Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 3 (1.2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 ausgeübt hat. Über diesen Einfluß des großen jüdischen Denkers auf die christliche Philosophie des Mittelalters, vor allem auf Albertus Magnus und seinen Schüler Thomas von Aquin haben die Arbeiten der jüdischen Gelehrten Joel, Iellinek, I. Guttmann, Michel und Rohner im 19. und 2O. Jahrhundert volles Licht gebracht. Maimonides stand der kirchlichen Orthodoxie in vielen Fragen des Schöpfungsproblems näher als die arabischen Philosophen. In der Physik des Albertus ist die Darstellung dem Gedankengang und dem Zwecke nach im großen und ganzen maimonidisch. In der Bekämpfung der Argumente für die Ewigkeit der Welt hat Albertus ganze Kapitel aus dem Moreh newuchim in seine Werke herübergenommen. In der großen (übrigens wissenschaftlich nicht unangefochten gebliebenen) deutschen Ausgabe des „Moreh" von Adolf Weiß (Philosophische Bibliothek Bd. 184a — c; Leipzig 1923) ist in der ausgedehnten Einleitung (Seite 148 f.) dem Einfluß des Maimonides auf Albertus im einzelnen nachgegangen. Das führende deutsche Hauptwerk über die patriftische und scholastische Philosophie von Bernhard Geyer (in Bd. II von Überwegs Grundriß der Geschichte der Philosophie; 11. Aufl. Berlin 1928) enthält die näheren Angaben (Zitate und Literatur) über diese Beziehungen, die der Papst in seiner neuesten Bulle andeutet. Wie Maimonides seinerseits in seinem „Führer der Irrenden" Aristoteles versteht, ist so wenig jüdisches Eigengut wie etwa die mittelalterlichen Miniaturen in den alten Handschriften der Pesach-Haggadah. Und auch die These eines modernen jüdischen Geschichtsschreibers (Kastein, Eine Geschichte der Juden, S. 393) rft ärgerlich übertrieben: „Er (Maimonides) hatte doch erst der christlichen Scholastik des Mittelalters, die seine Werke eifrig benützte, die Augen geöffnet über die Möglichkeit, sich im Widerstreit von Glauben und Metaphysik zurechtzufinden." Aber Gestalten und Gedankengut des jetzt so gefeierten Kirchenlehrers Albertus Magnus, gemessen an den ebenso bedeutenden Höhen und Tiefen eines Moses ben Maimon, zeigt uns, daß man nicht auf die Bibel zurückgehen muß, um jüdische exemplarische Geisteskraft, die den Völkern vorausleuchtete, zu finden und zu bewundern. Zur Literatur: Die Münchener Universität ist traditionell die Hochburg der mit der mittelalterlichen Philosophie zusammenhängenden Studien, die besonders durch die Namen Hertling, Baeumker, Geyser, Grabmann gekennzeichnet sind. Außer den im Text genannten jüdischen und christlichen Gelehrten dient zur Einführung in den mittelalterlichen Aristotelismus, den man zur Beurteilung von Albertus und Maiinonides kennen muß, das Werk des Münchener katholischen Philosophen I. Geyser, Die Erkenntnistheorie des Aristoteles (München 1917) und für die literarischen Zusammenhänge: Martin Grab mann, Mittelalterliches Geistesleben. Abhandlungen zur Geschichte der Scholastik und Mystik; München (M. Hueber) 1926. Die ilalieniscken Juöen geeint 1. Mario Falco, Prof. ord. nella Universitä Milano, La nuova legge sulle comunitä israelitiche Italiane. Estratto dalla Rivista di Diritto Pub bl. e 1 a G i u s t. A m m. Fase. (Ott.) 1 9 3 1. T i v o 1 i 19 3 1. 2. Mario Falco, Lo spirito della nuova legge sulle comunitä israelitiche Italiane. Estratto da „La Rassegna Mensile di Israel“. Vol. VI. N. 1—2 (Sec. Serie) Maggio-Jiugno 1931 — IX. Während in Deutschland immer noch partikulare Kräfte und kurzsichtige Schwarmgeister eine einheitliche Vertretung der deutschen Juden durch einen machtvollen Reichsverband zu verhindern suchen, hat sich die Organisierung der gesamten italienischen Iudenheit in einem öffentlich-rechtlichen Gesamtverband vollzogen. Wir haben in diesen Blättern (Jahrgang 1931; Nr. 5, S. 71) über das neue jüdische Gemeindegesetz ausführlich berichtet. Jetzt liegen in den beiden oben zitierten Veröffentlichungen des Mailänder Rechtsgelehrten Prof. Mario Falco, der an dem Werk hervorragenden Anteil hatte, zwei authentische Interpretationen über das neue italienische Recht vor, das die jüdischen Gemeinden von ganz Italien und seiner Kolonien zusammenschließt. Das italienische Judenrecht rührt mit keiner Spur an die persönliche Gewissensfreiheit des einzelnen und der verschiedenen Richtungen im neuzeitlichen Judentum, es stärkt ausschließlich das jüdische Leben in Italien und macht die alten, wirr durcheinanderlaufenden Strebungen der jüdischen Gruppe, neben der Erhaltung des Kultus für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse zu sorgen, zu öffentlich-rechtlichen Aufgaben eines Zwangsverbandes. Diese bestehen ausdrücklich auch in der Teilnahme an der allgemeinen und sozialen Arbeit des Judentums, besonders auch in der Aufrechterhaltung geistiger und kultureller Beziehungen zu den ausländischen jüdischen Gemeinden, ferner in der Konservierung der alten Literatur- und Kunftdenkmäler, in der produktiven Verbreitung und Förderung der jüdischen Eigenkultur. Professor Falco findet fein empfundene Worte für die großen Möglichkeiten, die das neue Gesetz den Israeliten Italiens gibt, sich auf ihre alte ehrwürdige Herkunft zu besinnen, einen Damm gegen die alles zerstörenden Mächte der Gleichgültigkeit und Assimilation aufzurichten und den Genius des italienischen Judentums neu zu beleben. Für die fachmännisch-juristische Durchdringung des wichtigsten Gesetzgebungswerkes, in dem sich bekanntlich Einzelzüge aus der deutschen Regelung der jüdischen Angelegenheiten in unseren Gemeindeverbänden wiederfinden, muß auf die beiden Arbeiten von Falco selbst verwiesen werden. In Deutschland bringt das (bei Mohr erscheinende) Jahrbuch des öffentlichen Rechts die zur Rechtsvergleichung nötige Analyse. Die Vorarbeiten an einem künftigen deutschen Reichsverband werden daö eindringliche Studium des italienischen Gesetzes in ihren Aufgabenkreis einbeziehen müssen. F.