Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 9 (1.5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 131 durchgeführte Abgewogenheit ausgezeichnete Denkstein für Emanuel Kronheimer. Dieses aus der Werkstätte der Firma E. G r ö t s ch hervorgegangene Grabmal fügt sich bei aller Modernität sehr gut in den allgemeinen Nahmen. Zu den bemerkenswertesten künstlerischen Schöpfungen im südlichen Friedhof ist der Sarkophag für Frau Mina Wolfs zu rechnen, den Architekt Fritz Landauer entworfen hat (Abb. 3). In wohlabgewogenen Maßen ist eine Form verwendet worden, die von den klastischen Totenstätten ihren Ausgang nahm und später in den „Häuschengräbern", wie wir sie in Prag, Wien und anderwärts antreffen, zu eigentümlicher Gestaltung ausgebildet wurde. Vom gleichen Künstler rührt ein einfacher Stein her, der in der Umrißform und im Emblem alten Vorbildern mit Glück nacheifert, der Stein für Jenny Goldschmitt. Der dreiarmige Leuchter, der in gewolltem Archaismus in die Fläche eingetieft ist, symbolisiert die den Sabbath- und Festtag- Eingang verschönende Pflicht des Lichtentzündens. Dieses Wahrzeichen jüdischer Fraulichkeit, das inhaltlich wie gestaltlich an tiefste Empfindungen rührt und deshalb auf alten Stelen ein beliebtes Motiv bildete, findet neuerdings wieder mehr Verwendung. In der Nähe der Goldschmitt'schen Gralstätte erregt wegen ihrer künstlerischen Bedeutung die für einen jüdischen Friedhof wohl zu pompös ausgefallene Anlage des Sabat'schen Familiengrabs nach dem Entwürfe von Prof. H. W a - dere Aufmerksamkeit. Durch den zu stark architektonisch durchgeführten Komplex werden die benachbarten Steine in ihrer Wirkung stark beeinträchtigt. Die notwendige Einfühlung in den Charakter der Umgebung verrät hingegen eine Gruppe von drei eng aneinander gereihten hohen Steintafeln, die an dahingeschiedene Glieder der Familie Rosenfelder gemahnen. Diese von Wolfgang Vogl herrührende Komposition wirkt für sich allein schon vorteilhaft, gewinnt aber durch Verwendung der Schriftreihcn in dekorativem Sinne an beispielgebender Bedeutung. Einige weitere Steine, die von Arch. F. Landauer herrühren, seien nun genannt: der Stein für den Antiquar Julius Halle, der das altjüdischc Motiv des aufgeschlagenen Buches hier in etwas geändertem Sinne, aber mit gutem Recht verwendet; der Doppelstein für Albert Landauer, der sich trotz moderner Gestaltung und eigenartiger Auffastung den aus den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts stammenden Denkmälern seiner Umgebung gut einfügt; die sich durch geschlossene Tektonik auszeichnende Stele für Siegfried und Leontine Ballin und die wirkungsvolle, in ihren Einzelheiten wohl abgewogene Doppeltafel zum Gedächmis an Heinrich und Mathilde Friedmann. Als eine treffliche Leistung der Werkstätte Grötsch ist die ragende Mazzebah für Richard Fraenkel anzusprechen, deren plastischer Schmuck die Levitenkanne ist. Der nördliche Aiedhof wurde in einer Zeit angelegt, in der bereits die Notwendigkeit als dringlich empfunden wurde, der schrankenlosen Willkür bei Aufstellung von Grabmälern entgegenzuwirken. Als wertvolle Schöpfung auf dem Gebiete des repräsentativen Grabmonuments ist das Kriegergedächtnismal zu bezeichnen, das zum würdigen und eindrucksvollen Sinnbild der Empfindungen geworden ist, die die Gemeinde den aus ihrer Mitte hervorgegangenen Opfern des Weltkrieges weiht. Der Hintergrund des von Steintafeln mit den Namen der Gefallenen flankierten Geviertes wird durch den wuchtigen Block des auf Löwen ruhenden Katafalks (Abb. 4) beherrscht. Die von ihm ausgehende Wirkung erfüllt die ganze Anlage, die einen neuen Ruhmestitel Fritz Landauers bildet. Im Anschluß an dieses baumumhegte, ruhig und eindrucksvoll gelagerte Ehrenmal sind in einer Reihe die Gedenksteine an dahingeschiedene Führer der Gemeinde, Rabbiner Dr. Werner und Rabbiner Dr. Chrentreu, errichtet. Besonders die aus Ruhpoldinger Marmor gebildete mächtige Mazzebah zum Andenken an den Letztgenannten ist wegen des edlen Gleichmaßes ihrer Erscheinung hervorzuheben (Abb. 5). Ihr Entwurf stammt von Arnold Zadikow, dessen plastisches Bildungsvermögen in der lebenerfüllten Durchgestaltung der segnenden Priesterhände zum Ausdruck kommt. Die hebräischen Schriftzeilen tragen in ihrer starken Ausdruckskraft zur Belebung der Fläche bei. Vom gleichen Künstler rührt die gutgegliederte, dreiteilige Grabstätte der Familie Basch her. In den tiefen Bogenfeldern der Schauwand bringt Zadikow mit meisterlicher Gestaltungskraft Schmuckmotive zur Geltung, die an die Themen altjüdischer Ornamentik gemahnen: die Vase, der blätterbesetzte Ranken entsteigen, die reizvoll stilisierten Vögel, die drei Kronen, sie sind uns aus den reichen Thora-Vorhängen des frühen 18. Jahrhunderts vertraut. Es ist als eine glückliche Idee Abb. 4: Kriegerehrenmal Entwurf: F. Landauer -.1irTTÜ '7177H 2 ii i rir.r® p2 n ror n'mp "M1 131^ irr,?Pt WÜ'VZVi&'V p 22Ä 27 T'snrvfCt: ps 2V2 ms 51»?7 *3 rrvv ins ü'V' rm TMxmir 71711; VXH ‘TV*"?; ■w nurri Abb. 5: Grabmal Dr. H. Ehrentreu Entwurf: A. Zadikow