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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. Seite 2

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Der Münchener Raw s. A. gab der ersten Sammlung seiner wird. Der Lehrer in Iisroel ist es, der solche „reine Gabe" Talmudstudien den Titel D’ns nnjc. Er verglich so sein Werk darbringt. mit der nnjo, dem Speiseopfer, das der Priester beim ersten Er ist der Bote Gottes an die Menschen. Maleochi sagt von Dienst im Heiligtum darbrachte. In Anlehnung an diesen Geihm (2, 7): „Denn die Lippen des Priesters bewahren Erkennen danken mag das neue Buch den Namen rmrus nnJ21 * 3 tragen. und Tauro verlangt man aus seinem Munde. Denn er ist ein Maleochi, der Prophet, spricht (1, 11) von einer -njo mine, Bote des Gottes der Scharen." die der Heiligung des göttlichen Namens in der Welt geweiht » Mincha tehora (nach Maleachi i, n: Reines Opfer). Klastische hebräisch-arabische Literatur Von der Wichtigkeit ihres Studiums — Die Einführung der Makame in die hebräische Literatur — Eine Erlanger Dissertation reift in München Der Zugang zur arabisch-hebräischen Poesie im 12. und 13. Jahrhundert fällt uns heute sehr schwer. In dem Zusammentreffen der Juden mit den verschiedensten Kulturkreisen aller Epochen bis heute ist die Vermischung jüdischen und islamischen Geistes, die Verwandlung des Mdischen Eigengutes im Strome der großartigen und eigenwilligen islamischen Kultur von der größten praktischen Bedeutung in der jüdischen Geiftesgeschichte. Wie die Germanen im Westen mehr von dem antiken Erbe zerschlagen haben als im Osten die Araber, so ging auch die Angleichung des nachbiblischen Judentums an die Umwelt im Orient viel bruchloser vor sich als im abendländischen Christentum. Wenn es später einmal möglich sein wird, eine echte Soziologie der Juden zu schreiben, so wird dabei die Begegnung des jüdischen Geistes mit dem arabisch-islamischen Kulturkreis im Mittelalter eine große Rolle spielen. Juden waren arabische Dichter und Philosophen wie sie heute deutsche, französische, englische Dichter und Philosophen sind, aber in einer vollständig verschieden gearteten Mischung und Verteilung des Jüdischen und Nichtjüdischen. In der arabisch-jüdischen Dichtung, die uns hier beschäftigt, dichtet und denkt der jüdische Dichter in den meisten Fällen vollendet arabisch. Aber daneben „übersetzt" er gemäß seinem noch gänzlich ungebrochenen Mdischen Lebenswillen, der ganz naiv mitten im Muhamedanismus schwimmt, die am meisten gehörten und gelesenen arabischen Dichter seiner Gegenwart aufs absonderlichste ins Hebräische. Von einer Übersetzung verlangen wir heute die möglichst nahe Wiedergabe der Urform, also Wörtlichkeit und gleichzeitig die vollkommenste Wiederhervorbringung des Kolorits des Urtexts unter souveräner Beherrschung der Übersetzungssprache. Ganz anders unser Mdischer Dichter! Nehmen wir Al- Charisi (um 1200), um den es hier geht, den berühmten Verfasser des satirisch-poetischen Romans „Tachkemoni", den eleganten Übersetzer von MaimonideS' „More-Nebuchim" und der national-arabischen, noch dazu rein muhamedanischen Dichtungen des Hariri! In diesen sogenannten „Makamen" (einer besonderen arabischen DichtungSart) ist der ganze prachtvolle Reichtum des arabischen Wortschatzes aufgespeichert, eingetaucht in der unvermischten Vorstellungswelt der islamischen Religion, wozu äußerlich auch die Unmenge von Koranzitaten und sonstigen Anspielungen auf muhamedanische Religionswerke gehört. Al-Charisi hebräisiert diese Dichtung: Aus den arabischen Personen- und Ortsnamen werden Namen aus der Bibel, die Koranzitate werden in Bibelstellen verändert. Wo bei dem islamischen Dichter die wundertätige Kraft der Eröffnungssure des Koran gerühmt wird, empfiehlt die hebräische Übersetzung die Rezitation deS 91. Psalms, für die 48. Sure steht Iesaias 52, 7 ufw. Der jüdische Gelehrte Ibn-Esra hat eine eigene arabische Poetik geschrieben. Die Juden in der islamischen Umwelt beweisen einen aufs höchste gezüchteten Sinn für die Eigenart der arabischen Poesie, für ihre ganz und gar ungewöhnliche Kunftform, für ihre verhaltene, die Rolle der bildenden Kunst übernehmende merkwürdige Wortmalerei mit ihrer ungeheuren Augenlust und überaus gekünstelten Bildersprache. Es ist schwer, aus ersten Quellen, und nicht aus Vermittlungsliteratur zu der deutlichen Erkenntnis dieser wichtigen Erscheinungen zu dringen. In der modernen europäischen Gelehrtenwelt wird ihnen seit 100 Jahren steigende Aufmerksamkeit zu - gewendet. Es gibt nur ganz wenige jüdische Gelehrte, die hier Sachkenner sind: Oberrabbiner Brody (Prag) und der Professor für mittelalterliche hebräische Literatur am Iüd.- theologischen Seminar in New-Pork, Israel Davidson, gelten heute als die besten Interpreten und Kenner dieses Stoffes. Die in Deutschland, in Berlin und Breslau ausgebildeten jüdischen Gelehrten und Rabbiner, die sich mit der klassischen arabischen Sprache und mit dem weiten Gebiet der Islamwissenschaft beschäftigt haben, kommen in der Kennerschaft der arabischen Poesie selten über die Lektüre von Grünerts Leseftücken oder Brody-WienerS bekannter Anthologie hinaus. Um so bedeutsamer ist es, daß uns die beiden letzten Jahre zwei neue gute Arbeiten auf diesem Gebiet gebracht haben. Nur Banausen und dem Sinn wissenschaftlicher, jüdischer Forschung gänzlich Abgewandte können behaupten, daß wir heute Untersuchungen über Al-Charisi als Übersetzer der Makamen Al- Hariris „wohl ganz gut entbehren können".- Es ist unter diesen Umständen eine ganz besondere, ja erhebende Genugtuung, in dem Vorwort der Arbeit von Dr. Pereikowitsch, die unö hier beschäftigt/ zu lesen, daß das Wohlwollen und die finanzielle Beihilfe einer Reihe von Persönlichkeiten dieses wissenschaftliche Werk fördern half; der Verfasser nennt die Namen der Herren Rabbiner Dr. Baerwald, Dr. Alfred Neumeyer, I.-R. Dr. Elias Straus, Dr. James Loeb in Murnau, Dr. Eugen Maner in Frankfurt a. M. und Salman Schocken in Berlin. Die ausgezeichnete, 1930 erschienene Arbeit von Iefim Schirmann, Die hebräische Übersetzung der M a - quamen des Hariri (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Nr. 37; Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M.) muß hier außer Betracht bleiben. Das Buch von Pereikowitsch, dem Leiter der hebräischen Sprachschule in München, behandelt den gleichen Gegenstand. Jede der beiden Arbeiten stellt eine wertvolle, selbständige, auf eigenen Wegen gehende Behandlung des Problems der arabisch-hebräischen Literatur dar. Wir bringen im folgenden einen kurzen Auszug aus der Arbeit 1 A. Pereikowitsch, Al-H arizi als Übersetzer der Makarnen Al-Hariris. Ein Beitrag zur Geschichte der Literaturübertragungen. Gleichzeitig Erlanger Dissertation (Res. Geheiinrat Hell). München, Verlag B. Heller, 1931.

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