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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-02-01 · 3 (1.2.1932) · p. Seite 40

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
3 (1.2.1932)
Date
1932-02-01
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 Aus daverischen Gemeinden Aschaffenburg. Die Trauer um das Ableben von Distriktsrabbincr Dr. Raphael Breuer in Aschaffenburg, dem Sohne des einstigen Frankfurter Raw Dr. Salomon Breuer und Enkel von Samson Raphael Hirsch, ist allgemein. Der „Israelit" in Frankfurt a. M. widmet dem Verblichenen einen großen Gedenkartikel, in dem es u. a. heißt: „Er war mehr als die bloße Verkörperung von Thora- und Wcltwissen, was wir in ihm bewunderten, er war mehr die Verkörperung und innige Verschlungenheit zweier Methoden, die bis dahin, sich ergänzend, aufcinandcrfolgten: das Hirsch'sche ,Thorajudentum in der Welt' und das Salomon Breuer'sche ,Welljudentum in der Stätte der Thora^ fanden sich bei und in ihm zu einem herrlichen Zusammcnspiel." „C.V.-Zeitung" teilt mit: „In seiner Eigenschaft als Vorstandsrnitglied des C.V. in Aschaffenburg hatte er noch in den letzten Tagen in der Presse auf die nationalsozialistischen Angriffe reagiert, und noch am vergangenen Sonntag, als bereits der sonst so beredte Mund verstummt und der Hand, die den Artikel geschrieben, die Feder entfallen war, hat ein Pfarrer (der von dem inzwischen erfolgten Heimgang noch keine Kunde hatte) in dem Orte Obernau in der Nähe Aschaffenburgs, von der .Kanzel herab sich gegen die nationalsozialistische judenfeindliche Kampagne gewandt und mit Bezugnahme auf den Artikel von Rabbiner Dr. Breuer seine Gemeinde aufgefordert, zu beten, daß dieser Rabbiner Dr. Breuer mit weiterem Leben und Kraft zur Abwehr gegen die Angriffe auf seine Glaubensgemeinschaft begnadet werde." Die „Aschaffenburger Zeitung" gibt in einem längeren Artikel der Trauer der allgemeinen Bevölkerung von Stadt und Bezirk Aschaffenburg über das Ableben von Rabbiner Dr. Breuer Ausdruck. Die Trauerfeier am Montag in Aschaffenburg verlief außerordentlich eindrucksvoll. Die offizielle Trauerrede hielt Distriktsrabbincr Dr. Stein (Schweinfurt), der gleichzeitig den letzten Gruß vom „Verbände der Bayerisch-Israelitischen Gemeinden" überbrachte. Namens der Hauptvorstandes des C.V. und des Vorstandes der Gemeinde Aschaffenburg sprach Dipl.-Jng. Freund. Der Oberbürgermeister von Aschaffenburg, Geheimrat Dr. Matt, sprach dem „hervorragenden Bürger und Kulturführer, in dessen Reden immer etwas vom Pathos des jüdischen Propheten war", Worte der Verehrung und des Dankes nach. Es sprachen dann noch der Bruder des Verstorbenen, Dr. 2sak Breuer, Oberstudiendirektor Dr. Müller, Hauptlehrer Schloß, der Dozent der Frankfurter Ieschiwah, D. Elieser Posen, Rabbiner Dr. Hirschfeld (Gießen) (namens des orthodoxen Rabbinerverbandes und des Bundes jüdischer Akademiker) und Dr. Salomon Ehrmann (Franffurt a. M.), der in bewegten Worten von dem Freunde Abschied nahm. Auf dem Friedhöfe hielten Gedenkreden Rabbiner Dr. Munk (Ansbach), Dr. Pinchas Cohn (Wien) und Dr. Hermann Klein (Berlin). Willmars i. Ufr. 2m Dezember verstarb hier im 73. Lebensjahre Herr Emanuel Scheuer, der über 50 Jahre in unserer Gemeinde, zuletzt als Vorbeter und Lehrer gewirkt hat. Die Gemeinde Willmars wird dem Dahingeschiedenen ein tteues Andenken bewahren. Coburg. Aus dem Gemeindeleben. Die Reihe der Geineindevorttäge eröffnete Rabbiner Dr. K a t t e n (Bamberg) mit dein Thema: „Hochzeit und Tod", eine folkloristische Studie. Unter Heranziehung ältester Kuüurerscheinungen verbreitete sich der Redner über volkslümliche Gebräuche bei Hochzeit und Tod, mit besonderer Berücksichtigung der Zeremonien, die sich noch im jüdischen Leben erhalten haben. Dr. Katten wußte auf Grund genauester Quellenforschung die Zusammenhänge und Kreuzungen zwischen Glauben, Aberglauben und Volksglauben fein zu analysieren. — Wie in den letzten 2ahren, so fand auch dieses 2ahr die Gefallenengedenkfeier als öffentliche Veranstaltung am Ehrenmal auf dem Friedhofe (in Coburg ist das Friedhofsgelände für a..c Konfessionen gemeinschaftlich) statt. Die jüdischen Frontsoldaten inarschierten vom Schloßplatze aus in Reih und Glied auf den Friedhof. Dort hielt Prediger Hirsch (der auch als Feldprediger im Kriege tätig war) die Ansprache. Der Vorsitzende des R.2.F. legte einen Kranz nieder. Die Feier hinterließ einen tiefen Eindruck. — Die im Sommer gegründete 2unggruppe, die unter der Führung der Gymnasiastin Lore Hirsch steht, hat sich dem Bund jüdischer Pfadfinder angeschlossen. 2n einer Chanukkafeier, bei welcher die 2unggruppe alle Kinder der Gemeinde bewirtete, trat diese junge, sehr tätige Vereinigung erfolgreich in die Öffentlichkeit. — Den notwendig gewordenen Sparmaßnahmen in der Gemeinde mußten auch seit längerer Zeit Orgelspiel und gemischter Chor bei den Gottesdiensten geopfert werden. Beide Funktionen sind nur noch für die hohen Festtage vorgesehen. — Zum ersten Male seit Bestehen der Gemeinde wurden an Stelle einer Kopfsteuer Gebühren für Synagogenplätzc erhoben. Diese Maßnahme hat sich als sehr zweckmäßig erwiesen und soll beibehalten werden. — Ein bemerkenswertes Urteil über das Verbot des Boykotts jüdischer Geschäfte fällte das Oberlandcsgericht. Die Aufforderung zum Boykott wurde mit 300 RM. Geldstrafe geahndet. —Die jüdische Winterhilfe, die sich in Verbindung mit der städtischen Winterhilfe organisiert hatte, brachte einen sehr schönen Erfolg, der außer der Betreuung der jüdischen Armen auch die Überweisung eines sehr ansehnlichen Bettages an die städtische Wohlfahrtspflege ermöglichte. Zu dieser Aktion hatten sich sämtliche jüdischen Organisationen am Platze in gemeinsamer Arbeit zusammengefunden. Hörstein. Am 7. 2anuar (28. Tebeth) vollendete Fru Sara Hamburger in geistiger und körperlicher Frische ihr 80. Lebensjahr. Frau Hamburger war seit Gründung des israelitischen Frauenvereins l. Vorsitzende, dessen Obliegenheiten sie heute noch mit der größten Pflichttteue ausführt. Vor drei 2ahren feierte sie mit ihrem Ehegatten Moses Hamburger das Fest der goldenen Hochzeit. 2sraelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg Das Schuljahr 1932/33 beginnt am 18. März 1932. Vereine Goethefeier der München-Loge. U.O.B.B. 2m Rahmen ihrer Kunsi- und Bildungsabende veranstaltet die München-Loge am D i e ns t a g, dem 2. Februar, 20.15 Uhr, im „Mathildensaale" (Mathildenstraße 5), eine „Goethe-Gedenkfeier", zu der Margarethe Bach (Wien) (Rezitationen), Ernst Mosbacher (München) (Gesang) und Kurt Bettsack (Klavier) ihre Mitwirkung zugesagt haben. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, wenn wir im Hinblick auf das Thema und die Mitwirkenden, die den Münchenern in weiten Kreisen rühmlichst bekannt sind, ein „volles Haus" prophezeien, zumal die Veranstaltung bei freiem Eintritt jedermann zugängig ist. Ortsgruppe München des 2üdischen Frauenbundes. Wir machen aus den in der heutigen Nummer im Anzeigenteil angekündigten Vorttag von Frau Clcmentine Krämer über „Aktuelle Fragen" (Leipziger Fraucnbundtagung) nochmals aufmerksam. Der Vortrag wird veranstaltet von dem Schwesternbund der München-Loge, der unsere Mitglieder hiermit herzlich cinlädt. Ort: Kunstgewerbehaus, Pfand hausstraßc 7. Zeit: Montag, den 7. Februar, abends 8 . 1 5 Uhr. Zionistische Ortsgruppe — 2ungzionistischer Arbeitskreis — Keren Kajemeth Lejisrael veranstalten am Sonntag, den 3 I. 2anuar, nachmittags 4 Uhr, im Hotel Königshof einen Tee-N achmittag m i t T a n z, zu der sie alle Gesinnungsgenossen und Freunde herzlichst cinladen. Eine flotte Tanzkapelle, Solotänze, vorgeführt von Frl. Else Maier, und lustige Tanzspiele werden den Besuchern einen vergnügten Nachmittag bereiten. Einttitt 1.20 RM. inkl. Tee. Saaleröffnung halb 4 Uhr. Kartcnvorverkauf: Buchdruckerei Minikes, Klenzestraße 61; Ewer- Buchhandlung, Ottostraße 2; Pelzhaus S. Orljansky, Neuhauerstraße 29; Zionistische Ortsgruppe, Herzog-Rudolf-Sttaße I. Landesverband Bayern des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Am Sonntag, dem 10. 2anuar 1932, fand in Nürnberg die Tagung des Landesverbandes Bayern im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für das abgelaufcne 2ahr 1931 statt. Am vorhergehenden Nachmittag war der Geschäftsführende Vorstand des Landesverbandes zu wichtigen Beratungen vereinigt. Auf der Tagung selbst referierte der Syndikus, Dr. Cahnmann (München), über die Tätigkeit, die der Landesverband im 2ahr 1931 entfaltete; der Rechtsbeistand, 2ustizrat Levingcr (München), erstattete den Rechts- Kaffee-Konditorei Feldherrnhalle Inhabers ADOLF ZIMMER, früherer langjähriger Direktor Hotel Exelsior Fernsprecher Nr. 91447 Wiener Kaffee und nur erstklassige Getränke e Feinste eigene Konditoreierzeugnisse mit garantiert reiner Butter! Lieferung frei Haus

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