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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-05-01 · 9 (1.5.1932) · p. Seite 130

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
9 (1.5.1932)
Date
1932-05-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 130 LMM Abb. 2: Grabstätte Tobias und Sarah Reich Entwurf: A. Zadikow Mb. 3: Grabstätte Mina Wolfs Entwurf: F. Landauer vorwiegend gewählten Materials, der leicht zu bearbeiten ist, aber leider den Witterungseinflüssen Münchens auf die Dauer nicht standhielt. Ein heute im Besitze des „Vereins für jüdische Museen in Bayern" befindliches Sepia-Aquarell, das vermutlich von Carl August Lebschäe herrührt, zeigt den Anblick, den der Friedhof um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bot (Abb. l). 2m Vordergrund ist die heute nicht mehr stehende Trauerhalle zu sehen, ein einfacher, aber reizvoller Empirebau, dahinter wirken die Reihen der Grabmäler durch die Geschlossenheit ihrer Erscheinung. Nur das mächtige Marmormonument für den am 22. März 1833 verstorbenen Dichter Michael Beer, einen Bruder des Komponisten Giacomo Meyerbeer, ragt über die umgebenden Steine weit heraus. Das im klassizistischen Stil der ludovizianischen Zeit errichtete Kenotaph ruht auf vier starken Pfeilern; Plaketten nennen die Hauptwerke des jung Verstorbenen, von dem ein Vierzeiler kündet: „Heilige Liebe zum Schönen verklärte / das Leben des Dichters / welcher das Gute vollzog / das er im Liede besang." Zu den Freunden des Poeten gehörte auch sein Gönner König Ludwig I., der diese Form des Nachrufs beeinflußt haben mag. Das stattliche Grabmal bezeugt sichtbar die Wertschätzung, die der heute fast Vergessene unter seinen Zeitgenossen fand. Gleichzeitig bekundet der allzu pomphafte Aufbau das Eindringen einer Auffassung in die Gestaltung jüdischer Grabstätten, die dem ursprünglichen einfachen Sinn und den tiefen Grundgedanken des Judentums nicht entsprach. Wie dem aus innerster Erschütterung geborenen Gefühl der Gleichheit aller Menschen in ihrer letzten Stunde der alte Gebrauch Rechnung trägt, in der Bestattung keinerlei Unterschiede zwischen den zur Ruhe Gelangenden zu machen, so hatten frühere Jahrhunderte bei aller Zeitgebundenheit Grabformen entwickelt, die in ihrer Einfachheit Ewigkeitscharakter in sich ttagen. Diese Unterordnung unter ein ungeschriebenes Gesetz drückt den alten jüdischen Friedhöfen jenen Stempel überzeitlicher Größe und erhabener Ruhe auf, die der maßlose Individualismus, der gerade im 19. Jahrhundert unter den Juden herrschte, nicht zu erreichen vermochte. Cs nimmt nicht Wunder, diese Beobachtung auch auf den Münchener jüdischen Friedhöfen machen zu müssen. Die neuere Entwicklung hat zu einer Abkehr von der Vorherrschaft 'des Prunks geführt, was nicht immer Rückkehr zu alten Formen bedeutet. Vielmehr wird der persönlichen Eigenart des ausführenden Künstlers, wie den Wünschen der Aufttaggeber Spielraum gelassen und eine schematische Gleichartigkeit durchaus ferngehalten, wie es auch im Sinne der seit etwa einem Jahrzehnt geltenden, vom gemeindlichen Denkmalausschuß aufgestellten Richtlinien liegt. Die Mitwirkung jüdischer Architekten und Künstler brachte nicht allein beachtliches Können zur Geltung, sondern hat seit einer Reihe vor Jahren zur Durchsetzung der Grundanschauungen über jüdische Totenehrung in hohem Maße beigetragen. Die Einbettung der Totenstätte in das natürliche Wachstum ist bei den beiden jüdischen Friedhöfen Münchens mit gutem Bedacht durchgeführt worden. Die Erhaltung ungestörten Friedens wird gerade durch die Einbeziehung des Vergangenen in das ewige Werden betont, der Ernst des Ortes durch die hohen Zypressen und sonstige Bäume unterstrichen und zugleich im versöhnenden Sinne gemildert. Die folgende Heraushebung einzelner Grabmäler aus der Fülle der Monumente soll das Augenmerk besonders auf die neuere Entwicklung lenken. Dabei wird manche individuell hochwertige Arbeit nur nebenher aufgeführt werden können. Nichterwähnung möge nicht als geringere Einschätzung angesehen werden. Im alten Friedhof an der Thalkirchner Sttaße ist der Weg vom östlichen Haupteingang zur Friedhofshalle von einer Reihe beachtlicher Monumente flankiert. Der von dem Bildhauer Arnold Zadikow geschaffene Doppelstein für Tobias und Sarah Reich (Abb. 2) nimmt alte Motive in glücklicher Weise auf. Die den oberen Abschluß bildenden Bogen gemahnen an die ursprünglichen Formen der Mazzeboth, wie sie in eindringlicher Wucht der Erscheinung auf den ältesten erhaltenen Friedhöfen uns begegnen, während das breite Querband mit der charaktervoll wirkenden hebräischen Schrift die Verbindung und Zusammenfastung der beiden Tafeln bewirkt. Kräftige Plastizität spricht aus den mit Verständnis gewählten Emblemen. Unweit dieser Grabstätte erhebt sich in schlichter Flächigkeit der durch seine architektonisch gut

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