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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-12-15 · 24 (15.12.1931) · p. Seite 375

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
24 (15.12.1931)
Date
1931-12-15
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 375 Woher aber kommt das Datum des 25. Kislew für das Chanukkafest? Woher stammt der Name rpL-r« (Lichter), den Josephus (Jüd. Altertümer XII 7, 7) anführt und der an ein Lichtfest erinnert? Die Wahl eines 25. in einem Mondkalender ist nicht eben naheliegend. Ein 15. (wie beim Pesach- und Mazzothfest) ist der Vollmondstag, ein IO. (wie bei::: Epiphanientag) ist bei den Griechen der Beginn des „stehenden Monds" — für den 25. gibt der Mondwechsel keinen Grund. Die Forschung niinmt daher mit Recht an, daß die Wahl des Tages zunächst vom wirklichen Anlaß der Feier herstammt, weil eben Judas Makkabäus und die Seinen die Tcinpelreinigung und -erncuerung an diesem Datum vollzogen haben. Warum aber haben die Makkabäer diesen Tag gewählt? Vielleicht doch wegen eines Sonnendatums? Das lag ihnen nicht eben nahe. Vielmehr ist eine deutliche Beziehung von der Überlieferung schon angegeben. Beide Makkabäcrbücher (und Josephus) berichten, daß die Einweihung 165 am selben Tage geschah, wie die Schändung des Brandopseraltars durch das erste heidnische Opfer an dieser heiligen Stätte drei Jahre vorher 108. Dies sehen allerdings II Makk. und Josephus als glückliche Fügung an — aber cs wird wohl (so schon Riehme im Handwörterbuch) eben dieser Tag gewählt sein, weil man nrit der Ncuweihung (Chanukka) die Schändung sühnen wollte, welche drei Jahre vorher denr Orte angetan war. Aber von Antiochus Cpiphancs kann inan annchmen, daß er in der Tat sich für das erste Opfer, das er über jenem Altar dem olympischen Zeus darbrachte, einen heidnischen Festtag erwählte. Den kleinen Altar, den er auf dem jüdischen Brandopfcraltar für den Zeus-Kult errichtete, hatte er schon zehn Tage vorher erstellt — also hat er mit dem Opfer bis zu einem bestinnnten Termin zugcwartet. Wir wissen allerdings nicht genau, auf welchen Tag im Seleuciden-Jahr der 25. Kislcv damals fiel — es kann aber der Zeit nach sehr wohl ein Winter-Sonncnsesttag gewesen sein. Dann hingen indirekt der Anlaß zunr Chanukka- und Weihnachtsdatmn doch zusamnren. Die Bezeichnung qxSta (Lichter(-tag) erklärt Josephus daraus, daß an jenem Tag wider alle Hoffnung die Möglichkeit zu solcher Erneuerung des wahren Kultus erschienen sei — das entspricht der gesuchten Geistigkeit des Josephus. Vielmehr ist ja das Lichteranzünden (in jeden: Hause) ausdrücklich früh bezeugt (so in der Fastenrolle und öfter in: Talmud). Eben dies könnte man doch aus ein Sonnenfest führen. Aber diese Bezugnahme ist nicht notwendig. Es handelt sich jedenfalls um eine Freudenillurnination, wie sic auch sonst üblich war. So berichtet Herodot II 62 von einem solchen Lichtersest an einen: Opfertag in Ägypten (worauf Winer in: Bibl. Realwörterbuch hinweist): Wenn sie sich in Sais zu den Opfern versamrnelt haben, so zünden alle in einer Nacht viele Lampen rings um die Wohnungen unter freiem Himrnel an — (diese) brennen die ganze Nacht hindurch und daher hat das Fest den Namen Lychnokaie, Lichterbrand. Für das Chanukkafest ist übrigens irgendwie das Sukkoth-Fest vorbildlich gewesen II Makk. IO, 6; 1, 9 bei dem ja Lichter im Weiber-Vorhof brannten. Überhaupt sollen Lichter bei Zeitabschnitten (wie das Chanukkafcst ja eine „Einweihung" war) Licht und Heil für die neue Zeit bedeuten. So die Lichter bei Geburtstagen, Brautfahrten und Hochzeiten. Die Weihnachtslichter sind übrigens erst spät aufgekommcn, die Kerzen an: Weihnachtsbaun: erst an: Ende des 18. Jahrhunderts. In: ganzen h a den C h a n u k k a u n d W e i h n a ch t s f e i e r ihre eigene Entwicklung und keine u n n: i t t e l b a r c Beziehung zueinander. varon Moritz von Kirsch geboren 9. Dezember 183 1 in München Zum 10 0. Geburtstag des großen Philanthropen Baron Moritz von Hirsch war zweifellos jenes Mitglied der Familie von Hirsch, das den: Nan:en der Familie Weltgeltung verschafft hat. Er erhielt 1809 von der türkischen Regierung eine Konzession für Bahnbautcn auf den: Balkan. Dadurch und durch seine Eisenbahnbauten in Österreich und Rußland erwarb er in kurzer Zeit ein ungewöhnlich großes Vermögen. Dieses verwendete er zum größten Teil für die Gründung der Jewish Colonization Association (Jca). Er, wollte aus diese Weise den unter den politischen Verfolgungen leidenden heimatlosen russischen Juden produktive landwirtschaftliche Arbeit in den weiten Ländereien Argentiniens verschaffen. Baron Hirsch erhöhte für seine Gründung das Anfangskapital von 2 Millionen Pfund im Lause der Zeit auf 180 Millionen Francs und gab für ähnliche.Gründungen in Galizien und in New-Dork die Gesamtsumme von 400 Millionen Goldsranken aus. Sein Lebensbild zeichnet jetzt in einer ersten quellenmäßigen Darstellung Dr. Josef Prys in seiner familiengeschichtlichen Studie „Die Familie von Hirsch aus Gereuth" (im Selbstverlag des Verfassers)^ dieser Arbeit ist das folgende Bild entnommen (vgl.- auch Jüdisches. Lexikon, Bd. II,.Sp. 1618f). ... __ .H

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