Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 2 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE MÜNCHEN Wohltätigkeits- Konzert in der Synagoge Herzog-Max-Slraße am 17. Januar 193 2, um 17 Uhr * TORTRAOSFOLGE 1. Präludium e-moll für Orgel .... Nikolaus Bruhns 1665—1697 2. Psalm 137.Franz Liszt für eine Singstimme mit Frauenchor mit Begleitung der Violine und Orgel Sopran: Sonja Ziegler Violine: Kammermusiker B. Walter T e r r : An den Mastern zu Babylon saßen wir und weineten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hingen wir an die Weiden, die darinnen sind. Denn daselbst hießen uns singen, die uns gefangen hielten, und in unserm Heulen fröhlich sein. „Des Zions Lieder singet uns doch eins!" Wie sollten wir in fremdem Lande das Lied des Herrn singen! Jerusalem! Vergeß' ich Dein, so werde meiner Rechten vcrgesten. Jerusalem! Meine Zunge verdorre, wenn ich Deiner vergestc. Jerusalem! 3. Passacaglia c-moll für Orgel . . . . . I. S. Bach LITURGISCHER TEIL, 4. Keduschah.S. Rossi (ca. 1570-1625) Chor a capella und Solo (Kantor A. Müller) 5. Psalm 92.H. Schallt (München) Bariton Solo, Chor und Orgel (Emanuel Kirschner gewidmet) Solo: Kantor A. Müller 6. Ribbono schel olom.S. Alman (London) Chor a capella und Solo (Kantor M. Neu) 7. Hallelujah (Psalm 150) . . . E. Kirschner (München) Orgel: Professor H. S a g e r e r Musikalische Leitung: Kapellmeister Jos. Ziegler Reservierte Plätze (im Mittelschiff) zu 1 .RM. in der Kanzlei der Israelitischen Kultusgemeinde oder beim Eingang. Sonst Eintritt frei. Programmabgabe gegen freiwillige Spenden. Das gesamte Erträgnis wird der allgemeinen städtischen Winterhilfe zngefuhrt. Jüdische Erwerbstätige _<p Handelszweig 5 g i.i-1 g IÜ- «Ä © 8) £ sg eit b> (je es i- Waren-, Produktenhandel Vermittlung, Verwaltung 2848 3030 87. 193 6158 Beratung 719 106 — 23 848 Banku. Börsenwcsen 252 533 1 6 792 Verlag u. Buchhandel 50 92 5 1 148 Beim Bekleidungsgewerbe treten Schneiderei (445), Schuhwarenherstellung (178) und Wäsch eh crstellung (156) am meisten hervor. Ferner ist die Leder- und Sattlerwarenherstellung zu nennen: 221 Erwerbstätige, darunter 102 Selbständige. In den freien Berufen und im Gesundheitswesen liegt das Schwergewicht der jüdischen Erwerbsbetätigung in Krankenpflege, Unterrichts¬ und Crziehungswesen, Rcchtsbcratung und Schaustellung: Jüdische Erwerbstätige Bcrufszweig c§- s3 ig. ■i c « o g © 55 ~ S <35 K a s 'PT Krankenpflege 316 175 25 3 519 Bildung, Erziehung, Unterricht 68 171 3 — 242 Rechtsberatung 164 59 3 — 226 Theater, Oper, Lichtspiel 57 62 3 2 124 Was speziell die ZI98 jüdischen Erwerbstätigen weiblichen Geschlechts anlangt, so kommen hier hauptsächlich folgende Berufe in Frage: Angestellte im Handel 926, Häusliche Dienste ZZ4, Selbständige im Handel 2Z5, Mithelfende Familienangehörige im Handel 179, mittleres Personal in der Kranken- und Wohlfahrtspflege 155, Selbständige im Bekleidungsgewerbe 131, Arbeiterinnen im Bekleidungsgewerbe 117, mittleres Personal im Unterrichts- und Erziehungswesen 88. Nachbemerkung: Die Zahl der Frankfurter Juden in der Vergangenheit (zu dem neuen Buch von Josef Unn a).i Eine neue Schrift von Unna sucht die Vergangenheit der Frankfurter Juden an Hand von Akten des Stadtarchivs und der Israelitischem Gemeindeverwaltung statistisch zu durchleuchten. Cs gelingt dem Verfasser eine, wenn auch lückenhafte, Liste der jüdischen Einwohnerzahl seit dem Jahre 1241 zusammenzustcllcn. Darnach lebten 1241 in Frankfurt rund 200 Juden, 1569: 2424, 1808: 3104, 1864: 7620; die letztermitteltc Einwohnerzahl von 1925 betrug 29 Z85. Ferner wurden Nachweise über Behausungsdichte, Familienverhältniste, Altersaufbau und Beruf erbracht. Besonderes Interesse verdient die Bcrufsstatistik; sie veranschaulicht das große traditionelle Übergewicht der selbständigen Handelstätigkeit bei den Frankfurter Juden, wobei Textilwarenhandel und „Geldgeschäfte" in erster Reihe erscheinen. Die Bevölkerungsbewegung läßt sich für den Zeitraum 1750—1779 und 1811—1855 genauer darstellcn. Die erste Periode zeigt einen Stcrbefallüberschuß, die zweite einen geringen Geburtenüberschuß, überhaupt läßt sich schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein stark ausgeprägter Geburtenrückgang bei den Frankfurter Juden erkennen. Die Heiratsstatistik ist infolge der gesetzlichen Normierung der Trauungszahl, die aber vielfach übertreten wurde, ungenau. Weitere mehr sporadische Nachweise beziehen sich aus die speziellen Eigenschaften der Geborenen sowie auf die Statistik der Wanderungen und Ehelösungen. Die mannigfachen Wandlungen in der Bcvölkerungszahl, in den Berufsverhältnisten, in der Bevölkerungsbewegung werden, soweit möglich, aus den jeweiligen historischen und wirtschaftlichen Zeitverhältnisten zu erklären versucht. Dr. PH. S ch w a r tz * Josef Unna, Statistik der Frankfurter Juden bis z u m I a h r e 18 6 6. Ein Versuch historischer Bevölkerungsstatistik. Hreausgegebcn vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. 1951. 78 S., Preis RM. 3.—. Vgl. die Besprechung irn vorigen Jahrgang der Gemeindezeitung. ( . .