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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-12-15 · 24 (15.12.1931) · p. Seite 380

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
24 (15.12.1931)
Date
1931-12-15
Page
Seite 380 (sequence 8)
Language
German
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380 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 Orient in den letzten drei Jahrzehnten in eine völlig neue Epoche seiner geschichtlichen Entwicklung eingetreten, neue Kräfte haben sich in ihm geregt und beginnen düs weltwirtschaftliche und das weltpolitische Bild der Erde umzugestalten. Der Orient versucht, politisch und wirtschaftlich sich neben dem Abendland zu behaupten und die seit den letzten Jahrhunderten bestehende Inferiorität abzuschütteln. Dadurch wird er zum Gegner und zum Rivalen des Abendlandes, gleichzeitig wachsen aber gerade dadurch die Kräfte, die auf eine einheitliche Zusammenfassung der Menschheit, auf eine künftige planetarische Ordnung Hinweisen. Die politische, kulmrelle, soziale und wirtschaftliche Problematik, die diese Angleichung der morgenländischen Geschichtsepoche an die moderne abendländische mit sich bringt, und die weltpolitische Perspektiven, die daraus folgen, werden in dem Bändchen auf knappem Raum, aber mit Betonung aller wesentlichen Züge dargestellt. Die neuen Kräfte und Probleme des Orients sind in Deutschland, das seit dem Weltkrieg verlernt hat weltpolitisch zu denken, kaum bekannt. Wohl sind immer wieder Berichte über die Vorgänge in den einzelnen Ländern des Orients, in China, in Indien, in Vorderasien bekannt geworden, aber hier ist zum ersten Mal eine Zusammenschau vollzogen, die all die einzelnen Erscheinungen in ein Gesamtbild einordnen, das eine zentrale Bedeutung für die kommenden geschichtlichen Auseinandersetzungen gewinnt. So ist dieses Bändchen eine allseits erwünschte Ergänzung der jetzt schon 25 Bändchen zählenden „Weltpolitischen Bücherei", die in Seminaren, Bibliotheken und Schulen werwolle Dienste leistet. Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua. Ein Kriegsroman für die junge Generation von Rudolf Frank und Georg Lichey. Umschlagzeichnung von Moholy-Nagy. Verlag Müller & Kiepenheuer, Potsdam. Kartoniert 2.85 NM, Ganzleinen 3.80 RM. Es ist zu wünschen, daß in der Flut der Kriegsromane diesem Jugendbuch eine ähnliche Verbreitung wie Arnold Zweigs „Sergeant Grischa", wie den Büchern von Nenn, Remarque und Koppen beschicken ist und daß es vielleicht einmal zu den ewigen Jugendbüchern wie Robinson oder Onkel Thoms Hütte gehört. Dafür birgt seine große Erzählungskunst und die starke, mutige, gegen den Krieg und die Phrase gewandte Gesinnung. Von dem Schädel des Sultan Makaua handelt Artikel 246 des Friedensverttages von Versailles. Die Bestimmung von der Auslieferung dieses mystischen Negerschädels durch Deutschland verewigt und symbolisiert in der Tat den fast undurchdringlichen vergifteten Nebel von Unvernunft und Ruchlosigkeit, die Frieden und Verständigung der Völker von jeher gestört haben. Die Kriegserlebnisse des hinter der russischen Front aufgegriffenen polnischen Jungen Jan Kubitzki sind in ihrer Art die modernen Fahrten des Junkers Simplizius im dreißigjährigen Krieg. Tonart und Unbefangenheit dieser Jugenderzählung, vor allem aber die dahinter stehende, nie aufdringliche Tendenz der Wahrheit über den Krieg und über die sehr ähnlich reagierenden Menschen aller Nationen machen das Buch hervorragend geeignet für 13—17jährige Knaben und Mädchen. Die kurze Szene des Train-Unteroffiziers Jakob (im Zivil Rechtsanwalt Dr. Jakob) mit dem Einglas-Leutnant Heribert König hat in der Fülle guter Bilder in diesem Roman nur die Aufgabe der Tönung in einem Bild, aber auch diese Szene bleibt charakteristisch für das große ernst-heitere Kunstwerk, das wir Rudolf Frank und Georg Lichey verdanken. F. Ludwig Lewisohn, Scheilocks letzte Tage. Paul List Verlag, Leipzig 1931. Geb. 6 RM. „Man sei so freundlich und lasse mich jetzt gehn, mir ist nicht wohl, die Akte schickt mir nach, ich werde unterzeichnen." Mit diesen Worten läßt Shakespeare den gedemütigten, blutdürstigen, durch seine Spitzfindigkeit selbst in die Falle gegangenen Shylock von der Bühne gehen. Hier beginnt Lewisohns Deutung Shylocks, des Menschen und Juden: des erbitterten Gercchtigkeitsfanatikers. Eine Nacht nur schwankt der ttotz allen Mißgeschicks lebenssprühende Greis zwischen der Zwangstaufe und dem Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen der Inquisition. Er gedenkt der heiligen Dulder von Ancona, bei deren Hinrichtung er selbst zugegen war, er gedenkt in dieser schlaflosen Nacht aller Brüder, die „al kiddusch haschem" sich wehrlos hinmetzeln ließen. Aber mit dem Morgen kommt ihm die Erkennmis: Nicht sterben will er um der Heiligung des Namens willen, sondern leben, leben und weiterschaffen „al kiddusch haschem". Zum Taufstein schreitet Shylock — um fliehen zu können aus dieser finsteren Welt. Er reist nach Stambul, der Residenz seines Herrn, des jüdischen Herzogs Joseph Nassi von Naxos, des Günstlings Sultan Selims. Im Auftrag seines Herrn leitet er die ersten jüdischen Kolonisationsversuche in Palästina, die allerdings an dem Widerstand der Beduinen und der versteckten Feindschaft der türkischen Beamten scheitern. Er muß erkennen, noch ist die Zeit der Erlösung nicht gekommen. 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