Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 2 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- Seite 27 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 27 Hus bayerischen Gemeinden Aschaffenburg. Kurz vor Redaktionsschluß erhalten wir die Nachricht von dem Ableben des Bezirksrabbiners Dr. Raphael Breuer. Die Israelitische Kultusverwaltung Aschaffenburg widmet dem Verstorbenen in der „Frankfurter Zeitung" einen Nachruf, in dem es u. a. heißt: „Fast ein Vierteljahrhundert hat der Heimgegangene seines Amtes mit vorbildlicher Gewistenhaftigkeit und Pflichttreue gewaltet. Seine Persönlichkeit, die das überlieferte Judentum in seltener Weise in die Gegenwart cinzuführen verstand, seine Beredsamkeit, die stets mächtige Erschütterung auslöste, sein gütiges Herz, das in Freud und Leid allen stets nahe war, sichern ihm für die Dauer unsere Dankbarkeit und unser treues Gedenken." Bayreuth. Aufklärungsvortrag. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete am Sonntag, 3. Januar, in der Synagoge einen öffentlichen Aufklärungsvortrag, zu welchem er Herrn Prof. Dr. Guttmann, Dozent am jüd.-theol. Seminar, Breslau, als Redner über das Thema: „Humanität in Bibel und Talmud" gewonnen hatte. Der bekannte Gelehrte zeigte an einer Fülle von Beispielen aus Bibel und Talmud die hohe Ethik unserer humanitären Vorschriften und brachte für sie interesiante Erklärungen und Begründungen. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte das zahlreich erschienene — auch nichtjüdische — Publikum den Ausführungen des Redners. Vereine Verein zur Abwehr des Antisemitismus e. V., Ortsgruppe München. Die nächste Mitgliederversammlung findet Donnerstag, den 4. Februar, abends 8 Uhr, im Kleinen Saale des Hotel Union statt. Herr Dr. Balthasar Poertner, Militäroberpfarrer a. D-, Mitglied des Ausschußes unserer Ortsgruppe, spricht über „Entwicklung, Inhalt und Auswirkung der israelitisch-jüdischen Kultur". Die Einladungskarte berechtigt zum Besuch der Versammlung. — Zuschriften und Anfragen wollen an den Schriftführer der Ortsgruppe, Herrn Carl von Sandt, München 13, Jakob-Klar-Straße 11/0, Ghs., gerichtet werden. Jüdischer Jugendverein München. Am Donnerstag, den 21. Januar: Beginn 20.30 Uhr, spricht im Saale der „C o n c o r d i a" im Rahmcrr unserer Veranstaltungen Herr Richard Scheid, Direktor des off. Rust. Reisebüros „Jntourist" über das zeitgemäße Thema: „Die Lösung der Judenfrage in der Sowjet-Union." Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annchmen, daß weite Kreise unserer Gemeinde ein Interesse daran haben, einmal einer authentischen Darlegung dieser wichtigen Gegenwartsfrage anwohncn zu können. Wir machen daher darauf aufmerksam, daß ein Eintrittsgeld nicht erhoben wird und uns Gäste, wie immer, herzlich willkornnren sind! Jfr. Krankenfürsorge e. V., München. Die regelmäßigen Sitzungen des Ausschußes, besonders für nichtdringliche Fälle, finden 1932 an folgenden Tagen jeweils 11—12 Uhr vormittags, Herzog-Max-Straße 7/0, statt: Januar 14., 28., Februar 11., 25., März 10., 24., April 14., 29., Mai 12., 25., Juni 9., 23., Juli 14., 28., August 10., 25., September 7., 22., Oktober 13., 27., November 10., 24., Dezember 7., 22. Die fettgedruckten Tage sind keine Donnerstage. Jfr. Krankenfürsorge e. V. Der 1. Vorstand: Justizrat Leo Oppenheimer. Aussprache des deutschjüdischen Arbeitskreises. Am Mittwoch, den 20. Januar 1932, abends S% Uhr, findet im Lestingsaal, Hcrzog-Rudolf- Straßc 1, ein Vortrags- und Aussprachegbenh des deutschjüdischen Arbeitskreises München statt. Dr. Werner C a h n mann (München) spricht über „Idee und Wirklichkeit einer jüdischen Politik in Deutschland". Die ganze jüdische Jugend Münchens ist srcundlichst ringelnden (vergleiche Inserat in der gleichen Nummer). Jüdischer Gesangverein E. V., München. Einladung (gemäß § 16 der Satzungen) zur ordentlichen Generalversammlung am Dienstag, den 2. Februar 1932, abends 8 Uhr jm Lestingsaal, Herzog- Rudolf-Straßö 1. Tagesordnung: 1. Jahres- und Kastenbericht; 2. Entlastung der Vorstandschaft; 3. Neuwahl der Vorstandschaft; 4. Anträge und Verschiedenes. Anträge müssen bis zum 26. Januar beim Schriftführer, Herrn Josef Silbermann, Anglerstraße 28, schriftlich eingereicht werden. Der Vorstand: Bettsack. vückrerschau Festschrift für Jacob Rosenheim. Anläßlich der Vollendung seines 60. Lebensjahres dargebracht von seinen Freunden. IV, 464 S. und IV, 164 S. hebr. Text mit 2 Bildern. Frankfurt a. M. (I. Kauffmann) 193 1. Geb. RM. l 2.50. Ende 1930 erschienen in zwei Bänden die ausgewählten Aufsätze und Ansprachen von Jakob Rosenheim; sie sind hier (Jahrgang 1930; Nr. 23, S. 358 f.) ausführlich in dem Aufsatz „Ein modernes Grundwerk der deutschen Orthodoxie" behandelt worden. Ein Jahr später erscheint nun zu Ehren des Führers des deutschen gesetzestreuen Judentums dieses reiche Sammelwerk. Die Redaktion der Beiträge in deutscher Sprache hatte Heinrich Cisemann, während der hebräische Teil von Jakob Landau herausgegeben ist. Der einheitliche Geist des zeitgenössischen thoratreuen Judentums in der Prägung von Samson Raphael Hirsch liegt über allen fesselnden Aufsätzen. Man wird nirgends eine so eindringliche Würdigung des Werkes von Jakob Rosenheim sowie eine so kluge, maßvolle Selbstdarstellung der neueren deutschen Orthodoxie lesen können, wie in dem einleitenden Aufsatz von Maximilian Landau. In nobler Haltung und mit der sachkundigen und besorgten Kritik, die das Zeichen eines erhöhten Verantwortungsbewußtseins ist, wird hier die innere Entwicklung der Agudas Jsroel und der Anteil Rosenheims daran beurteilt. Hier lesen wir von den besonderen Schranken der deutschen Orthodoxie: „Der vehementen Vitalität des Ostens konnte sie nur eine hochentwickelte musterhaft zu nennende Organisierkunst geben, die, wie alles bloß Organisatorische, sich ganz großen Aufgaben gegenüber als unzulänglich erwies, und zum andern eine dünne Kanzelphraseologie, die vom Erbe Hirschs zehrte, ohne indes auch seine ursprüngliche Kraft und seinen spontanen Schwung übernommen zu haben, und die der neuen Geisteslage in keiner Weise mehr gerecht wurde". Hier auch die Erkenntnis: „Rosenheim hat erkannt, daß jener verwickelte historische Prozeß, den die Orthodoxie mit „Abfall" bezeichnet, ein Schicksal bedeutet, das wir zu tragen haben, weil wir mit ihm durch Schuld und helfende Verantwortung eng vcrkünpft sind, und daß wir der Vorsehung nicht schulmeisterlich historische Mißgriffe anzukreiden haben." — Jm Gegensatz zu Landaus Beitrag gehört der spätere Aufsatz des Hamburger orthodoxen Führers Wolf S. Jacobsohn: „G e m e i n - sch a ft und Führe r", einem älteren primitiven Stadium der deutschen Neuorthodoxie an. Hier findet man — mit einem ungeordneten Zitaten-Haufcn belegt — die Trennungsorthodoxie in alter homiletischer Manier am Werk, mit keinem Wort kritisch gegen sich selbst, dagegen obne Scheu vor Verunglimpfung des Gegners. Welcher Mißbrauch des Jesaia-Zitats (übrigens auch in sprachlicher Hinsicht): „Nenne nicht Verbindung alles, was dieses Volk Verbindung nennt" (Jes. 8, 12), zitiert zur Warnung vor der Einheitsgemeinde! „Es ist eine Verbindung von Frevlern, und die zählt nicht." Man ist nach Jacobsohn verpflichtet, diese Gemeinschaft mit Frevlern aufzugeben und eher auszuwandern oder abgesondert in verborgene Schlupfwinkel zu flüchten (S. 138). Crauickend dagegen der vertiefte und großzügige historische Abriß des alten Kämpen Dr. Pinchas Kohn, „Politik in Gemeinde und Klall", der in eine knappe, aber wirklich fundierte Beschreibung der gemeindepolitischen Gegenwartssituation und in eine beißende, aber ganz konsequente und in der Argumentation auf der Höhe stehende Kritik der demokratischen Organisationsformen der jüdischen Gemeinde von heute ausmündet. — Ebenfalls auf dem Gebiete der jüdischen Gemeindevcrfastung bewegt sich der Beitrag von Rabbiner Esra Munk über die Entwicklung der preußischen Synaqogengemeinden. über die Entrechtung der Rabbiner im preußischen Gesetz von 1847 finden sich hier schneidende, von tiefer Sachkenntnis und Besorgnis um die religiöse Sache Verkaufsstellen 2 Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 370646 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96944 Thierschstraße 19 Fernsprecher 220 82 Franz-Josef-Straße 29 Fernsprecher 30452 SchleißheimerStraße 100 Fernsprecher 370 326 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof*Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100/ Tel. 370326