Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 6 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 * bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Verein für jüdische Museen in Bayern E. V. Die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins findet mit Mittwoch, 16. März, abends 8 Uhr pünktlich, in der Wohnung des Herrn Dr. Heinrich Feuchtwanger, München, Stcinsdorfstraße 21/2, statt. Die satzungsgcmäße Einladung erfolgte in Nr. 5 der „Gemeindczcitung". Die Tagesordnung sieht vor: 1. Bericht des Vorstandes, 2. Kassenbericht, 3. Wahlen, 4. Verschiedenes. Im Anschluß hieran spricht Herr Professor Dr. Georg Lill, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege über „Tendenzen der jüdischen Kunst in Deutschland". Nach diesen Ausführungcn wird Herr Dr. Feuchtwanger seine Sammlung jüdischer Kunstgegcnständc vorführen. Gäste sind bei dieser Veranstaltung sehr willkommen. Jüdischer Iugendverein München I. Donnerstagabende. Lcssingsaal. Beginn 20.30 Uhr. 17. März: Vortrag Siegi Einstein (Sportlehrer): „Juden im Sport." 24. März: Vortrag Rabbiner Dr. Prys: „Eheschließung und -scheidung im jüdischen Recht." 31. März: Vortrag Rabbiner Dr. Ehren treu : „Die zerstreuten Glieder des jüdischen Volkes." Zionistische Ortsgruppe München. Der am 19. März geplante Vortragsabend von Herrn Prof. Dr. Adolf Fraenkcl fällt aus. vücberschau Der jüdische Friedhof. Seine geschichtliche und kulturgeschichtliche Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der ästhetischen Gestaltung. Von Gustav Cohn, Rabbiner der Israelitischen Rcligionsgemcinde zu Leipzig. Frankfurt a. M., Franzmathcs Verlag 1930. Anläßlich der Dresdner Ausstellung „Tod und Leben" im Jahre 1931, einer über mehrere Säle des Städtischen Ausstellungsgcbäudes gezogenen Aneinanderreihung von Lichtbildern, Texten, Modellen „zur Erneuerung des Friedhofwesens" hat Alfons Paquet eine Art Soziologie des Beerdigungswcsens in der gcldwirtschaftlich organisierten Gesellschaft gegeben. Hier wird sehr eindringlich geschildert, warum der alte jüdische Friedhof in seiner melancholischen Verwilderung uns heute erträglicher erscheint „als die kaum verhohlene Aufregung der europäischen Friedhöfe mit ihren trauernden Engeln, abgebrochenen Säulen und goldblitzenden Sprüchen". An die damalige Betrachtung von Paquet erinnert man sich bei der ausgezeichneten Publikation von Rabbiner Gustav Cohn. Aus gründlicher KcnnMis des Stoffes heraus zeichnet der Vcrfastcr in fesielnden Bildern den Werdegang des jüdischen Friedhofes vom Familienbegräbnis in den Höhlen und Grotten Palästinas bis zur stehenden EinrichMng in jeder jüdischen Gemeinde. Scharfsinnig werden in dieser Entwicklung Zusammenhänge zwischen den äußeren wechselvollen Schicksalen der Juden und ihren religiösen Anschauungen aufgezeigt, die zur Wandlung der rituellen Bräuche bei der jüdischen Totenbestattung führen mußten. Bemerkenswert ist das Ergebnis des Verfasters, daß der jüdische Friedhof als allgemeine öffentliche Einrichtung erst verhältnismäßig spät in Übung kam. Nicht minder fesselnd ist die Entwicklung des Grabmals, auch hier wirken rein menschliche Gedanken und rituelle Rücksichten in gleicher Weise auf die Entwicklung ein. Den zweiten Teil unterstützen Abbildungen nach Originalaufnahmen; auch diese, bisher unveröffentlicht, verdienen wegen ihrer Eigenart besondere Beachtung; sie sind nach verschiedensten Richtungen außerordentlich aufschlußreich. Die Schrift beschränkt sich darauf, die wesentlichen Momente in klaren Strichen herauszuheben. Dem gelehrten Forscher gibt sie in reichen Quell- und Literaturangaben die Hinweise zur Prüfung und weiteren Vertiefung in die Fragen. Sic ist jedoch gemeinverständlich geschrieben, so daß sie ganz besonders denen willkommen sein wird, die sich mit dem Gegenstand noch nicht beschäftigt haben. Über das Kaddisch-Gebet. Von Wolf S. Jacobson. Frankfurt a. M. 5692. (Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. H.) 6O Seiten. Die klassische wiffenschaftlichc Monographie über das Kaddisch-Gebet bleibt Dr. David de Sola Pool, The old jewish-aramaic Prayer ihe Kaddisch (Leipzig 1909). Gegen diese methodisch mustergiltige gelehrte Arbeit ist die Schrift von Jacobson eine aus der Fülle eines warmen Herzens und ungezählter Schiurim erwachsenes praktisches Handbüchlein. Hier ist weniger Wert auf kalte Gelehrsamkeit gelegt als auf atmendes, etwas ungeordnetes Leben und auf die Ausbreitung staunenswerter, reicher, sehr reick)er Kenntnisse der halachischen und agadischcn Quellen, die allerdings etwas tumultuarisch bekannt gegeben werden. Die halachischen Entscheidungen von den ältesten bis zu unserer Zeit werden für jede Einzelheit zusammcngestellt, nicht historisch, entwicklungsmäßig, sondern auf eine Ebene aufgetragen. Die sprachwissenschaftliche Durchdringung des Stoffes ist nicht die Stärke des Verfassers. Der richtige Standort einer solchen Schrift gegenüber ist wohl der des „Israelit"; nur aus seinem Geist kann man vielleicht Wolf Jacobson, dem wohlbekannten, verdienstvollen Hamburger Führer der deutschen Orthodoxie gerecht werden. Es seien deshalb die dem Werkd)m kongenialen Schlußsätze der laudatio aus dem „Israelit" hierher gesetzt: „Jeder Lehrer einer jüdischen Waisenanstalt, aber auch jeder, der Orientierung über die Kaddisch-Materie verlangt, wird hier alles Gewünschte beisammenfinden. Die Besprechung einer Schrift, die bei aller profunden Sachlichkeit soviel persönliches Gcgenwartsleben atmet wie die vorliegende, kann nicht ohne die Konstatierung schließen, daß aus ihr sich so etwas erahnen läßt wie die seelische Wirkung der großen agudistischen Ideologie in lebendster, einigendster und klarster Gestalt, bei der nach unseres Altineisters unsterblichem Wort des Wissens Blüte das Leben ist." Julius Hülsen, Der alte Iudenfriedhof in Frankfurt a. M. Mit 13 Abbildungen. Hcrausgegcben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde. Frankfurt a/ M. 1932. Professor Dr. Julius Hülsen, den wir vor 3 Jahren auch in München über altorientalische Ausgrabungen sprechen hörten, ist am 12. September 1931 im 59. Lebensjahr gestorben. Hülsen hat neben seiner umfangreichen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit mit besonderer Vorliebe die Frankfurter Ortsgeschichte und in ihrem Nahmen die jüdischen Zeugnisse der Vergangenheit erforscht. Die hier als ehrende Erinnerung vom Vorstand der jüdischen Gemeinde herausgegcbcne Veröffentlichung enthält einen Vortrag Hülsens im Frankfurter Rundfunk. Der alte Iudenfriedhof am Börncplatz mit seinen 7000 Grabsteinen erfährt hier eine liebevolle Beschreibung; Literaturangaben und 13 gute Photos erhöhen den Wert des gedanken- und aufschlußreichen Heftes. Auch Hülsen stellt den Zauber dieser Stätte mit ihren zusammengesunkenen, oft unter dichtem Laubwerk versteckten Steinen der tristen Monumentalität der neueren Friedhöfe mit ihrem häufig starren Prunk und ihren fast unerträglichen Steinhaufen gegenüber. Die ältesten Steine dieses ehrwürdigen und erinnerungsreichcn „Ghetto der Toten" stammen nachweislich aus dem Jahr 1272. Im Jahr 1828, vor mehr als 100 Jahren, wurde der Friedhof geschlossen, hat also mindestens 556 Jahre seinem Zweck gedient. Im östlichen Teil liegt „der Hügel der Märtyrer", die wohl den beiden Verfolgungen von 1241 und 1349 zum Opfer fielen. Inschriften und Schriftbild der Grabsteine finden eine feine, verständnisvolle Würdigung. Auch für die jüdische Namenskunde sind die Aufschriften von Bedeutung, da sich fast auf allen Steinen Namen des Wohn- oder Stammhauses in der Iudengasse befinden. Die hochinteressante Schrift läßt uns zu Kracauers Geschichte der Frankfurter- Juden (1925—27) greifen und uns im Geist die Geschicke der alten Iudenstadt noch einmal miterleben. F. Hermann Wolfgang Beyer (ord. Prof. f. Kirchengcsch. u. Christl. Archäol. an d. Univ. Greifswald) und Hans Lietzmann (ord. Prof. f. Kirchengesch. u. Neues Test, an d. Univ. Berlin), Jüdische Denkmäler I: Die jüdische Katakombe der Villa Torlonia in Rom. (Studien z. spätantiken Kunstgesch. Im Auftr. d. Dtsch. Archäolog. Inst, hg. v. H. Lietzmann u. Gg. Rodenwaldt. Bd. 4.) Berlin u. Leipzig, W. de Gruyter & Co., 1930. 47 S. 8°. M. 11 Abb. i. Text u. 31 Taf. Nur wer das umfassende Arbeitsgebiet der christlichen Archäologie und ihre Fragestellungen, etwa die modernen großen Werke von Oskar Wulff oder Wilhelm Neuß kennt, ermißt die außerordentliche wissenschaftliche Leistung, die in dieser wichtigen, vorzüglich Kaffee-Konditorei Feldherrnhalle Rebe;hti;.„«Mr«h. Inhaber: ADOLF ZIMMER, früherer langjähriger Direktor Hotel Excelsior e Fernsprecher Nr.91 447 Wiener Kaffee und nur erstklassige Getränke Feinste eigene Konditoreierzeugnisse mit garantiert reiner Butter! Lieferung frei Haus