Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 24 (15.12.1931)
- Date
- 1931-12-15
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bayerische Israelitische GemeindezettttNtz Nr. 24 374 Novelle und Drama, und gesprochen wird er lautlos im verschwiegenen Innern des Helden. Denn der Held wäre nach dein, was ihm hier zufällig zufiößt, eigentlich verpflichtet, sich umzubringen oder den Dienst zu quittieren, und nur ein neuer, der unvorhergesehenste Zufall rettet ihn diesmal. Daraus ist indes nicht immer zu bauen, und einmal wird das Glück dosst jedes heiteren, lange verwöhnten Leutnant Gustls gründlich müde. Sein noch junger Dichter wußte cs schon damals voraus. Wir werden nur fallweise gerettet.' Die Gefahr bleibt, sic ninrint zu, denn wir altern. Das Altern ist das Unglück selbst; so empfand er. Kaum irgend etwas erschüttert in der Gcistcsgeschichte der letzten Zeit, wie das Altern Schnitzlers. Was zeitgcbundcn ist vom Glück, verließ ihn mir dem glänzenden Frieden und der Macht seiner Stadt. Die Überfälle des Unglücks, oft von ihm erfunden und dargesiellt, jetzt trafen sie wörtlsch ein. Endlich blieb er ganz allein in seinem Haus, vergangen war das kleine Getümmel der Liebe, des Erfolgs, und Stille senkte sich. Leer und unwürdig schien ihm die ganze neue Wirklichkeit. Was er noch schrieb, verlegte er zurück in seine gute Zeit. Das jetzt Geschehende haßte er, denn es war nur politisch, nur von der Macht bestimmt. Nirgends gab cs mehr die früher übliche Achtung vor dem sittlichen Erleben und seiner literarischen Formung. Cr aber hielt dies noch iinmer im Nichts aller Dinge für das einzige, das lohnt. Cr hat standgchaltcn in all seiner Trauer, er war ein tapferer Mann. Er konnte sich wohl plötzlich auf sein Alter besinnen. „Der alte 3c — mein Gott, ich nenne ihn den alten 3c, und er ist zwei Jahre jünger als ich! Schrecklich!" In Salzburg sagte er einst: „Wer tot ist, der ist tot." Dann aber kehrte der tapfere Mann zurück an seine Arbeit, unseren einzigen, schmalen und ungewissen Ausweg aus der Vergänglichkeit. Ain Tisch unter Bekannten bekam er einmal harte Züge; es wurde von Illusionen gesprochen. „Ich kenne keine Illusionen. Ich mache mir keine." Dian hätte erwidern wollen, daß das Leben sich geradezu messen lasse an den Illusionen, und daß es aufhöre mit ihnen. Vor diesem verstummte man. Cr war mit dem Tode vertraut schon seit seinerheitersten Jugend, schon in dem Stück, das er besonders geschäht hat: „Liebelei". Zuletzt hatte der Tod keinen Wortführer wie ihn. Cr hat Abschied genommen mit jener unheinrlichen und bezwingenden „Flucht' in die Finsternis", einer Dichtung,, die ein klinisches Bild ist, einer Beobachtungsreihe, die anstcigt bis zur großen Vision. Dann starb er — fiel an seinem Schreibtisch hin als einer, der sein Werk getan hat, bis zum Ende im Dienste zweier großer Mächte: Liebe und Tod. Wir Übriggebliebcnen wissen von ungezählten Freuden, schmerzlichen oder leichten, tiefen oder süßen, aber alle einst von ihm angestiftet, wenn wir ihn lasen, wenn wir ihn aufgeführt sahen. Das Lachen, von ihm in einen: Thcatcrsaal erregt, war übermütig, aber es war auch zärtlich, wie das Lachen nicht oft ist. Er hatte Anmut, und er hatte Kraft. Die Schicksale der Menschen standen auf und sprachen, so oft er es wollte. Er beschwor unsere Teilnahme an ihnen, der Atem des Menschentuins strömte zwischen uns und ihm. Cr war ein großer Lebender, bevor er ein großer Toter wurde. Wir danken ihm. Ich habe darzubringen den Dank ganzer Geschlechter, die sein Werk lieben, die sein Andenken lieben. Ihm danken durch mich seine Genossen, die Schriftsteller, und ihre Vertretung in der Preußischen Akademie der Künste, deren Ehre größer wurde durch ein solches Mitglied. Zuletzt empfange Arthur Schnitzler den Dank seines Freundes. Auch ich begleitete ihn in einigen Stunden seines wunderbaren Lebens. Zum Datum des Lhanukkateftes und des »yeihnachlsfestes Von Professor Dr. Arnold Meyer (Zürich) Auf eine Anfrage aus dem Leserkreis war vor einiger Zeit in diesen Blättern der Zusaurinenhang des Wcihnachtsfestes init Chanukka nach allen — hier ausbreitbaren — Seiten erörtert; die hauptsächlichste Literatur war beigezogcn und genau zitiert. Der beste Kenner des Stoffes, der Verfasser des Grundwcrkcs „Das Weihnachtsfcst, seine Entstehung und Entwicklung" (Tübingen, Mohr, 1913), Herr Professor Dr. A. Arnold Meyer, der Ordinarius für ncutestamcntlichc Theologie an der Universität Zürich, hatte die Freundlichkeit, sich zu den Ausführungen in der Gcmeindczeitung wie folgt zu äußern: In einem Artikel des Herausgebers (Nr. I dieses Jahrgangs), den ich in seiner Vorsicht und seinem Ergebnis durchaus zustimmcn kann, wird zweierlei festgestellt: l. daß man nicht wohl ein Datum des Sonncnjahrs twic den 25. Dezember) mit dem eines Mondjahrs (wie den: 25. Kislcw) vergleichen kann; 2. daß der 25. Dezember als Weihnachtsdatun: wohl aus dem volkstürnlichen Datum für die zunehmende Kraft der Sonne entstanden sein wird, nicht aber aus dem Chanukka-Datun:. Beides hängt eng zusammen. Der griechische Kalender in Ägypten ist durch Caesar und Augustus mit den: rönrischcn einstimmig gcrnacht worden. Darum kann man z. B. sagen, der IO. ägyptische Tybi, der Tag des christlichen Cpiphanicnfestcs. und des früheren Wcihnachtsfcstcs, ist der 6. Januar (heutige Dreikönigsfest). Aber der jüdische kultische Kalender ist nie mit den: kölnischen ausgeglichen, sondern ist stets seinen Weg gegangen und hat iunner sein Mondjahr bcibehaltcn. Folglich konnten die Christen, selbst wenn sie gewollt hätten, an ein solch wechselndes Datum nicht ihren nichtwechselndcn 25. Dezember anknüpsen. (Beim Osterfest, wo man zuerst an das jüdische Pcsachfest anknüpsen, später selbständig den Aufcrstchungstäg nach den: I. Vollmond im Frühjahr richten wollte-, hat man eben darum int Sonnenjahr wechseln müssen.) Um das Jahr 550, als das Weihnachtsdatun: an: 25. Dezcmber (statt des 6. Januar) von Ron: aus sich verbreitete, war aber die Feier des unbesiegten Sonnengottes (natalis invicli Solis) ganz allgemein in: Volke üblich, auch Juden und Christen machten (unbewußt) mit, wie die Kirchenväter berichten. Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß, wie die Forschung zumeist annimnu, dies Sonnendatun: das spätere christliche Dnruu: bestimmt hat. BayerischeV ereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Bequemer Sparverkehr: Absolute Sicherheit und günstige f Verzinsung für Spareinlagen Gold-Pfandbriefe: mündelsicher, hochverzinslich, auf Goldwert gestellt, Zinszahlung ohne Steuerabzug