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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-12-15 · 24 (15.12.1931) · p. Seite 379

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
24 (15.12.1931)
Date
1931-12-15
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 379 sic tun! gesprochen, niemals aufgehört, Karfreitag für Karfreitag ausdrücklich, als die Kirche C h r i st i, um die Bekehrung Israels zu beten. Wir wissen, daß die Kirche nicht um Dinge betet, die keine Gewährung finden können, und glauben, daß die Bitten, die sie als Lorpus Christi Mysticum zu Gott sendet, so wenig wie die Bitten des Herrn selber, ohne Erhörung bleibt. Die Kirche als solche hat mit Antisemitismus nichts zu tun. Ihr Mutterland ist Palästina, ihre Vaterstadt Jerusalem, ihre größten Heiligen, ihre ersten Märtyrer, ihre gewaltigsten Verkünder und Baumeister, allen voran der heilige Paulus, ihre erleuchteten Verfasser der heiligen Schriften sind Juden. So zögerte die Kirche auch nicht, für ihre Liturgie aus der Liturgie des Judentums zu schöpfen, wachsam das Alte Testament in Unverfälschtheit und Unantastbarkeit zu bewahren, in ihren Gebeten Gott als den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anzusprechcn, in ihren täglichen Stundengebetcn die altjüdischen Psalmen zu benützen und alljährlich im Advent mit den Worten der Synagoge nach der Ankunft des Erlösers zu rufen. Zeigt sich schon in all dem keine Spur von Antisemitismus, so betont die Kirche auch heute noch, so oft sie in unserer Frage das Wort ergreift, ihre Verurteilung des systematischen Hasses, der mit dem Namen Antisemitismus bezeichnet wird'. Der Thron des Papstes steht ja immer noch neben dem Grabe jenes kleinen jüdischen Fischers, über dessen Gebeinen sich die Kuppel Michelangelos wölbt." Vor diesem ewigen zu Stein gewordenen Z wiege s p r ä ch zwischen Synagoge und Kirche verstummt der zeitliche Meinungsstreit des Tages. F. plus bayerifcben Gemeinden Erlangen. Am 10. November feierte unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde und einer weiteren nichtjüdischen Öffentlichkeit der 2. Vorstand und Kassier der Israelitischen Kultusgemeinde Erlangen, Herr Leopold David, in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Herr David ist seit dem Jahre 1880 Mitglied der Gemeinde, seit 1896 bekleidet er das Amt eines Mitglieds der Gemeindeverwaltung ununterbrochen. Bei dem zu seinem Geburtstag veranstalteten Chrenabend feierte vor allem Herr Rabbiner Dr. Behrens (Fürth) den Jubilar, der bei der gleichen Gelegenheit zum Ehrenmitglied der Kultusvcrwaltung ernannt wurde. Bayreuth. Herr Gemeinderabbiner Dr. Salomon eröfsnetc jüngst die Reihe der Vorträge für das Winterhalbjahr 1931/32 durch einen aufschlußreichen und allgemein fesselnden Vortrag über „Unsere Synagoge, ihre Geschichte und Einrichtung". Bad Dürkheim. Frau Klara Strauß, die Gattin des Synagogenvorstands und Stadtrats Ludwig Strauß, die langjährige Vorsitzende des hiesigen Israelitischen Frauenvereins, kann am 16. Dezember ihren 7 5. Geburtstag feiern. Bechhofen. Wie uns verspätet mitgcteilt wird, konnten anr 21. Oktober Herr und Frau David Steindecker, Fabrikant in Bechhofen, den Tag ihrer fünfundzwanzigjährigcn Ehe feiern. Herr Distriktsrabbiner Dr. Munk (Ansbach) überbrachte dem verdienten Kultusvorstand die auch von Herrn Rabbiner Pinchas Kohn Unterzeichnete Urkunde der Verleihung des Chovertitels; für die Kultusgemeindc Bechhofen überreichte Herr Schloß einen silbernen Pokal. Vereine Jüdischer Frauenbund, Gruppe berufstätiger Frauen. Ab Montag, dem 14. Dezember, wird Herzog-Mar-L-traßc 3/1 ein Klub raum eröffnet, der jeden Montag bis Donnerstag allen berufstätigen Frauen von 7/4—10 Uhr abends zur Verfügung steht. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Besucherinnen sich zu mitgebrachtem Abendessen eine Tasse Tee bereiten können; sie finden Bücher und Zeitschriften und können init Kolleginnen zu Unterhaltung und Meinungsaustausch zusammentreffen. — Jeden Mittwoch findet in dem Ramn ein N ä h k u r s des Jüdischen Frauenbundes statt, der Anleitung gibt zur Instandsetzung und Neuanfertigung von Kleidern (Jumpern), Wäsche und Hüten. — Außerdem ist noch ein Gymnastikkurs vorgesehen unter Leitung von Frl. Helene Bickarr. Monatsbcitrag 50 Rpf. zur Deckung der Unkosten. Anfragen und Anmeldungen an Scanne Rosenthal, Tel. 20736, zwischen 2.30 und 3.30 U h r. Die Leitung des jüdischen Turn- und Sportvereins Bar-Kochba München schreibt uns: Zu keiner Zeit war der Zusammenschluß allerjüdisch Bewußten notwendiger als heute. Der jüdische Turn- und Sportverein Bar-Kochba bietet dazu den geeigneten' Rahmen. Geräumige moderne Turnhallen, hervorragende Lehrkräfte, Spiel und Wanderung für einen Beitrag von 50 Rpf. pro Monat für Jugendliche bis 17 Jahren, 1 RM. bis 20 Jahren, 1.50 RM. für alle übrigen. Unr unserer Jugend aber weiter helfen zu können, brauchen wir noch viel mehr Freunde als bis jetzt, seien diese auch nur passive Helfer. Unsere Damenabteilung hat eine Leichtathletikabteilung ins Leben gerufen, die unter der Leitung von Frl. Gelius, einer der bekanntesten Leichtathletinnen Deutschlands steht. Wir hoffen, daß die Abteilung unter dieser Leitung besonderen Aufschwung nirnmt. Wer an der aktiven Betätigung in unseren Reihen Interesse hat, der komme Montag abends 7—9 Uhr, Turnhalle Luisenschule, nur für Damen und Mädchen; Mittwoch abends 7—9 Uhr Turnverein Sendling, Plinganferstraße, für alle; Mittwoch nachmittags 4—6 Uhr Jüdische Volksschule, Herzog-Rudolf-Straßc 1, für alle Kinder. Meldungen von Passiven nimmt auch D. Masur, München, Schillerstraßc 20, schriftlich entgegen. Bficberfcfyau Kaiserwetter. Roman von Karl Jakob Hirsch. S. Fischer, Verlag. Karl Jakob Hirsch, der bekannte Maler, besten Dekorationen zur Reinhardschen Penthesilea-Aufführung noch vielen unter uns lebendig im Gedächtnis sind, legte Pinsel und Palette beiseite und malt nun init Feder und Tinte ein Bild des deutschen Alltags und Feiertags — wenn das „Kaiserwettcr" strahlt —■ in einer aufstrebenden Mittelstadt, die doch manchen Klcinstadtzug bewahrt hak. Und wirklich — auch mit den Mitteln der neuen Kunst gelingen ihm Bilder voll Farbe und Leben. Der Gegensatz zwischen dem Hause des jüdischen Rechtsanwalts und seinein verfeinert schwächlichen Söhnchcn und dem Hause des Briefträgers und seinem derben Lprößling ist vielleicht nicht eben neu, aber doch scharf gesehen. Manchinal wie etwa bei der prächtigen Gestalt des „Knaben, lehrers Jünger" mag eigene Erinnerung die Hand geführt haben.... was bestimmt kein schade ist. Einmal erhebt sich die photographische Treue der KleinDadtbildcr —• die hie und da an jene altmodischen Familienbildcr erinnert, die inan früher auf dem „Bort" über dem L-ofa in der Guten Stube fand — zur Satire: bei der Schilderung des Kaiserbesuches und der tief inneren Beglückung, die den aufgeklärten jüdischen Rechtsanwalt erfüllt, als cs sich darum handelt, Seiner Majestät vorgestellt zu werden. Und ein Bild aus der Fülle der Bilder erhebt sich zur Tragik: Der freisinnige Jude, der im Leben viel zu klug für die veralteten Sitten der Väter war, stirbt... und im Sterben verändert sich sein Gesicht und wird zum Antlitz seines Ahnherrn, des alten Rabbi aus 'Amsterdam. Da hörte man mit einem Male deutlich das -Wort: „Echod..." Es war das Letzte, was Lamuel de Vries auf dieser Erde gesagt Georg Hermann, Jettchen Gebert. Kiepenheuer, Berlin 1931. (129. bis 159. Tausend.) Leinenband RM. 2.85. Lion Feuchtwanger, Jud Süß. Knaur, Berlin 1931. (100. bis 200. Tausend.) Leinenband RM. 2.85. Die beiden weltberühmten Romane, Georg Hermanns altberliner Geschichte und Lion Feuchtwangers historischer Rornan, der in der angelsächsischen Welt in einer Million von Exemplaren verbreitet ist, liegen jetzt in mustergültigen billigen 'Ausgaben zum Preise von RM. 2.85 vor und können als Geschenkwerke aufs nachdrücklichste empfohlen werden. Georg Herrnanns „Jettchen Gebert" hat Dr. Arthur Galliner anläßlich des 60. Geburtstages des Dichters jüngst in diesen Blättern ausführlich behandelt. „Jud Süß" braucht hier nicht neu empfohlen zu werden. „Orient und Okzident" von Dr. Hans Kohn. (Band 24 der „Weltpolitischen Bücherei"), 96 Seiten, mit 14 Zeichnungen, Preis RM. 3.—. Zentralverlag, G.m.b.H., Berlin W 35. Das Bändchen versucht zum ersten Mal die grundlegenden Probleme hcrauszuarbeiten, die der Weltkrieg und die politischen, sozialen und ideologischen Entwicklungen der Nachkriegszeit für das Verhältnis von Orient und Okzident gebracht haben, wobei unter dem Begriff Orient ganz Asien eingeschlossen ist. Mit Europa als Lehrmeister ist der

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