Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 4 (15.2.1932)
- Date
- 1932-02-15
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 bildung, ferner der Mittel für die Gewährung von Unterstützungen an solche Beamte im Ruhestände, deren Tätigkeit sich auf mehrere Länder verteilte, an Rabbiner, die früher im abgetretenen Gebiet amtiert haben. Dabei wurde auf Grund von eingehenden Mitteilungen über die Wirksamkeit des an der Universität Gießen tätigen Lektors der rabbinischen Wissenschaften und seiner Vorgänger die weitere Aufrechterhaltung der durch ihrbekleideten Stelle als im höchsten Grade wünschenswert bezeichnet. Während das Fortbestehen der großen Landesverbände trotz der immer wachsenden Schwierigkeiten, die die Aufbringung der Mittel mit sich bringt, gesichert erscheint, hat die sinkende Zahl der Juden und vor allem das allmähliche aber unaufhaltsame Schwinden ihrer Steuerkraft die kleineren Landesverbände fast durchweg in die äußerste Gefahr gebracht, und es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um sie zu erhalten und ihnen die Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben zu ermöglichen. Ein besonderer Ausschuß der Reichsarbeitsgemeinschaft wird sich mit dieser Frage befassen, der im Interesse der den kleineren Landesverbänden angehörenden Gemeinden die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. \ Alles in allem hat sich wieder hcrauLgestellt, daß in den für I Las ganze Reich gemeinsamen Angelegenheiten häufige Beratun- I gen und Beschlußfassungen, unter Umständen auch ein tatkräfj tiges Handeln nicht entbehrt werden können. Solange es nicht f gelingt, die seit längerer Zeit in Angriff genommenen Arbeiten i zur Begründung eines Reichsverbandeö zu einem glücklichen Ende zu führen, muß die Reichsarbeitsgemeinschaft im Rahmen der! ihr gegebenen Möglichkeiten weiter die Interessen der deutschjüdischen Gesamtheit wahrnehmen. Auf Grund des auch hierj über erfolgten gründlichen Meinungsaustausches kann gesagt; werden, daß die niemals zum Stillstand gekommenen Bemühun-! gen um die Schaffung einer Gesamtorganisation nicht vergeblich - sein, sondern aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit zur Er- - reichung dieses Zieles führen dürften. 1 Die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft nahm von den Vorarbeiten des Preußischen Landesverbandes zur Schaffung einer Verfassung für eine Reichsorganisation Kenntnis. Im Hinblick auf die offizielle Mitteilung des Preußischen Landesverbandes, daß in seiner Mitte die Meinungen über grundsätzlich wichtige Fragen noch nicht geklärt sind, erachtete es die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft in Übereinstimmung mit ihrer in der Sitzung der Reichsarbeitsgemeinschaft vom 13.Iuli 1930 abgegebenen Erklärung für angezeigt, abzuwarten, bis der hierfür eingesetzte Ausschuß des Preußischen Landesverbandes einen Entwurf vorlegt. Die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft erklärte sich bereit, sobald ein solcher Entwurf des Ausschusses vorliegt, in gemeinsame Beratung mit den Vertretern des Preußischen Landesverbandes und der übrigen deutschen Landesverbände einzutreten. Den Vorsitz in dem Ausschuß führt der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden hierfür bestimmte Vertreter, den stellvertretenden Vorsitz der von der süddeutschen Arbeitsgemeinschaft bestimmte Vertreter. Beschlüsse werden mit einer Mehrheit von Zweidrittel der anwesenden Vertreter gefaßt. Stimnrenübertragung ist zulässig. Der Schöpfer des Nödelheimer Machsors Zum 100jährigen Todestag Wolf Heidenheims (gestorben am 23. Februar 1832) Am 23. Februar 1932 sind 100 Jahre feit dem Tode eines der größten Grammatiker und Bibclexcgctcn des modernen Judentums, Benjamin Wolf Heidcnheim, verflossen. Im Jahre 1757 in dem mittelfränkischcn Orte Heidcnheim geboren, besuchte er schon in frühen Jahren die berühmte Jeschiwa in Fürth und war zunächst Schüler des dortigen Rabbiners Josef Steinhardt. Nach dessen Tode genoß der junge Gelehrte den Unterricht des als Talmudisten und Mathematiker bedeutenden Rabbiners Hirsch Janow. Er verließ nach kurzer Zeit Fürth und kam nach Frankfurt a. M., um seine talmudischcn Studien fortzusetzcn. Hier konnte er eine Reihe gleichgesinnter Freunde, zu denen der Rabbinatsassessor und Lehrer an der Werthcimischen Klause, Rabbi Jakob Schammcs, gehört, um sich sammeln. Im Jahre 1788 ließ er sich nach seiner Verheiratung in den: nahen Offenbach nieder und faßte den Plan, einen Pentateuch mit den bekanntesten Kommentaren sowie feinen eigenen Erklärungen herauszugeben. Zunächst aber erschien im Jahre 1791 seine Ausgabe der grammatischen Schrift „M o s n a j i m" von Abraham ibn Esra, die seinen Ruf als Autorität auf dem Gebiete der jüdischen Grammatik begründete. Im Jahre 1798 führte er dann sein Vorhaben aus und veröffentlichte unter dem Titel „S eferTorat Elohi m" einen Pentateuch, der aber leider unvollendet geblieben ist. Dieser Ausgabe fügte er neben anderen wertvollen Kommentaren eine eigene ausführliche Wort- und Sacherklärung bei, welche den Titel „Meforasch" trägt. Schon bei der Veröffentlichung dieses Werkes zeigte sich die Vielseitigkeit und Beschlagenheit Heidenheims in hohem Maße. Eine besondere, bis heute praktisch wirksame Bedeutung kommt seiner Verleger: und Druckertätigkeit in Rödelheim zu. Er beschaffte sich 1798 gemeinsam mit dem aus Frankfurt a. d. Oder stammenden energischen und geschäftstüchtigen Buchdrucker Baruch Baschwitz ein Privileg von dem Grafen Vollrath zur Errichtung einer Druckerei in Rödelheim, wo alle hebräischen Bücher in einem von ihm gesichteten kritischen Text gedruckt und aufs sorgfältigste korrigiert wurden. In Rödelheim entstand seine schwungvolle hebräische und deutsche Ode an den Grafen Vollrath, die das erste Erzeugnis der „privilegierten orientalischen und occidentalischen Buchdruckerei" bildete. Im Jahre 1800 begannen die Machsorausgaben zu erscheinen, zu deren Texten alte Handelsschriften hcrangezogen wurden; bahnbrechend sind seine Forschungen über die liturgischen Dichtungen (Pijutim), die den späteren Arbeiten von Zunz die Wege wiesen. Nach dem Ausscheiden von Baschwitz, der wegen seiner besonderen geschäftlichen Begabung der Finanzberater verschiedener deutscher und ausländischer Monarchen wurde, verfaßte Heidcnheim eine Abhandlung über die biblischen Akzente unter dem Titel „Mischpete Ha-Teamim". Das von ihm im Jahre 1798 herausgcgebene Bruchstück des Pentateuch ergänzte er 1818 zu einer großzügigen Pentateuchausgabe in vierfacher Gestalt; neben den: Abdruck älterer Kommentare, wie desjenigen des um die Mitte des I I. Jahrhunderts in Troycs lebenden Salomo Jizchaki, genannt Raschi, enthält diese Ausgabe unter dem Titel „Habanat ha- Mikra" eigene Erklärungen. Jin Jahre 1804 erschien seine Ausgabe der unter dem Namen „Maamar Ha-Sechel" bekannten Abhandlung über die 613 Gebote, die Heidenheim irrtümlich dem Rabbi Clicser ben Nathan, einem Mainzer Gelehrten des 12. Jahrhunderts, zuschrieb. Drei Jahre zuvor hatte er das naturwissenschaftliche Werk „Schaar ha-Schamajim" des Philosophen und Naturforschers Gerschom ben Salomo, der in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts in dem provenzalischen Städtchen Arles wirkte, herausgcgeben. Weitere Werke, wie die grammatische Lchrift „Marpe Laschon" des in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts lebenden hebräischen Grammatikers Mose ben Schemtob ibn Chabib so-