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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-12-01 · 23 (1.12.1931) · p. Seite 360

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
23 (1.12.1931)
Date
1931-12-01
Page
Seite 360 (sequence 4)
Language
German
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360 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 Sonne so freundlich vorn Himmel, wie man es eben nur im Isartale erleben kann. Mir scheint cs, daß auch Erwachsene hier Erholung und Ruhe und Frieden finden können. Darum machet Gebrauch von dem Segen, der Euch hier geboten wird: Gute Verpflegung und billige Preise! Was will man noch mehr? A. Rus der Gemeinde vamberg Bamberg. Zugunsten der städtischen Winterhilfe veranstaltete die Verwaltung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde am Sonntag, dem 22. November, eine abendliche „Weihestundc", die diese Bezeichnung voll und ganz verdiente. Weihevoll war schon der Anblick des hellstrahlenden Gotteshauses und der zahlreichen meist nichtisraelitischen Auhörerschar, weihevoll waren die gesanglichen Darbietungen des verstärkten Synagogenchors, am weihevollsten aber wirkte der ebenso erbauliche als belehrende Vortrag, den Rabbiner Dr. B a e r w a l d (München) über das zeitgemäße Thema hielt: „Hiob, das Buch vom Menschcnleid." Nachdem ein Männerchor unter Leitung des Studienprofessors H i l d mit dem Vortrag eines von seinem Stabführer für diese Gelegenheit vertonten Lobgesanges: „Singet dem Herrn eine neues Lied" die Seelen der Versammelten in eine religiöse Stimmung erhoben hatte, führte sie Dr. Bacrwald in das uralte und ewig neue Problem des Menschenlcids und seiner Sinngebung ein, das den Inhalt der Hiobdichtung bildet. Der Verfasser dieser ältesten Faustiade ist ja ein Dichter-Denker gewesen. Die Aufgabe der Behandlung ist sonach eine doppelte: das Großwerk, das in der Perlenreihe der biblischen Schriften die wertvollste ist, sowohl nach seinem gedanklichen Inhalt als nach seiner dichterischen Form in der Seele der Hörer als eigenes Erlebnis erstehen zu lassen. Und diese Wirkung ist dem Vortragenden ausgezeichnet gelungen. Mit edler Ausdrucksform und eindrucksvoller Vortragsweise ließ er seine lauschenden Hörer das Drama der leidenden, klagenden, sich aufbäumenden, fragenden, zweifelnden und dennoch gläubig werdenden Menschenscelc nacherlcben. Und die Lösung? Vom Standpunkte grübelnder Vernünftclci kann cs eine vollbcfriedigende Lösung der quälenden Schicksalsfragen niemals geben. Aber wer wie Hiob auch auf dem Aschenhaufen des Leidens von der Stimme des in den Wunderwerken der Natur allwaltenden Gottes verstummend sich erschüttern läßt, der hat zwar nicht die Frage nach dem Warum und Wozu des Leidens gelöst, aber sich selbst hat er von dieser Frage und ihrer aufwühlenden Wirkung gelöst. Ihm wird gerade die Erfahrung des Leidenmüssens die tiefste Quelle der Läuterung und der religiösen Erkenntnis, die auch die große Volksnot unserer Zeit leichter tragen und überwinden helfen könnte. Wir dürfen im Sinne des Redners hinzufügen, daß aus solcher Auffassung das schöne Liedwort entstanden ist: „Unter Leiden prägt der Meister in die Geister sein allgeltcnd BUdnis ein." Nachdem Kantor L e n t ein von Arno Nadel vertontes „w'schomru" mit klangschöner Stimme sehr wirkungsvoll zum Vortrag gebracht, ließ der gemischte Synagogenchor die in allen Punkten hochbefriedigende Veranstaltung mit dem himmelanstcigenden Halleluja des Altmeisters K i r s ch n e r austönen. A. E. 14.0rdentl. Mitgliederversammlung des Verbandes der Israelitischen pfälzischen Kultusgemeinden Unter zahlreicher Beteiligung fand am Sonntag, dem 15. November, in Landau i. d. Pf. die 14. ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes der israelitischen pfälzischen Kulmsgemeinden statt. Der Vorsitzende des Verbandes- Herr KR. Albert Joseph (Landau) leitete die Versammlung. Er gedachte zunächst der im Berichtsjahr verstorbenen Vorstandsmitglieder: Justiziar Dr. Julius Nheinheimer, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern und Lehrer und Kantor M. Bachenheimer (Zweibrücken). Sodann erstattete Synagogenvorstand und Stadtrat Strauß (Bad Dürkheim) einen Bericht: „Schicksalsfragen des heutigen Judentums." Daran schlossen sich ergänzende Berichte über den gleichen Gegenstand von Prof. Dr. Koburger, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Ludwigshafen, sowie des Bezirksrabbiners Dr. Nellhaus (Pirmasens). Im Verlauf der Tagesordnung trug sodann Herr KR. Joseph den Jahresbericht vor. Die Iahresrechnung weist vor allem die Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden, ferner Ausgaben für Erteilung des Religionsunterrichts in entlegenen Landgemeinden und die Förderung kultureller und sozialer Ausgaben auf. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Der Haushaltplan für 1931 -wurde genehmigt. Nach dreistündiger Sitzung forderte. der Vorsitzende in seinem Schlußwort Lebensmut und Lebenswillen trotz aller Nöte. Herr Prof. Koburger dankte namens der Versammlung Herrn KN. Joseph, ferner Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Rosenbcrg (Frankenthal) und Herrn Stadrat Strauß (Bad Dürkheim) für die eifrige und opferwillige Tätigkeit für den Verband. Rus baverifcben Gemeinden Gunzenhausen. Am Sonntag, dem 8. November, fand hier die Mittelfränkische Bezirkstagung der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums unter großer Beteiligung statt. Etwa 250 Gäste aus den Gemeinden Mittelfrankens, vor alles aus Gunzenhausen, Ansbach, Altenmuhr, Treuchtlingen, Nördlingen, Berolzheim, Dinkelsbühl, Cronheim, Cllingen, Mönchsroth und Rothenburg waren erschienen. Nach Begrüßung durch den Vorstand der Orthodoxen Vereinigung, Herrn Dr. Chrmann (Frankfurt a. M.) und nach einer Ansprache des Vorsitzenden der Kultusgemeinde Gunzenhausen, Herrn Neumann, ferner des Vorsitzenden der Kultusgemeinde Ansbach, Herrn Kommerzienrat Dietenhöfcr, dann des Delegierten des Bundes gesetzestreuer Gemeinden Bayerns, Herrn Aron Mayer (Treuchtlingen), und des Vertteters des Verbandes gesetzestteuer jüdischer Iugendvereine Bayerns, Herrn Dipl.-Ing. Heinemann, nahm Herr Rabbiner Dr. Munk (Ansbach) zu einem Referat über die wirtschaftlichen, politischen und geistigen Nöte der jüdischen Landbevölkerung das Wort. An Hand der jüngsten Veröffentlichungen von Silbergleit und Markus behandelte Herr Dr. Munk vor allem die Fragen der Berufsumschichtung, der Kredithilfe und der Aussichten der jüdischen Rückwanderung in die Landgemeinden. Das Referat von Herrn Lehrer Marx (Rothenburg) verbreitete sich über den derzeitigen Stand der Schächtfrage. Die Versammlung nahm einen Protest gegen das bestehende bayerische Gesetz über die Betäubung von Schlachttieren an. Der Wortlaut dieser Entschließung ist in der letzten Nummer des „Israelit" vom 19. November mit einem ausführlichen Bericht über den Verlauf der Tagung abgcdruckt. Vor allem sei daraus die Ansprache von Herrn Rabbiner Dr. Pinchas Kohn (Ansbach) „Das Judentum in der Weltkrise" hervorgehoben. Die jüdische Schule Gunzenhausen bot unter der umsichtigen Führung von Herrn Hauptlehrer Levite szenische Darstellungen aus dem jüdischen Pflichtenleben und aus der Bibel. Herr Lehrer Strauß (Nördlingen) brachte zum Schluß den Dank der Versammlung zum Ausdruck. . Vereine Iaakobs Traum Dargestellt von der Iugendbühnc im jüdischen Jugendheim München Richard Beer-Hofmanns „Iaakobs Traum", mehr lyrisches Idyll als Drama, ist sehr bald von dem Zeittheater verdrängt worden. Darum war es ein Verdienst der Iungbühne im jüdischen Jugendheim, sich des Vorspiels — Vorspiel nämlich zu der von Beer-Hofmann geplanten und teilweise bereits geschriebenen „Historie von König David" — von neuem anzunehmen. Man darf an eine Liebhaberbühne nicht die üblichen Maßstäbe anlegen. Aber um es gleich zu sagen: man merkte es den jungen Menschen, die hier Theater spielten, an, daß sie mit Leib und Seele bei der Sache waren. Sie spielten hingegeben und begeistert, sie versuchten, ein jeder nach seinem Können, ihr bestes zu geben. Diese natürliche Spielfreude fand denn auch ihren verdienten Beifall, und der lückenlos besetzte Steinicke-Saal möge der Iungbühne eine Bestätigung dafür sein, daß ihr Beginnen Anteilnahme und Zustimmung findet. Verkaufsstellen 2 Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 370646 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96944 Thierschstraße 19 Fernsprecher 22082 Franz-Josef-Straße 29 Fernsprecher 30452 SdileißheimerStraßelOO Fernsprecher 370 326 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof*Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100 / Tel. 370326

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