriftzeilen und geeigneten Emblemen mit sicherem Geschmack zur Gesamtwirkung herangezogen worden. Eine ansprechende Probe seiner Eignung auch auf dem Gebiete der jüdischen Grabmalkunst gibt Architekt Gustav Meyerstein mit dem zur Erinnerung an Adolf Straßburger errichteten Stein. Aus der großen Zahl der von den Steinmctzfirmen G r ö t s ch und Koppel & Söhne im nördlichen Friedhof stammenden Epitaphien seien besonders erwähnt die für Helene Naß (E. Grötsch), Oberin Melitta Feuchtwang und Benno Kirschner; die beiden letzteren sind aus der Wcrkstätte von Koppel.& Söhne hervorgegangen und verraten bei aller Einfachheit der Ausführung gute Abgewogenheit der Formen. Gänzlich außerhalb des Hergebrachten repräsentiert die von Architekt N e u m a n n entworfene polygonale Säule für Dr. Isidor Deutsch einen Versuch, dessen Eigenart sich nicht in den Charakter eines jüdischen Friedhofs eingefügt hat. Bei aller Anerkennung des künstlerischen Wollens kann dies nicht unausgesprochen bleiben. Hingegen verdient der von dem Maler Rudolf Ernst geschaffene Stein für Frau Henriette Bach volle Beachtung, so neuartig er sich auch darstellt (Abb. 7). Die Oberfläche besteht aus einem Mosaik, das einen sie ganz ausfüllenden, aus weißen Steinchen auf dunkelgrauem Grund zusammengesetzten hebräischen Text ergibt, in den in lateinischer Schrift aus rosa Plättchen der Name der Verstorbenen und die Lebensdaten verwoben sind. Der Künstler wollte die Vergänglichkeit alles Irdischen gegenüber den bleibenden Worten der heiligen Schrift zum Ausdruck bringen. Wenn technische Schwierigkeiten die Ausführung dieser Leitidee auch nicht völlig ermöglichten, so sei doch auf dieses Werk schon deshalb aufmerksam gemacht, weil es die Brauchbarkeit der musivischen Kunst zur Hervorhebung der dekorativen Schönheit der hebräischen Quadratschrift erweist.

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