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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-03-15 · 6 (15.3.1932) · p. Seite 85

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
6 (15.3.1932)
Date
1932-03-15
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 85 SO. Geburtstag Frau Rosalie Deutschmann in München feiert in diesen Tagen ihren 80. Geburtstag. Am 12. März konnte Frau Fanny Preßburger in München, Avcntinstraße I, ihren 80. Geburtstag in voller Frische feiern. plus der öemeinde vamberg Vortrag über Lesser-Ury. — Ausstellung von Werken Arthur Galliners In eindrucksvoller Weise sprach am 14. Februar im Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Dr. Arthur Galliner aus Frankfurt a. Main über „Lester Ury und seine künstlerische Umwelt". Nach einer einleitenden Betrachtung über Wesen und Wollen der Kunst, rollte er an Hand von trefflichen Lichtbildern das Kunstschaffen des Meisters der impressionistischen Malerei auf. Der Redner grenzte die Urysche Darstcllungsweise einleuchtend ab gegen die Auffastung und künstlerische Bewältigung, die der gleiche Stoffkreis in den Werken zeitgenössischer Künstler findet, und sucht die einheitliche, das Gesamtwerk Urys durchziehende Idee und Stimmungsnote aufzuspüren, über allen Bildern liegt der Hauch der Einsamkeit. Wie ausgestoßen von der Welt starrt dort die Waldecke, von zackigem Gewölk überschattet, einsam die Straße der Großstadt, über deren glatten, von nächtlichen Lichtern glänzenden Asphalt die Droschke rollt. Selbst dort, wo Menschen sich sammeln zu gleichgerichteter Tätigkeit, ist keine verbindende, wechselseitige Gemeinschaftsbeziehung ersichtlich. Kein Anruf, keine Erwiderung, kein Sich-in-die-Händc-spielen, jeder geht schweigend seine Wege. Groß und bewußt atmet die Idee der Einsamkeit in den heroisch verstandenen Persönlichkeitsbildnisien der Spätzeit, die Führer- und Kampfgestalten des Judentums, einen Moses, einen Jeremias, in der Ruhe der Erfüllung vor uns hintretcn lasten. — Am gleichen Tage wurde in den Räumen des Alten Pricstcrseminars eine Separatausstellung von Werken Gallincrs eröffnet. Sie zeigt uns Galliner als einen Künstler, der sein, Handwerk glänzend versteht. Bis auf öl sind wohl alle Techniken vertreten. Mit sicherer Hand, abhold modischer Experimentiersucht, stellt er Landschaften in starker, lebensbejahender Farbigkeit vor uns hin. Eine unmittelbare Kraft des Lebens spricht aus allen Kunstäußerungen Galliners. Selbst die mit dämonischem Grundgehalt, wie die Zeichnungen des C. T. A. Hossmann-Zyklus, weichen bewußt der Lockung zu'morbider, exzentrischer Gestaltung aus. Auch aus dem hypnotisierenden Hoffmann-Porträt ist eher der lebenskräftige Wille zur Umfassung der Erscheinungswelt abzulcsen als die traumselige Überweltlichkeit des Poeten. Gut erfaßt ist der kultivierte Kopf eines Gelehrten, dessen Augen, in die Ferne schweifend, doch voll Sicherheit den realen Sinn des Lebens einschließen, überhaupt meistert Galliner das Porträt in vorzüglicher Weise und gelangt durch sichere Behandlung der Wischmanier zu bestechenden Wirkungen. Hier verdient auch das frische Selbstporträt im mutigen Künstlerbut auszcichnende Erwähnung. Die lokale Presse bat der Ausstellung Gallincrs sehr ausführliche und anerkennende Besprechungen gewidnrct. K. \ Aus bayerischen öemeinden Rabbiner Dr. Deutsch gestorben Fürth. Am 21. Februar trugen wir in Fürth den allseits verehrten 'früheren Waisenhausdirektor Rabbiner Dr. Hermann Deutsch zu Grabe. Mit ihm ist ein Stück jüdischer Geschichte dahingegangen. Es ist die Zeit, da Männer von umfassender und tiefer talmudischer Bildung eine ebenso reiche philosophische Bildung im weitesten Sinne des Wortes besaßen. Dank ihrer scharfen Intelligenz und ihrer geistigen Beweglichkeit entstanden so Führerpcrsönlichkcitcn, die in ihrer Geschlossenheit den weittragendsten Einfluß auf ihre ganze Generation ausübten. Von diesen Männern strömte so viel Kultur und Menschlichkeit aus, daß sie ohne weiteres Führer ihrer Zeit wurden, die freilich dann von einem absinkenden Epigonentum nicht mehr verstanden und vielfach angefeindet wurden. Eine solche Persönlichkeit großen Stils war Dr. Deutsch. Begnadet . mit seltenen Gaben des Geistes und der Seele hatte er in seiner Deimat Ungarn an den berühmtesten Stätten talmudischer Bildung sich eine umfassende Kenntnis des jüdischen Schrifttums angecignet. Nachher erwarb er sich an deutschen Hochschulen ausgezeichnete philosophische, philologische und historische Bildung, die ihren Niederschlag fand in seiner Gießener Dissertation: Die Sprüche Salomos nach der Auffassung im Talmud und Midrasch. Diese Arbeit geht weit hinaus über die üblichen Doktorarbeiten. Sie ist ein ernstes wissenschaftliches Bekenntnis. Sie zeigt, wie talmudische Weisheit getragen ist von wissenschaftlichem Geiste und mit wissenschaftlichen Methoden behandelt werden muß. In der Einleitung zum I. Teile hatte Dr. Deutsch mit Freimut und Schärfe sich gegen gewisse Auswüchse der modernen Bibelexegese, die nur zersetzend wirken, gewendet, so daß die Fakultät einen 2. Teil forderte, um an praktischen Beispielen der Textbehandlung die Berechtigung dieser Kritik Nachweisen zu lassen. In vielen wissenschaftlichen Cinzelarbeiten, die zerstreut in den wissenschaftlichen Monatsschriften erschienen sind, ist Dr. Deutsch zeitlebens dieser Richtung treu geblieben. Zunächst war er als Distriktsrabbiner und Direktors der früheren Präparandenschule in Burgpreppach (Untersr.) der rechte Mann am rechten Orte. Hier wirkten nacheinander einst die rühmlichst bekannten Rabbiner die Brüder Abraham Adler (später in Aschaffenburg, einer der ersten bayerischen Rabbiner mit humanistisch-akademischer Bildung), Josef Gabriel Adler und sein Schwiegersohn Abraham Hirsch. An dieser Schule entwickelte nun Dr. Deutsch eine außerordentlich fruchtbare Unterrichts- und Erziehungstätigkeit. 1895 übernahm er die Leitung des Waisenhauses in Fürth; hier wirkte er im Verein mit seiner treuen Lebensgefährtin als Vater der Waisen im edelsten Sinne des Wortes. Auch hier entfaltete er neben seinem Hauptamte eine reiche Lehrtätigkeit im Kreise der Erwachsenen und vor allem an der jüdischen Realschule. Im 74. Lebensjahre zog sich Dr. Deutsch von der Arbeit zurück. Die Teilnahme an der Beerdigung legte beredtes Zeugnis ab von d^r Verehrung, die der Heimgegangene in allen Kreisen genoß. Neben dem Gemeinderabbiner Dr. Behrens dankte der I. Vorsitzende der Kultusgemeindc, Kommerzienrat Bechmann, dem treuen Manne für seine Arbeit im Dienste der Gemeinde als Vorsitzender des Ritualausschusses und als Vertreter des Rabbinates. In tiefer Ergriffenheit nahm Distriktsrabbiner Dr. H an o v er in W ürz b urg als Schwiegersohn Abschied und zeichnete Dr. Deutsch als hingebungsvolles Haupt und als besten Berater der Familie. Rabbiner Dr. Freudenthal in Nürnberg überbrachte den Dank des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, dem der Verstorbene stets ein warmer Freund und Förderer war. Dr. Hallemann und Leopold König dankten in ausführlichen Darlegungen dem großen Direktor des Waisenhauses für seine Liebe und Treue im Dienste der Anstalt; Direktor Friß Prager für die segensreiche Lehrtätigkeit an der jüdischen Realschule. Im Aufträge der Stadt überbrachte Kommerzienrat M o r g e n t h a u Abschiedsgrüße und herzliche Dankesworte dem treuen Bürger und Förderer städtischer Interessen. Im Namen des Rabbinatsbezirkes und der ehemaligen Schüler der früheren Präparandenschule in Burgpreppach dankte D r. I. B a m b e r g e r in Nürnberg dem verehrten Manne, dessen Bild in allen fortlebcn wird zum Ansporn und zum Fortlebcn in seinem Geiste. Studiendirektor I. S t o l l überbrachte den Dank der israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg für seine Mitarbeit im Kuratorium und zuletzt widmete Divlom-Versicherungsmathcmatiker Hugo H e i n e m a n n Worte der Würdigung und des Dankes dem Bbr. des V.I.A. und dem geistreichen Lehrer im A.T. in Fürth. Vereine Jüdischer Frauenbund Die Generalversammlung des Bayerischen Landesverbandes des Jüdischen Frauenbundes findet dieses Jahr in München am Donnerstag, dem 24. März, vorm. 9 Uhr, im Sitzungssaal der Israel. Kultusgemeindc, Herzog-Mar-Straße 7/0, statt. Die Mitglieder der angeschlosscnen Vereine in München: Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes, Israel. Frauenverein von 1852, Israel. Verein für Ferienkolonien und zur Bekleidung von Schulkindern, Israel. Iugendhilfe und Schwrsternbund der München-Loge, sind zu den Verhandlungen herzlich eingeladcn. Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe München Am Donnerstag, dem 17. März 1952, abends 8 Uhr, findet im Großen Saale des Künstlerhauses, Lenbachplatz 8, Eingang Maxburgstraße eine Versammlung statt. Näheres siehe Inserat in der gleichen Nummer.

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