Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 2 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 21 Von den Selbständigen im Handel waren 20 78? Betriebseigentümer und 999 Betriebsleiter, Direktoren u. ä., davon im Waren- und Produktenhandel 433, im Bankwesen 230. Besonderes Interesse verdienen die obengenannten geistigen Berufe: Jüdische Erwerbstätige Beruf in selbständiger Arzte Rechtsanwälte Architekten Zahnärzte und Zahntechniker Musiker Lehrer Schriftsteller Schauspieler Sänger Apotheker Bildende Künstler Redakteure Die allgemeine Gestaltung des jüdischen Erwerbslebens in Berlin ist durch den Ausländerzustrom der Nachkriegszeit anscheinend wenig verändert worden, vielmehr haben die Zuwandernden im wesentlichen in die bereits von den Alt-Berliner Juden bevorzugten Berufskreise Eingang gefunden. Auch bei den Ausländern umfasien die vier Haupterwerbszweige — Handel, Bekleidungsgewerbe, freie Berufe, Gesundheitswesen — fast 80% der Erwerbstätigen: 21 135. Am stärksten war der Zudrang zum Bekleidungsgewerbe, am geringsten zum Gesundheitswesen, da die dort ausgeübten Berufe Ausländern zum Teil nicht zugänglich sind: Ausländische jüdische Erwerbstätige % in % sämtlicher jüdischer Erwerbstätiger 49,2 25,1 22,0 32,4 6,1 22,3 2,0 11,7 2049 Stellung 523 zusammen 2572 1179 22 1201 314 610 924 763 137 900 255 304 559 — 549 549 319 66 385 29 269 298 83 208 291 128 126 254 214 27 241 35 159 194 Bcrufsgruppe Handel Bekleidungsgewerbe Freie Berufe Gesundheitswesen absolut 10 404 4 650 1 287 531 Im einzelnen erscheint der ausländische Einschlag am stärksten bei den typischen Arbeitern des Bekleidungsgewerbes, namentlich bei den Kürschnern und Schneidern, ähnlich auch bei den selbständigen Kürschnern und Schuhmachern, ferner bei Sängern und Musikern, am geringsten bei den kaufmännischen und Büroangestellten. Nach Cinzelberufen ergibt sich dabei folgendes Bild: Selbständige im Handel Kaufmännische u. Büroangesielltc Selbständige Schneider Selbständige Schuhmacher Selbständige Kürschner Arbeiter in Schneiderei Arbeiter in Näherei Arbeiter in Kürschnerei Architekten Musiker Schriftsteller Sänger Ausländische jüdische Erwerbstätige absolut in % sämtlicher - jüdischer Erwerbstätiger 5781 26,5 5774 19,8 1376 34,3 274 57,2 201 57,5 861 50,5 200 35,2 196 68,1 305 33,1 233 41,6 137 35,9 123 42,3 Immerhin hat die ausländische Zuwanderung eine gewiste Tendenz zur Proletarisierung der Berliner Iudenschaft mit sich gebracht, ohne aber die überlieferte soziale Struktur grundlegend ändern zu können. Es erübrigt noch den jüdischen Frauencrwerb kurz zu streifen. Bei im ganzen 22 344 Erwerbstätigen treten hervor: Kaufmännische und Büroangestellte 8747, Selbständige im Handel 3075, mithelfende Familienangehörige 2725, Hausangestellte 1361, Arbeiterinnen in Schneiderei 508, Näherei 508, Putzmachcrei 304, Kranken- und Wohlfahrtspflegerinnen 425, Lehrerinnen 319, Ärztinnen 215, Musikerinnen 187, Sängerinnen 153, Schauspielerinnen 122, Bildende Künstlerinnen 80, Zahnärztinncn und Zahntechnikcrinncn 78. Dr. PH. S ch w a r tz Die frankfurter Juden Frankfurt am Main ist seit alters als „judcnreiche" Stadt bekannt. Während im Deutschen Reich die Juden nur 0,9% der Bevölkerung ausmachen, in Preußen 1,0%, auch in Berlin nur 4,3%, bilden die 29 385 Frankfurter Juden (1925) 6,3% der städtischen Einwohnerschaft. Gegenüber der Vorkriegszeit (1910) hat der jüdische Volksteil erheblich zugenommcn, jedoch etwas schwächer als die Gesamtbevölkerung: Juden Gesamtbevölkerung 1925 29 385 467 520 1910 26 228 414 576 zusammen j ' abs. 1 % 3 157 12,0 52 944 12,8 Die Wachst umsbedingungcn der Frankfurter jüdischen Bevölkerung sind ähnlich wie in anderen deutschen Großstädten. Was zunächst die natürliche Bevölkerungsentwicklung anlangt, so zeigt diese neuerdings einen Sterbefallüberschuß; 1929 wurden von jüdischen Müttern 323 Kinder geboren, darunter 290 in rein jüdischen Ehen, während 451 Sterbefälle zu verzeichnen waren. Diese überwiegen darnach mit 128. Weitere Verluste dürften durch Austritt aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft stattgcfunden haben, doch steht deren Umfang nicht fest. Anderseits können beträchtliche Wanderungsgewinne angenommen werden, weil die, allerdings von jeher beträchtliche, Zahl der ausländischen Juden besonders hoch erscheint. Sie betrug 1925 5753 — 19,6% der jüdischen Bevölkerung. Im Erwerbs leben standen von den Juden 13 643 — 46,5% sämtlicher Juden. Diese Erwerbsziffer erscheint gegenüber derjenigen der Gesamtbevölkerung — 51,2% — gedrückt. Das erklärt sich wie anderwärts aus der geringeren Erwerbsbetätigung der jüdischen Frauen. 1 Quellen: H. Silbergleit, Die Bevölkerungs- und Berufsverhältniste der Juden im Deutschen Reich. Erster Band. Berlin 1930; Statistische Iahresübcrsichtcn der Stadt Frankfurt a. M. 1930. Bei den jüdischen Männern dagegen entspricht die Erwcrbszisfcr fast genau dem Stadt-Durchschnitt: Erwerbstätige Juden Gesamtbcvölkerung männlich 10 445 161 700 in % sämtlicher Männer 73,4 73,5 weiblich 3 198 77 791 in % sämtlicher Frauen 21,1 31,4 Wie in anderen Städten konzentriert sich die Hauptmaste der jüdischen Erwerbstätigen — zu fast 80% — auf die Berufe des Handels, des Bekleidungsgewerbes, die freien Berufe und das Gesundheitswesen, wobei selbständige Betriebsführung und Angcstelltenverhältnis vorherrschen; Arbeitcrbcrufe und Mirbilfe im Betrieb des Haushaltungsvorstandes treten weit zurück: Jüdische Erwerbstätige •JP j-_. Berufsgruppc cL H G § A SrSteo H Handel 3983 3792 95 229 8099 Bekleidungsgewerbe 447 306 201 25 979 Freie Berufe 371 342 22 2 737 Gesundheitswesen 346 245 52 5 648 zusammen 5147 4685 370 261 10463 Innerhalb des Handelsgewerbes sind die Zweige des Waren- und Produktenhandels, der Vermittlung, Verwaltung und Beratung und des Bank- und Börscnwcsens am stärksten besetzt, in größerem Abstande folgen noch Derlagsgewerbc und. Buchhandel: '