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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-04-15 · 8 (15.4.1932) · p. Seite 120

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
8 (15.4.1932)
Date
1932-04-15
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 das sich also auch wieder des Vergänglichen an ihm zu entledigen hat. Aus dieser Position, die in fortschreitender Entwicklung der Versittlichung der Welt zustrebt, ergibt sich die Ablehnung des Konservativen, das die Entwicklung verneint, wie auch des Nationalen, das in die Enge des Völkischen flieht. Aus dem Wege der Annäherung zum messianischen Zeitalter werden auch Spannungen, wie sie zwischen Judentum und Christentum — Altem und Neuem Testament — bestehen, zur Auflösung gebracht werden. Denn klar bringt der' Autor seine Grundthesc zum Ausdruck: „Ich stehe zu der Behauptung, daß wir uns an die Ideale der Cmanzipationszeit anklammern wollen und müssen, an die universalistischen Ideale des liberalen Judentums." Cs ist hier nicht der Ort, um auf die Fülle der angeschnittenen Fragen nach Gebühr und Notwendigkeit einzugehen. Das Buch ist uns bereits in zweiter Auflage gegeben worden und heischt damit die Auseinandersetzung mit der Position, die aus ihm spricht. Dies kann gerade an Hand dieses Buches geschehen; denn einerseits ist cs die Persönlichkeit Montefiore, andererseits die umfassend gegebene Problematik, die diesem Buche dokumentarischen Wert und Bedeutung sichert. Heinrich Lemlc. Der Jude im deutschen Kulturkreise. Ein Beittag zum Wesen des Nationalismus von Felix Goldmann (Leipzig). Philo-Verlag Berlin. Nach zwei Fronten hin hatte Moses Mendelssohn den Eintritt der Juden in das moderne Kulturleben Europas verteidigt und propagiert: nach außen, in der nichtjüdischen Umwelt, nach innen, bei den Juden selbst. Es ist kein Zufall, daß F. Goldmann in seinem Buche ebenfalls vor dieses doppelte Forum seine Angelegenheit bringt; ein innerer Zusammenhang besteht zwischen dem Eintritt in die Kultur der Umwelt, der Emanzipation, und der Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Probleme dieser Kultur: mit dem Nationalitätenproblem. So wird uns durch Goldmann in gewissenhaften Zusammenstellungen und Aufzählungen, die von einer Erschlossenheit für das Leben bei uns und um uns Zeugnis geben, durch den ersten Teil seines Buches hindurch der Versuch geboten, zu zeigen, daß mit der Eigenart einer jüdischen Kultur auch das Eigendasein eines Jüdischnationalen in Auflösung begriffen sei. Die Problemstellung Deutschtum — Judentum muß verschwinden wie das Judentum im Deutschtum (beide gleich gefaßt, was nach Goldmann ein Fehler ist). Daher muß die nationale Renaissance, mit der auch das Judentum sich vom Zeitsiromc berührt zeigt, nur ein Hemmnis in diesem Verschwinden sollen der jüdischen Kultur bedeuten, das überwunden werden muß — durch Religion. Das ist das Ergebnis des zweiten Teiles „Der Charakter des Judentums". Sollen alle Betrachtungen des Buches zur Lösung der Frage nach dem Verhältnis von Kultur und Nation beitragen, so konnte dies auf solche Weise noch nicht endgültig erreicht werden. Nur auf Grund einer systematisch geeichten Grundlinie wird man hier Entscheidendes ausmachcn können. Mehr als Hinweise gäbe hierfür die geisteswissenschaftliche Psychologie Eduard Sprangers („Lebensformen"), die ihren Sinn auch für Völkerindividuen behält. Dann hätte das Judentum vielleicht nicht seine Religion statt einer Eigcnkultur, sondern das Charakteristikum seiner Kultur hieße eben: Religion. Heinrich Lemle. Hans Duhm, Prof, der Theologie in Göttingen, Der Weg des modernen Menschen zu Gott. Verlag von Ernst Reinhardt, München. 1931. Mißtrauen, Einwändc und Proteste gegen dieses Buch der „Aufklärung" und des Rationalismus werden zum Schluß besiegt durch die absolute Redlichkeit dieses Intellekts, durch die Geradheit der dahinter stehenden Absicht und die Tiefe der sich ohne Schmuck und ohne gelehrte Allüren gebenden echten Forscherleistung. Wieder erhebt hier eine reine Stimme die alte unergründliche Hiobsfrage: Wenn Gott, der Eine, der Erste und Letzte, diese Welt geschaffen hat, warum hat er sie nicht anders geschaffen, warum nicht besser, warum nicht so, daß alle seine Geschöpfe glücklich und zufrieden sein können? Der Verfasser meint: Die Zeit ist endgültig vorüber, in der die Antwort auf diese Frage ohne eigenes kritisches Denken aus der „Schrift" entnommen werden konnte. Die Begründung, warum diese Zeit vorüber ist und wie mittlerweile zwingende, nicht wieder ungeschehen zu machende Erkenntnisse über die Entstehung der „Schrift" ganz zuerst eine klare Urteilsbildung über Herkunft und Wert jeder einzelnen biblischen Urkunde unabweisbar machen, ist eine Glanzleistung des Buches von Duhm. Gegen seine Grundehrlichkeit müssen die Verrenkungen moderner mystischer Vernebelungen wie der dialektischen Theologie verblassen. „In Sachen der Religion ist noch mehr als anderswo nur ernsthafteste Ehrlichkeit am Platze. Frömmelnde Unehrlichkeit ist der Tod zwar nicht der echten Religion, wohl aber des Glaubens vieler Menschen an die Religion." Das historische Christentum — das ist die These dieses christlichen Theologen aus berühmtem Gelehrtengeschlecht — ist das Christentum des Paulus, nicht das Christentum von Jesus; das historische, heute herrschende Christentum geht also von einer Gottesvorstcllung aus, die schon die Propheten Altisraels längst überwunden hatten (S. 135). Der Überblick, den Duhm über die Entwicklung der israelitisch-jüdischen Religion gibt, läßt allerdings auch keinen Zweifel darüber, daß er die Geseßesreligion des Judentums und die Betrachtung der Thora als der entscheidenden Offenbarung des Willens Gottes von Grund aus als Weg des modernen Menschen zu Gott aufs strikteste ablehnt. Fortsetzung Seite 123 C\/\ nDs5$nsco /*. Dieb^Unnntan 0* " Die bekannten \ 0lUrnigN/ WESTDEUTSCHE NAHRUNGSMITTEL-WERKE MBH DUISBURG a/RH. HADASSAH KINDERHEIM HOHENTANN Wackersberg b. Bad Tölz, 836 ü. d. M. Aufnahme von Kindern von 2-15Jahren. 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