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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-02-15 · 4 (15.2.1932) · p. Seite 54

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
4 (15.2.1932)
Date
1932-02-15
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 tausendstimmiger hebräischer Abschiedsgesang begleitete dann die Wagen, die sich auf den Weg nach Warschau begaben. In jedem Dorf wurden aber die Wagen von Menschenmengen aufgehalten, die dem Rabbi und seiner Begleitung eine glückliche Reise wünschten. I n W a r s ch a u Zwei Stunden vor Abgang des Wiener Auges find auf dein Warschauer Bahnhof sämtliche Perronkarten ausverkauft und die Sperre verhängt. Die Menge kümmert sich aber wenig darmn und drängt weiter. Ein großes Polizeiaufgebot mußte eingreifen. Die höheren Beamten bleiben in Würdigung der Situation höflich und korrekt, von den unteren Beamten gehen einige brutal und rigoros vor. Nach Aehntausenden zählt die Menge vor dem Bahnhof, die die Ankunft des Rabbi erwartet. Sie wird enttäuscht. Ein hoher Polizeibcamter nimmt das Auto des Rabbi schon einige Straßen vor dem Bahnhof in Empfang und leitet es auf Umwegen durch abgelegene Viertel unter Vermeidung des Bahnhofs zum Perron. Das Gedränge auf dem Perron ist gewaltig. Achttausend Perronkarten sind verkauft und ebenso vielen Menschen gelingt es, auch ohne Karten durchzudringen. Eine ganze Kolonne von Presievertretern ist anwesend, auf den Dächern nebenstehender Waggons wird mit der Kamera fleißig gearbeitet. 2m langen D-Wagen Warschau-Wien sicht man bereits die ganze Reisegesellschaft, unter ihnen die Brüder und die Söhne des Rabbi, I. M. Lewin. Wo ist der Rebbe? Endlich entsteigt er dem von der anderen Seite angekommenen Auto. Er wird durch den ganzen Aug geführt, bis er seine Reisegesellschaft erreicht. „Der Rebbe kommt, der Rebbe kommt, der Rebbe ist schon gekommcn!_" Nun wird der Andrang vor dem Wagen lebensgefährlich, Delegationen und angesehene Rabbiner nehmen Abschied. Einige hundert Personen halten mehrere Drittklaß-Wagen besetzt und begleiten den Rabbi einige Stationen, welche sogar bis zur Grenze. Dauernd blitzen Lichter von den Dächern auf, wo die Photographen die entscheidenden Momente fcstzuhalten suchen. Einige Minuten vor 4 Uhr setzt sich der Aug in Bewegung. Ein tausendstimmiger Chor singt. Der Rabbi steht am offenen Fenster, winkt und segnet_ Der Abmarsch der Masten wickelt sich langsain ab. Es dunkelt. Da stellen sich etwa tausend Menschen vor den Schienen zu Mincho hin, ungestört, ohne Rücksicht auf die Umgebung. Cs wird laut und innig gebetet, als gehöre es noch zum Abschied. Die Beamten und nichtjüdische Reisende stehen still ergriffen da. Der Verkehr auf dem Weltbahnhof stockte in dieser Stunde. Das ist Warschau!... In Wien Auf sämtlichen Stationen diesseits und jenseits der Grenze ist die gesamte jüdische Bevölkerung am Bahnhof. Dienstag Morgen 6.30 Uhr, cs ist noch stockfinster, fährt der Aug in den Wiener Westbahnhof ein. Trotz der frühen Stunde sind bereits Tausende da, um den Rabbi zu begrüßen. In Wien hält sich der Rabbi einen Tag auf und besucht den Czortkower Rcbbcn, Rabbi Israel Friedmann. Dieser Tag ist ein hoher Festtag für die Wiener Chastidim. Von Wien ninrntt der Rabbi mit seiner Begleitung den Weg über Budapest, Jugoslawien, nach Konstantinopel. Der Rabbi wünscht soviel wie inöglich Juden und Iüdischkeit zu sehen, bevor er den Boden des Heiligen Landes betritt, um den Kontakt zwischen Israel und Erez Iisroel herzustellcn. Darum wählt er diescsmal nicht den näheren Wasterweg von Triest, sondern den über die Türkei. Überall die gleichen Ovationen, überall die gleiche Herzlichkeit und die gleichen Hoffnungen. Ob Chasiidiin oder Misnagdim, ob Sefordim oder orientalische Juden, alle haben Vertrauen zu diesem seltenen Manne, der, so ganz weit ab von den Allüren eines Wunderrabbi die Masten in fester Hand hat und ein wahrer, echter treuer Führer seines Volkes ist. Das beweist schon sein Verhältnis zu der Aguda und seine freundlichen Beziehungen zu der Bcth-Iakob-Bewegung. In Konstantinopel Den Sabbat 'S (2Z. Januar 1932) verweilt der Gerer Rebbe in K o n st a n t i n o p e l, gefeiert von der gesamten Iudcnheit der Stadt. Arn Sonntag stehen viele Tausende am Hafen, uin den Rabbi bei seiner Überfahrt nach dem asiatischen Ufer zu begrüßen. Auf dem Dampfer befinden sich die Rabbinen der Aschkenasim, Sefardim und der grusinischen Gemeinde mit dem Chacham Baschi an der Spitze. Eine große Anzahl von Vertretern jüdischer Institutionen macht die Überfahrt ebenfalls mit. Besonders beachtenwcrt ist der gewaltige Eindruck, den der Gerer Rebbe auf die sefardische Iudcnheit Konstantinopels gemacht hat. Wie sich der Dampfer in Bewegung setzt, singt die Menge, ganz wie in Warschau, nur in etwas anderer Aussprache, den hebräischen Abschiedsgesang. Auch auf der anderen Seite empfängt den Rabbi eine vieltausendköpfige Menge mit „Iechi" und „Hedad". Der Chacham der sefardischen Kchilla und der Rabbiner der Aschkenasimgcmeindc, Dr. Marcus, begleiten den Rabbi bis zur Station. Die türkische und französische Preste bringt lange Berichte über die Reise und eingehende Artikel über den Chastidismus und seinen derzeitigen prominenten Führer. 4 Uhr nachmittag fährt die Gesellschaft von der asiatischen Station Hcidar Pascha über Kleinasien nach Syrien ab. In der Begleitung des Rabbi befindet sich der junge, talentvolle Schriftsteller Mosche Mark als Vertreter und Spezialberichterstatter des Warschauer „Tagblattcs". In dieser Zeitung erscheinen fast täglich anschauliche Berichte über die Reise und die Begeisterung in den jüdischen Gcnreinden, durch die der Weg des Rabbi führt. plus der Semeinde München Sitzung der gemeindlichen Kollegien vom 28. Januar 1932 Vorstand und Gemeindevertretung befaßten sich in ihrer Sitzung vorn 28. Januar 1932 mit der Beratung des Haushaltplans für 1932. Der Beratung voraus ging die Beschlußfasiung über die auf Grund der vierten Reichsnotverordnung neuerlich vorzunehmende Gehaltskürzung. über den Voranschlag berichtete der Finanzreferent der Gemeinde, Iusiizrat Dr. Straus. Er führte aus: Die Steuereingänge der Gemeinde haben in den letzten Jahren einen fortschreitenden Rückgang erfahren. Sic betrugen in den Jahren 1928 (8 Prozent). 698 000 RM. 1929 (7 Prozent). 629 000 RM. 1930 (7 Prozent). 476 000 RM. 1931 (8 bzw. 9 Prozent) . . . 392 000 RM. Für das Jahr 1932 ist mit einem neuerlichen starken Rückgang zu rechnen. Finanzausschuß und Vorstand vertreten die Anschauung, daß ein Sinken der Umlagencingänge unr etwa 40 Prozent erwartet werden muß. Hieraus würde sich für das Jahr 1932 bei gleichbleibendem Umlagensatz ein Steuereingang von zirka 240 000 RM. ergeben. Um den Haushalt irn Gleichgewicht zu erhalten und den bereits jetzt bestehenden Fehlbetrag nicht anwachsen zu lasten — ein voller Ausgleich dieses Fehlbetrags von mehr als 60 000 RM. wird allerdings nicht möglich sein — ist eine Erhöhung des Umlagensatzcs nicht zu vermeiden. Eine solche wird mit 3 Prozent in Aussicht genommen. Damit würde sich der Umlageneingang schätzungsweise auf 320 000 RM. erhöhen. Mit dieser Ziffer sollen nach den Vorschlägen des Finanzausschustcs und Vorstands die Umlagen in den Etat eingesetzt werden. Ungeachtet dieser nicht unerheblichen Erhöhung des Steuersatzes konnte der Etat nur unter Durchführung der allerstrcngsten Sparsamkeit Verkaufsstellen { Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 370646 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96944 Thierschstraße 19 Fernsprecher 22082 Franz-Josef-Straße 29 Fernsprecher 30452 SchleißheimerStraßelOO Fernsprecher 370 326 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof*Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100 / Tel. 370326

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