Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 19 (1.10.1931)
- Article
- Die Allgemeinbildung des jüdischen Religionslehrers
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 298 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 Schule viel jüdisches Wissen zu vermitteln, sie sind aber nicht imstande, sie derartig zu beeinflussen, daß ihre religiöse Entwicklung nach der Schulentlassung gewährleistet wird und stehen später überhaupt in keinem Kontakt mehr mit der Jugend, da sie ja oft keinen Kontakt mit dem realen Leben haben. Wer nicht will, daß die jüdische Jugend bei uns auf dem Lande einer ähnlichen Krise in der gleichen Hilflosigkeit ausgesetzt sein soll, muß verlangen, daß der Religionsunterricht von Männern erteilt wird, deren Allgemeinbildung sie in die Lage seht, lebensnah zu unterrichten und die Wirkung ihrer Persönlichkeit für das Leben zu gewährleisten. Und wer wünscht, daß Thoratrcue und Thorawissen in unsere Jugend für die Dauer cingepflanzt werden, darf keinesfalls gestatten, daß an der Allgemeinbildung des Religionslehrcrs ein Abstrich gemacht werde. Wie weit muß sich nun die Allgemeinbildung des jüdischen Religionslehrers erstrecken? Wir folgen den Grundsätzen, von denen sich Seligmann Bär Bamberger s. A. leiten ließ, der seine Lehrerbildungsanstalt ausdrücklich zur Bildungsstätte der Religionslehrer mitbestimmte (obwohl er auch eine Jeschibah hatte). Es entspricht das zugleich den Gedankcngängen von Samson Raphael Hirsch s. A., der erkannte, daß für die jüdische Persönlichkeit in Deutschland gründliche Allgemeinbildung notwendig ist und nicht zuletzt leitet uns dabei die gleiche Erkenntnis, die Hildesheimer s. A. zur Gründung des Rabbinerseminars veranlaßte und deren erhöhte Gültigkeit für unsere Zeit erst kürzlich Dr. Wohlgcmuth betonte. Wir fordern die gleiche Ausbildung wie für den Volksschullehrer. Auch die allgemeine Bildung des Volksschullehrers steht nicht, wie vielleicht viele glauben, in direktem Zusammenhang zu den Stoffen, die der Volksschullehrer später unterrichten muß. Auswahl und Aufbau der Bildungsstoffe in den Lehrerbildungsanstalten werden ausschließlich durch die allgemeinen pädagogischen Anforderungen bestimmt, die daraus erwachsen, daß der Lehrer eine geistige Persönlichkeit darstellen muß. Der Volksschullehrer hat in seiner Schule weder höhere Mathematik noch Fremdsprachen zu unterrichten und trotzdem können sie in seiner Vorbildung ebensowenig entbehrt werden wie beim Arzt oder Juristen. Die Bildungsfächer haben ausschließlich als Ziel den geistigen Menschen wie die pädagogischen Fächer den denkenden Erzieher. Da beide Seiten der Lehrerpersönlichkeit, wie oben dargelegt, beim Religionslehrer in besonderem Maße vorhanden sein müssen, steht damit fest, daß die Allgemeinbildung des Volksschullehrers auch für den Religionslehrer das Minimum darstellt. — Dieser Aufsatz beschäftigt sich ausschließlich mit der Frage der Allgemeinbildung der jüdischen Religionslehrer; daß natürlich die jüdische Ausbildung des Religionslchrers nicht beeinträchtigt werden darf, daß er im Gegenteil mit dem umfangreichen Thorawissen ausgestattet sein muß, wie cs für Hebung und Vertiefung des jüdischen Lebens Voraussetzung ist, steht hier nicht zur Diskussion. Nachschrift der Redaktion: Der Jüdische Lehrerverein für Bayern sandte uns vorstehenden Artikel, den wir, da cs sich um eine Frage handelt, die allgemeines Interesse beanspruchen kann, gerne veröffentlichen. Au einzelnen Punkten der Ausführungen von Rabbiner Dr. Breuer in-Nr. 36 des „Israelit", die ja auch Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit sind, wird der Lehrerverein in der nächsten Nummer seiner „Mitteilungen" noch besonders Stellung nehmen. ttus der Gemeinde München An alle unsere Gemeindemitglieder richten wir die dringende und herzliche Bitte, wieder Umschau in ihren Schränken nach nicht benötigten, aber brauchbaren Sachen zu halten. Um Männer- und Frauenkleidung, Wäsche und Schuhe wird ständig in unserer Abgabestelle gebeten, aber da unsere Bestände so gut wie geräumt sind, müssen wir die meisten Bittsteller abweisen. Ohne Kosten, nur mit ein wenig Mühe, könnte so vielen jetzt zu Beginn der kalten Jahreszeit geholfen werden. Wenn möglich bitten wir um Übersendung der uns zugedachten Sachen (Herzog-Max-Straße 7/1, Rückgebäude), da uns dann Kosten erspart werden, sonst um Anruf zwecks Abholung unter Nr. 93 7 71 (Fr. Hirschinger). Für den Bekleidungsverein: Emma Selinger, Jenny Baerwald, Kassiererin Vorsitzende 80. Geburtstag. Herr Dr. med. Moritz Neuhaus (Konradstraße I I), der mit seiner Gattin vor kurzem die goldene Hochzeit feiern konnte, vollendet am 5.' Oktober in voller Frische das 80. Lebensjahr. Dem Jubilar gelten unsere herzlichen Glückwünsche. Alle Freunde und Bekannte, die aus Anlaß meiner 50jährigen Amtstätigkeit in unserer Gemeinde dieses Tages und meiner Person freundlich gedachten, bitte ich, auf diesem Wege meinen herzlichen Dank entgegenzunehmen. München, 15. September 1931. Emanuel Kirschner. Zum Tod von Dr. M. Epstein Am 13. September entschlief hier der bekannte Menschenfreund und Arzt Dr. M. Epstein, tief betrauert von seinen Freunden, vor allem von den zahllosen Armen und Besitzlosen, denen er ein unermüdlicher, selbstloser Helfer und Berater war. Bei der Beerdigung am Mittwoch, den 16. September, entwarf Herr Rabbiner Dr. Baerwald ein Bild vom Leben und Streben des Verstorbenen, der cs verstanden hat, Beruf und Weltanschauung zu seltener Einheit zu verschmelzen. Die „Münchener Post" schrieb: „Ein Mann von unbestechlichem Charakter ist von uns gegangen, der sein Leben lang für die leidende und für die unterdrückte Menschheit arbeitete." Am Grab sprachen u. a. Altbürgermeister Eduard Schmid, Landtagsabgeordneter Franz Schmitt, Dr. Marcuse, die Professoren Dr. Kcrschensteiner und Albrecht. Die ungewöhnlich große Beteiligung der Arbeiterschaft bei der Trauerfeier zeugte von dem Ansehen und der Liebe, der sich der Entschlafene in den weitesten Kreisen der Münchener Bevölkerung erfreut hatte. Am Donnerstag, dem 8. Oktober d. I., 21.30 Uhr, findet im Münchener Sender eine Veranstaltung „Althebräische Kunst" statt; Vorttag: Rabbiner Dr. Baerwald, Gesang: Kantor Neu. 5ius der Gemeinde ttugsburg Verwaltung und Ausschuß der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg haben in gemeinschaftlicher Sitzung vom 24. September einschneidende Sparmaßnahmen getroffen. Es wurde beschlossen, den Chor am Freitag-Abend und am Samstag alsbald aufzulaffen, ferner in der kalten Jahreszeit den Gottesdienst auch am Samstag in die Werktagssynagoge zu verlegen. Weitere Maßnahmen für Ausbalancierung des Etats werden in die Wege geleitet. Aus bayerischen Gemeinden Ansbach, 28. August 1931. Im 74. Lebensjahr entschlief Herr Anton Michelsohn, eine um die Kultusgemeinde Ansbach verdiente Persönlichkeit. Michelsohn war viele Jahre erster Vorstand der Chewra-Kadischa. Seine Verdienste würdigten am Grab Herr Kommerzienrat Dietenhöfer und Herr Rabbiner Dr. Munck. Für die Chewra dankte Herr Haas dem Heimgegangenen für die treuen Dienste. Modellhaus Sophie Oeldenberger FEINSTE MASSANFERTIGUNG »ZEITGEMÄSSE PREISE III.Aufgang Tel. 92074