Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 6 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Mit Vicnot wäre ZU fragen, wie lange die deutschen Probleme noch innerdeutsche Angelegenheiten bleiben, „die dem Westen ewig unverständlich sein werden", wie Krojankcr meint. Werden gleiche innere soziale Spannungen auch in Frankreich, England und Amerika die gleiche unvcrhüllte Ablehnung der jüdischen Mitbürger zeitigen oder vermögen auch und gerade dann protestantisches Christentum in England und Amerika und der Katholizismus in Frankreich barbarische Urinstinkte nicdcrzuhalten? Und wie weit reicht die zivilisatorische Macht der katholischen Kirche in Deutschland? In seiner Erörterung der geistigen Situation, „von der Deutschland heute bewegt und vielleicht bald beherrscht sein wird" (so Krojankcr), fehlt jede Andeutung der Gegenkräfte der Mitte, des Zentrums, wie die politische Organisation ds deutschen Katholizismus sich heute mit noch mehr innerer Berechtigung bezeichnen darf, als je zuvor. Hier hat sich vielleicht in einem tieferen Sinne das Wisten um „der Mitte Gesetz" erhalten, ohne daß das Reich „zerstiebend ins All" auflöscn müßte. — Krojankcr wird ein; wenden, daß sein Vortrag der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gegolten habe; aber wenn er, wie vorzitiert, Prognosen stellt, so wird man ihn aus die Gegenkräfte, die er übergeht, aufmerksam machen dürfen. Er selbst brauchte nur seinen Schlußgedankcn wcitcrzuspinncn, in dem er den Begriff des jüdischen Volkes mit der „Idee der göttlichen Ordnung" verknüpft, für die die Wirklichkeit der Nation nur einen Baustein bedeute. Wenn anders das nicht eine der Geisieswclt des „liberalen" Elternhauses entnommene Pffmk bleiben soll, hätte hier die Selbstbesinnung einer neuen Generation einzusetzen, die das Religiöse nicht schon deshalb ablehnt, weil es das Restchen Feiertagsflitter unserer Eltern bildete. Der Zionismus glaubte einst, dem jüdischen Volk die Erlösung von seiner Not aus eigener Kraft verheißen zu können („Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen"). Herzl war — wenn er auch einmal gerührt die Synagoge in der rue de la Victoire zu Paris aufsuchte — so unreligiös und eigenwillig wie — Hitler. Aber die Entwicklung ist nicht bei Herzl stehen geblieben, so wenig wie Hitler das letzte Wort.im Kampf der Deutschen um ihre Existenz hinzuwerfcn vermag. — Auch aus Krojankers Vortrag spricht das gewandelte Bewußtsein von der Iudennot und ihrer Steuer. Was weist er uns? Den „Judenstaat"? Nein: die „alten Träume". Wenn die Not nicht mit „Gewalt" zu überwinden ist, so nur durch Religion, bei den Juden und — bei den Deutschen. BayerischeV er einsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Sorgfältige und entgegenkommendeErledigungvon Bankgeschäften aller Hrt. Verband der Israelit, pfälzischen Kultusgemeinden Die Ausschußmitglieder waren zu der Sitzung am 6. März vollzählig erschienen. Der I. Verbandsvorsitzcnde, Herr Kommerzienrat Albert Joseph (Landau) cröffncte die Verhandlungen und berichtete zunächst über die Tätigkeit des Verbandes seit der vorjährigen Jahresversammlung in Landau. Hierauf wurden einstimmig die elf Tagungsmitglieder für den Bayerischen Verband (Wahlperiode 1932/37) nominiert. Der 2. Vorsitzende, Herr Amtsgerichtsrat Dr. Rosenberg, gab hiezu die nötigen Erläuterungen. Je einen Sitz erhalten die vier pfälzischen Bezirksrabbiner, die pfälzischen Lehrer und Kantoren, die pfälzischen israelitischen Fraucnvereine und die konservativen Glaubensgenosten. Die weiteren sieben Sitze werden den Kultusgemeinden: Ludwigshafen, Kaiserslautern, Landau, Pirmasens, Neustadt a. H., Speyer und Homburg (Saar) zuerkannt. — Der Schatzmeister des Verbandes, Herr Stadtrat Strauß (Bad Dürkheim), erstattete hierauf seinen Bericht über die Jahresrechnung 193 1. Die Ausführungen des Berichterstatters, der mit aller Wärme auf das weitherzige philanthropische Wirken des Verbandes hinwics, auf die namhaften Beträge, die als Stipendien und Unterstützungen verarmter jüdischer Familien, auch für Erteilung des Religionsunterrichts in abgelegenen Landgemeinden bewilligt wurden, fanden lebhaften Beifall. — Schließlich wurde der von Herrn Kommerzienrat Joseph begründete Voranschlag für 1932 einstimmig gutgeheißen. Am Schluste der nahezu dreistündigen Verhandlungen sprach Herr Synagogenvorstand B e h r (Neustadt a. d. H.) dem Vorsitzenden, Kommerzienrat A. Joseph, und den weiteren Mitgliedern der Vorstandschaft: Amtsgerichtsrat Dr. Rosenberg und Stadtrat Strauß namens der Versammlung den Dank für ihre ersprießliche Tätigkeit aus. Bus der Gemeinde München Mitgliederversammlungen von Wohltätigkeitsvereinen Wir verweisen auf die Ankündigung der ordentlichen Mitgliederversammlungen des Israelitischen Vereins für Krankenpflege, Bestattungswcscn und religiöse Belehrung, Chewra Kadischa in München, des Israelitischen Vereins zur Unterstützung mit Brennmaterialien in München, der Israelitischen Krankenfürsorge in München, des Israelitischen Frauenvercins von 1830 e. V. in München, des Israelitischen Vereins für Ferienkolonien und zur Bekleidung von armen Schulkindern im Anzeigenteil dieser Nummer. Sämtliche Versammlungen finden am Sonntag, dem 10. April ds. Js., vormittags in der Zeit von 9.30 bis 10.45 Uhr, im Gemeindehaus an der Hcrzog-Max-Straße statt. Die Leitungen der Vereine bitten um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder. Durchwandererfürsorge Von der Jüdischen Wanderfürsorge, München, wird uns geschrieben: Wir stellen immer wieder fest, daß Durchwandcrer auf Grund unwahrer Angaben, oft auch unter Vorlage falscher Dokumente (Sammelbücher, Empfehlungsschreiben) den Versuch machen, von Privatpersonen Geldbeträge zu erhalten. Die heutige Zeit erfordert ganz besonders, daß die Zedokoh nicht nur um ihrer selbst willen ausgcübt wird, sondern, daß auch der kleinste Betrag sinnvoll gegeben wird. Es ist dem privaten Geber meist nicht möglich, die Verhältnisse des Bittstellers so eingehend zu prüfen, daß er Klarheit darüber gewinnt, ob dem Durchwandcrer zweckmäßigerweise ein Geldbetrag gegeben werden kann. Wir machen deshalb erneut auf die bei uns erhältlichen Spendenscheine aufmerksam. Die Scheine sind unter Ausfüllung des Betrags, den die Durchwandererstelle im Auftrag des Spenders geben darf, dem vorsprcchenden Petenten im geschloffenen, an die Wanderfürsorgestelle adressierten Kuvert mitzugeben. Wenn nach Prüfung der Sachlage eine Hilfe als angebracht erscheint, wird der Betrag dem Petenten ausgehändigt, andernfalls wird ihm der Schein ohne Vergütung abgenommen. Eine sorgfältig geführte Kartothek über sämtliche, an deutschen Kaffen vorsprechende Durchwanderer dient als Hilfsmittel zur Prüfung. Die ausgezahlten Beträge werden von Zeit zu Zeit bei den Spendern kassiert. Wir bitten die Gcmcindemitglieder im Jntereffe einer zweckmäßigen Zusammenarbeit zwischen dem privaten Spender und unserer Kaffe nach Möglichkeit statt Barbeträgen, diese Scheine zu geben. Sie sind erhältlich Herzog-Max-Straße 5/l,.Rckg. (Tel. 92 8 83.)