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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-02-01 · 3 (1.2.1932) · p. Seite 41

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
3 (1.2.1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 41 telegramm aus heiterem himmel: ^d _i__e__n ja__c_h_t_o__h_n_e__z_o_r_e_s_” heute samstag den 30. januar 32 im hotel »der königshof” am stachus Kostümfest des „bar-kochba”. gäste herzlich willkommen! eintritt 1 mark, kein weinzwang, "beginn %9 uhr. schutzbericht, der Kassenwart, Direktor Stahl (München), den Finanzbericht. Syndikus Dr. Wiener (Berlin) sprach in längeren, eingehenden Ausführungen über „Das Gebot der Stunde für die deutschen Juden", wobei er vertrauliche Erläuterungen zur gegenwärtigen politischen Situation zur Kenntnis brachte. Die Tagung fand unter zahlreicher Beteiligung der Delegierten aus dem ganzen Lande statt. 2n der Aussprache wurde der Leitung des Landesverbandes der Dank dafür ausgesprochen, daß sie cs verstanden habe, den Mut aller ihrer Mitarbeiter in dieser schweren Zeit erneut zu stärken. Ein Bericht über die Veranstaltungen, die sich an die Tagung anschlossen, findet sich in der „C.V.-Zeitung". Generalversammlung des J.J.V. München. Am 14. Januar 1932 hielt der Jüdische Jugendverein München in seinem Vereinslokale die Generalversammlung ab. Vor. der gut besuchten Versammlung gab der 1. Vorsitzende, Herr Oberlehrer Dr. Siegfried Keßler, den Bericht über das vergangene Vereinsjahr, der sich hören lassen konnte. Der Verein hatte im vergangenen Jahr einen erfreulichen Aufschwung genommen, der sich nicht nur in einer ansehnlichen Zunahme der Mitgliederzahl zeigte, sondern auch in dem starken Besuch durch Gönner und Gäste, den viele Abende aufwiesen. Dem rührigen Vorstand war es auch gelungen, eine Reihe ausgezeichneter Vortragsabende herauszubringen. Nur einige seien genannt: Herr Felix Feucha w a n g e r sprach über den „Prozeß des Jesus von Nazareth", dr. Ernst Wallerstein über das Buch „Erfolg" von Lion Feuchtwanger, Dr. Karl Bacharach über das „Jahrhundert der Strahlen", Dr. Ludwig Feuchtwanger über das Buch „Etzel Andergast" von Jakob Wassermann; über Gabriel Rießer sprach Dr. S. Keßler, über „Ur und die Sintflut" Ing. S. N a s ch i tz, über „Freud, Coud und die moderne Psychotherapie" Dr. E. Horn. Eine wohlgelungene Chanukkafeier steht in bester Erinnerung. Selbstverständlich wurde das Gesellschaftliche, Wandern und Sport nicht vernachlässigt. Einige Gruppen bildeten Arbeitsgemeinschaften, um sich rnit den Problemen der Gegenwart zu beschäftigen. Leider mußten die Freitagabendfeiern, eine langjährige, segensreiche Einrichtung, aufgegeben werden, da geeignete Herren zur Leitung der Abende nicht in genügender Anzahl zur Verfügung standen und die Gästeschar sich infolgedessen verlief. Die Kassenlage war dank der energischen Arbeit des Kassenwartes Herrn Theodor Naschitz eine günstige. Wenn auch viele Mitglieder von der Notzeit schwer betroffen wurden, so gingen die Beiträge doch ordentlich ein; auch in der Bereitschaft zu sozialer Hilfe zeigte sich die Opferwilligkeit vieler Mitglieder. Die Entlastung wurde der Vorstandschaft einstimmig und dankesbeifällig erteilt. Kein Wunder auch, daß der einmütige Wille der Versammlung beschloß, die Vorstandschaft möge in der gleichen Zusammensetzung wie bisher ihre Tätigkeit fortsetzen. Deutsch-jüdischer Arbeitskreis. Am 20. Januar sprach im gutbesuchten Lessingsaal Dr. Werner Cahninann über „Idee und Wirklichkeit einer jüdischen Politik in Deutschland". Der Vortrag beschränkte sich rnit Absicht auf die Außenseite jüdischer Politik, er ließ unberührt deren innerjüdische Grundlagen und Voraussetzungen, die zu behandeln wohl ein anderer'Abend dienen wird. Hier entwarf nun der Vortragende ein umfassendes und wohldurchdachtes Bild der gegenwärtigen und zukünftigen Stellung der Juden in Deutschland. Nach der ersten Emanzipation, dieim Sinne der Aufklärung den Anschluß des einzelnen als Individuum an die deutsche Umwelt gebracht habe, müsse jetzt eine zweite Emanzipation folgen, die der jüdischen Gesamtheit. Den Weg zur Einordnung dieser jüdischen Gesamtheit in das Deuschtum weise der föderalistische Gedanke als Wesensmerkmal deutscher Geschichte. Wer den Wert der Gliederung einsehe, der werde auch das Judentum als ein Glied der deutschen Einheit anerkennen müssen. Nach solcher Aufnahme des Judentums in die gegliederte Einheit des Deutschtums zu streben, sollte das Ziel jüdischer Politik sein. Ihre Verwirklichung stehe unter dem Gedanken des Friedens und der Gerechtigkeit. Im Kanrpf dafür stelle sich das Judentum ein in die Front des Geistes gegen drohende Barbarei und Vernichtung. Die überaus reichen Anregungen des Vortrages führten zu lebhafter Aussprache, die erfreulich verlief, abgesehen von einigen verbrauchten und in der Forin unangebrachten Schärfen in der Auseinandersetzung hie Zionismus, hie Nichtzionismus. Zusammen mit dein Schlußwort Dr. Cahnmanns verstärkte die Aussprache den Eindruck, daß der kraftvolle Wille einer deutsch-jüdischen Politik Erfolg haben rnuß. Israelitischer Frauenverein von 1830. Frau Weil-Eckstein, die in diesen Tagen für den Verband der Wohltätigkeitsvercine bei den Mitgliedern vorsprechen wird, ist bereit und berechtigt, bei ihrem Besuch den Inhalt der Roten Büchsen zu kassieren. Die Dorstandschafk. Jüdischer Turn- und Sportverein Bar Kochba, München, telegramm aus heiterem Himmel: „die nacht ohne Zores" heute samstag den 30. januar 1932 im Hotel „der königshof" am stachus kostümfest des bar-kochba. gäste herzlich willkommen! eintritt 1 mark, kein weinzwang. beginn 349 uhr. Jüdischer Lehrerverein für Bayern. Bezirkskonfercnz Regensburg Sonntag, den 7. Februar, vormittags 9 Uhr. Vollzähliges Erscheinen erwünscht. Godlewsky. Jüdischer Lehrerverein für Bayern. Bezirkskonferenz Fürth. Nächste Konferenz 14. Februar. Liederstunde der Hebräischen Sprachkurse, München. Nach einer kleinen Pause findet die hebräische Liederstunde ab Mittwoch, den 3. Februar, abends 8.45 Uhr bis 10 Uhr, im Raume der Hebräischen Sprachkurse, Hcrzog-Rudolf-<L>traße 1, wieder regelmäßig statt. Die Beteiligung ist kostenlos und erfordert keine Vorkennmisse. vücderschau L’humanisme juifi. Quinze essais sur le juif, le monde et Dieu. Par Hans Kohn. Paris (Le editions Rieder; 7, Place St. Sulpice) 1931. 276 S. Preis: 15 Fr. — 2.60 RM. Cs ist bezeichnend, daß dieser hervorragende Essay-Band nicht zuerst in deutscher Sprache erschienen ist. Hoffentlich kann die deutsche Ausgabe bald folgen. Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" konnte schon vor Erscheinen Stücke aus der Reihe der Kohnschen Aufsätze bringen. Wir geben im folgenden einen gedrängten Jnhaltsüberblick. Es ist eine Sammlung von 15 Essays, die in ihrer Art einen einzigartigen Überblick über die Geistcsgeschichte des modernen Judentums des letzten Jahrhunderts bieten. Die Einleitung bespricht die geistigen Wurzeln des modernen Judentums, als welche der Autor in Anlehnung an Buber den Chassidismus und die Aufklärung erkennt. Im übrigen reichen nur die zwei folgenden Aufsätze, nämlich über Heinrich Heine und über die Entwicklung des französischen JutentumS, in vorzionistische Zeit zurück. Die weiteren Teile des Buches gehören unmittelbar zur Geschichte des jüdischen Nationalismus. Es genügt, die charakteristischen Überschriften der Kapitel hier anzuführen, um ein Bild von dem Aufbau und der Vielseitigkeit des Büchleins zu geben. Der erste Hauptteil, „Das abendländische Judentum", enthält folgende Monographien: 1. Heinrich Heine oder die Dämmerung des modernen jüdischen Bewußtseins; 2. Auf den Wegen des französischen Judentums; 3. Henri Franck oder das Wiedeerwachen des jüdischen Bewußtseins; 4. Andre Spirc oder der moderne Jude. Im zweiten Hauptteil „Auf der Suche nach einem jüdischen Humanismus" finden wir: 5. I. L. Perez oder die jüdische Mystik; 6. Theodor Herzl oder die jüdische Politik; 7. Nathan Birnbaunr oder die jüdische Gläubigkeit; 8. der jüdische Liberalismus oder die jüdische Emanzipation; 9. Reubeni, Fürst der Juden (Max Brods Roman) oder die jüdische Ethik. Schließlich enthält der dritte Hauptteil „Humanismus und Judentum" folgende Kapitel: 10. Moses Heß oder der neue Nationalismus; II. Achad Haam oder der ethische Nationalismus; 12. A. D. Gordon oder der schöpferische Nationalismus; 13. Martin Buber oder der religiöse Nationalismus, Auch das 14. und Schlußkapitel „Nationalismus und Humanität" beschäftigt sich mit der Figur Martin Bubers, der diese Synthese schuf. Cs Ast höchst bedauerlich, daß die deutsche jüdische Öffentlichkeit ohne Unterschied der Richtungen dem ausnehmend hochstehenden Schrifttum von Hans Kohn nicht die ausreichende Beachtung und Förderung zuwenden kann. Hervorragende nicht-jüdische Zeitungen, Zeitschriften und Verlage haben längst die seltene Fülle dieser weltoffenen Begabung, die in allen Kultur kreisen zu Hause ist, erkannt. An Reichtum des Stofflichen, an Kenntnissen, an der Kunst, seinen Stoff auszubrciten und an innerer mit

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