Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 4 (15.2.1932)
- Date
- 1932-02-15
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kachrichtenblatt öer Israelitischen Kultuögememöen in München/ Augsburg/ Hamberg unö öes Verbanöes Hagerischer Israelitischer Gemeinüen Bayerische Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am 1. unö 15. seöen Monats. — Verlag: L. Heller/ München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für Sas plinganserstrasse 64/ Kernrus 7) 664 unö 7)665/ Postscheck München 3987/ Jahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Relchspfenutg Vchristleitung: Sr. Luüwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraste )ö Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 1f Relchspfennlg VIII. Jahrgang München, 75. Kebruar 1932 Kr. 4 Inhalt: Eine Neichsvertrettmg der deutschen Juden — Der Schöpfer des Nödelhermer Machsors — Die Juden in den größeren bayerischen Städten — Kardinal Faulhaber über die Zehn Gebote — Der Gerer Nebbe fährt ins Heilige Land — Aus der Gemeinde München — Vereine — Büchcrschau — Mitteilungen des Jüdischen Lehrcrvereins für Bayern — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gcrneinden: Bekanntmachung über Wahlen Ztlr Tagung — Bekanntmachung über Haushaltplan und Umlagesteucr 1952 —■ Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntnrachung über Änderung der Verfassung der Gemeinde — Bekanntmachung über die Iahresrechnung der Gemeinde für das Jahr 1931 — Bekanntmachung über den Haushaltplan der Gemeinde und die Höbe des Umlagensatzes für 1932 — Personalia eine Reichsvertretung der deutschen luden Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände in Berlin am 31. Januar 1932 Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches trat am 31. Januar 1932 in Berlin zu einer Sitzung zusammen, an der zahlreiche Vertreter, insbesondere diejenigen des preußischen und bayerischen Verbandes, sowie der übrigen süddeutschen Verbände teilnahmen. Wie der Vorsitzende, Kammergerichtsrat Leo Wolfs, bei der Begrüßung der Anwesenden hervorhob, ist seit der letzten Zusammenkunft ein volles Jahrvergangen, ein Jahr, in dem die auf Deutschland lastenden Sorgen die jüdische Bevölkerung und ihre Organisationen in besonders starkem Maße bedrückten. Diese Sorgen und die in Frage kommenden Möglichkeiten, ihnen zu begegnen, nahmen in den Beratungen einen breiten Raum ein und gaben den Unterton selbst bei solchen Punkten der umfangreichen Tagesordnung, die auf einem scheinbar von den Sorgen des Tages nicht berührten Gebiete liegen. Die politische Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß es denjenigen Parteien, bei denen der Judenhaß einen unentbehrlichen Teil ihres Programms bildet, geglückt ist, ihre Anhängerzahl in geradezu verhängnisvoller Weife zu vermehren. Das deutsche Judentum ist der ihm dadurch drohenden Gefahr gegen- I über nicht blind. Allerorten haben seine verantwortungsbewußten Führer bei den zuständigen Stellen in geeigneter Weise auf diese hingewiesen und auch von sich aus Maßnahmen ergriffen, die zum Schutze von Leib und Leben sowie der Ehre des jüdischen Namens nötig sind. Um auch an der zentralsten Stelle, von der den etwa kommenden Ereignissen am wirkungsvollsten entgegengetreten werden kann, ein besonderes Organ zu besitzen, das hierzu berufen und legitimiert ist, hat die ReichSarbeitSgemeinschaft den Beschluß gefaßt, zur Vertretung der jüdischen allgemeinen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche eine Reichsvertretung zu schaffen. In diese sollen der Preußische Landesverband 6, die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft 4 und die / übrigen Landesverbände 3 Mitglieder abordnen. Dem Allge- > meinen deutschen Rabbinerverband wurde anheimgegeben, in die Reichsvertretung je einen Vertreter der beiden religiösen Hauptrichtungen abzuordnen. Diese Reichsvertretung soll in geeigne- \ ten Fällen mit anderen sich über das Reich erstreckenden jüdischen; Organisationen, insbesondere mit dem Centralverein deutscher StaatSbürger jüdischen Glaubens Zusammenwirken. Eö darf erwartet werden, daß die so gebildete Reichsvertretung kraft der ihr innewohnenden Autorität ihre Aufgaben erfolgreich durchzuführen in der Lage fein wird. Ein großer Teil der Beratungen war der wirtschaftlichen Not der jüdischen Bevölkerung gewidmet. Der Berichterstatter Dipl.- Ingenieur Bruno Woyda knüpfte an die früher über die Tätigkeit des Landesverbandes in dieser Beziehung erstatteten Mitteilungen und besonders an die Beratungen an, welche am Abend zuvor in der neugebiloeten Arbeitsgemeinschaft für jüdische WibtschaftSfragen ftattgefunden hatten. Hervorzuheben sind die von verschiedenen Seiten gemachten Ausführungen über die Notwendigkeit der Schaffung von Bezirksdarlehenskassen und der nebenberuflichen Städte-Randsiedlung von Erwerbslosen. Auch die Fragen, welche mit der Ansiedlung von Juden auf dem flachen Lande und der Möglichkeit ihrer Berufstätigkeit in der Landwirtschaft zusammenhängen, fanden eine tiefschürfende und für die Lösung des Problems bedeutungsvolle Behandlung. Daneben stand eine Reihe von Angelegenheiten auf der Tagesordnung, welche nicht die einzelnen Landesverbände betreffen, sondern über diese hinaus für das ganze Reich von Wichtigkeit sind. Insbesondere handelte es sich dabei um die Aufbringung der Mittel für Organisationen, die sich auf das Reichsgebiet erstrecken, insbesondere solche der Woülfahrtspflege und der Aus-