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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-01-15 · 2 (15.1.1932) · p. Seite 28

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
2 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 28 (sequence 14)
Language
German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 getragene Ausführungen, die man als im tiefsten Grunde berechtigt anerkennen muß. — Zu der gemeindepolitischen Reihe gehört auch der wohl abgemessene Aufsatz von Dr. Moses Auerbach (Berlin): „Zur geistigen Struktur der deutschen Orthodoxie der Gegenwart", deren soziale, jüdisch-politische, religiöse und intellektuelle Selbstdarstellung geboten wird. — Der bedeutende Beitrag von Dr. Josef Wohlgemut!): „Grundgedanken der Religionsphilosophie Max Schelers in jüdischer Bcleuchtung", der auch gesondert (bei Reuther & Reichhardt in Berlin) erschienen ist, soll hier später noch in einem besonderen Aufsatz behandelt werden. Wie hier in Anschluß an Schcler die Begriffe Reue und Rückkehr analysiert werden, sei schon bei dieser Erwähnung der eindringlichsten Aufmerksamkeit empfohlen. — Erwähnt sei unter den in deutscher Sprache abgefaßten Beiträgen schließlich noch der sprachwissenschaftliche Versuch von Dr. med. Arnold Merzbach, „Psychologie der hebräischen Pcrsonalsymbole". Darin werden aus der hebräischen Pronominalbildung ^(selbständige Personalpronomina — Possessiv-Suffixa — Vcrbalbildungen mit inhäricndcr Personalbezeichnung) unbewußte kollektive seelische Grundhaltungen der vorderasiatischsemitischen Antike abgeleitet. Man wünscht diese wichtige Abhandlung in den Slrom der allgemeinen sprachwissenschaftlichen Forschung hincmgcstellt; dabei würde sich vielleicht ergeben, ob nicht doch die herrschende s p r a ch g c s ch i ch t li ch e Methode bei Mcrzbach zu kurz gekommen ist. Die bedeutende Abhandlung bleibt jedenfalls die erlesenste Zierde der ganzen Festschrift, die schon um dieses fachlich-rational wie jüdisch-emotional gleichmäßig bewunderungswürdigen Beitrags studiert zu werden verdient. Wir müssen es uns versagen, die Beiträge in hebräischer Sprache hier fachlich zu würdigen. Die halachischen Aussätze, etwa die über das Frauenwahlrecht bei den jüdischen Gemeindevertretungen oder über die Geburtenbeschränkung würden, wenn sie durch Übersetzungen und Erklärungen, einer größeren Öffentlichkeit vorgelegt würden, eine allerdings nicht zu überbrückende Kluft zwischen dem gesetzestreuen und dem religiös anders gerichteten Judentum offenbaren. Aber auch die allgemeinen Abhandlungen in hebräischer Sprache — schon eine erste kursorische Lektüre läßt darüber keinen Zweifel — sind Dokumente von größter Aufschlußkraft für das Wesen der modernen Orthodoxie: etwa der Aufsatz über die Eigenschaften des echten jüdischen Führers oder der ausgezeichnete Beitrag von A. S. Friedmann (Warschau) über orthodoxe Pädagogik und über die Frage, ob das religiöse Schrifttum Nichtorthodoxer Juden benützt werden darf, zeigen, wie man im thoratreuen Lager immer mehr die Fragwürdigkeit der Verbindung von lückenloser Erfüllung der Pflichtenlehre mit Weltoffenheit (tora im derech-erez) empfindet. Friedmann gedenkt in hochinteressanter Weise u. a. der Hilfe, die das Gutachten des weltberühmten russischen Gelehrten und Apostaten Chwolson (1819—1910) per jüdischen Orthodoxie gegen die jüdischen Aufklärer brachte, die bei der russischen Negierung gegen den Cheder-Unterricht in den talmüdischen Ehe-, Reinheits- und Frauengcsctzen Klage führten. — Mehr als einige Andeutungen aus der Fülle von Belehrungen und starken Gedanken in dieser Festgabe können hier leider nicht gegeben werden. Cs ist von größter Wichtigkeit, daß sich auch nicht-orthodoxe Kreise mit dem Inhalt vertraut machen. F. <z ef<t> äftsn acfyricftten Die Zentralwohlfahrtsstelle der -Deutschen Juden, Berlin, ersucht uns, auf die von ihr ins Leben, gerufene Selbsthilfeorganisation FS, Familienschuß, Gemeinnütziger Verein für Hinterbliebenenfürsorge der Mitglieder jüdischer Gemeinden e. V., aufmerksam zu machen. Dem Gedanken eines wirksamen Schußes für den jüdischen Mittelstand entsprechend bezweckt diese Einrichtung, . die jüdische Familie durch Klein- Lebensversicherung ihrer Mitglieder auf gemeinnütziger Grundlage vor schweren Erschütterungen zu bewahren. Es erübrigt sich zu sägen, welche Bedeutung dieser Bestrebung gerade in unserer Zeit zukommt. Die rasche Einführung in allen Städten, in denen bisher der „Familienschutz" propagiert wurde, beweist seine Zeitgemäßh eit und Notwendigkeit. Einzelheiten sind dem Inserat in der heutigen Nummer zu enMchmen. Familien-Schutz GemeinnützigerVereinfürHinterbliebenenfürsorgederMitgliederjüd.Gemeinden e.V. Hinterbliebenen -Versorgung Familien-Versorgung Kinder-Versorgung Feste Beiträge RM. 1—4 monatlich Aufnahme bis 70 Jahre Versicherungssumme je nach Alter bis RM.2000 Doppelauszahlung bei Unfalltod Keine ärztliche Untersuchung Gewinnbeteiligung i « Io« Ihre Leistung Kleiner, leicht erschwinglicher Beitrag! Erfolg Schutz Ihrer Familie! Def PHÖNIX, die zweitgrößte Lebensversicherungs-Gesellschaft desjj europäischen Kontinents, garantiert für jede Versicherung. 1 , \ Die Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden garantiert für G^fStrffitzigkeit des F. S. Anfragen^ undMaterialbestellungen an F. 5. im Hause des PHÖNIX, Giselastraße 21, Telefon 33811.

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