Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 4 (15.2.1932)
- Date
- 1932-02-15
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 51 wie die hebräische Metrik desselben Verfassers „Darche Noam" versah er mit Erläuterungen und Zusätzen. Die größte Bedeutung aber für die jüdische Wissenschaft sollten die Ausgaben des Machsor gewinnen, die Heidenheirn teilweise in Geineinschaft rnit gleichgesinnten Freunden, wie z. B. Wolf Breidenbach, mit großer Korrektheit herstelltc. Mit Recht trägt er den Namen „Mendelssohn des Machsor", mit dem ihn der erwähnte Altmeister der jüdischen Philologie, Leopold Zunz, bezeichnte. Sein 1806 herausgegebenenes kleines Gebetbuch „Sefat Cmet" ist noch heute in aller Hände. Von größerem Umfang ist sein Gebetbuch „Sasa Berura", dem er eine deutsche Übersetzung in hebräischen Lettern beifügte. Eine seiner Großtaten, die zugleich das Verständnis zeigte, das Heidenhcim für die gesunden Reformbestrebungen der damaligen Zeit zeigte, war auch die Herausgabe des „Siddur li Bene-Jisroel", das im Jahre 1831 erschien und in dem er zum ersten Male seine Übersetzung in deutschen Lettern druckte. Die Fortlafsung mancher Gebete ist wohl dern Einfluß Michael Greizenachs, des Frankfurter Predigers und Lehrers am dortigen Philanthropin, zuzuschreiben. Auf diesen Umstand ist es wohl zurückzuführen, daß dies Werk in orthodoxen Kreisen Anstoß erregte. Von außerordentlicher Wichtigkeit für die spätere Forschung ist auch Heidenhcims Abhandlung über die liturgischen Dichter, der er den Titel „ha- Pijutim weha-Pajetanim" gibt und das später von dern Hamburger Bibliographen Heimann Joseph Michael ergänzt wurde; dieses Werk bildet die Grundlagen zu den Arbeiten von Elieser Landshuth, Samuel David Luzatto und Leopold Zunz. Einen großen Einfluß übte Heidenheim auf zeitgenöstischc und spätere Gelehrte aus, namentlich gaben seine Gebetbücher mannigfache Anregungen; hier sei das Werk „Sedcr Abodat Jisrale" von Seligmann Baer, eines Lehrers an der Biebricher jüdischen Gemeinde und bedeutenden Masioraforschers erwähnt, der öfters handschriftliche Glosten Heidenheims benützte. Neben dieser seiner Tätigkeit als Drucker verfaßte er auch gelehrte Abhandlungen, die in den Zeitschriften „Meastef" und Sulamith" veröffentlicht wurden. Heidenheim starb in demselben Jahre wie Goethe, den er sehr verehrte, und hinterließ eine große Bibliothek, die später versteigert wurde und zum Teil in den Besitz der Bodleiana in Oxford gelangte. Seine Druckerei aber wurde von seinem Teilhaber I. Lehrberger gekauft und ist jetzt in den Händen des Inhabers der Frankfurter Buchhandlung I. Kauffmann. Wolf Heidenheim ist in der großen deutschen Nationalbiographie („Allgemeine Deutsche Biographie", im Verlag Duncker & Humblot) in Band IX ein Aufsatz von Dr. Seligmann Baer gewidmet. Im 44. und 45. Band der „Monatsschrift" hat L. Lewin vor Jahrzehnten die noch heute nicht überholte Darstellung der literarischen Wirksamkeit Heidenheims gegeben. “ISO - sn-yirs'a”! r-rü' p'v-~ ’rNs tacc ’rNs 2' . C / / " /(>.r pQÜEl ,-i J Titelblatt der ersten Rödetheimer Machsorausgabe von Heidenheim aus dem Jahr 1800 vie luden ln den gröberen bayerischen Städten Die Zahl der Juden in Bayern ist bekanntlich seit längerer Zeit rückläufig. Bei der letzten Volkszählung von 1925 wurden 49 145 Juden, d. h. zum mosaischen Bekenntnis gehörige Personen ermittelt, das waren IO,8% weniger als 1910 (55 063) und 1,4% weniger als 1867 (49 840), dem ersten Jahre neuzeitlicher konfeffionSstatistischer Erhebungen. Ihren Höchststand erreichte die Zahl der Juden im Jahre 1905 mit 55 341. Immerhin ergab sich in der statistisch gesicherten Periode von 1867 bis 1910 eine Zunahme um 5225 Personen bzw. 10,5%. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist die Quote der Juden von 1,0% im Jahre 1867 auf 0,8% im Jahre 1910 und 0,7% im Jahre 1925 gesunken. In den acht größeren Städten Bayerns, welche zusammen 53,5% der jüdischen Bevölkerung umfassen (1925). verlief diese Entwicklung ähnlich, jedoch mit manchen Schwankungen. In den heutigen vier Großstädten München, Nürnberg, Augsburg, Ludwigshafen a. Rh. hat zwischen 1867 und 1910 die jüdische Bevölkerung von einer Zählung zur anderen (an den auf 5 und 0 endenden Jahren) mehr oder weniger zugenommen; nur tu Augburg ergab sich von 1900 auf 1905 ein geringer Rückgang (von 6,0%). Dagegen hat das ursprünglich sehr „judenreiche" Fürth bereits seit 1880 fortgesetzte Einbußen zu verzeichnen, die aber wohl auf Abwanderung in das benachbarte Nürnberg beruhen mögen. Auch in Würzburg, Regensburg und Bamberg ging die jüdische Bevölkerung zurück, wenn auch in weniger großem Ausmaß. Dementsprechend verminderte sich auch der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung der betreffenden Städte. Hierzu folgende Übersicht: Jüdische Bevölkerung 1867 1910 1925 g S g JO, ■o ~ 'Q-JL 4J_ S" München 2097 1,2 11085 1,9 10068 1,2 Nürnberg 1254 1,6 7815 2,3 8603 2,2 Augsburg 449 0,9 1217 1,0 1203 0,7 Ludwigshasen a. Rh. 115 2,4 754 0,9 1211 1,2 Würzburg 1099 2,6 2514 3,0 2261 2,4 Regensburg 359 1,2 495 0,9 478 0,6 Fürth 3116 13,8 2826 4,2 2504 3,4 Barnberg 7 OS 2,2 1177 2,4 972 1,9