Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-09-15 · 18 (15.9.1931) · p. Seite 281

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
18 (15.9.1931)
Article
Einweihungsfeier der neuen Synagoge in München
Date
1931-09-15
Page
Seite 281 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2727810-2727925-2727943-2741075--08101-2741130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 281 ,m!' »i «w-M 2. Aron-Ha-Kodäsch Mit dem Chorvortrag von Psalm 30 „Schir-chanukathhabaith“ wurde die eigentliche Feftordnung beendigt, woran sich das Muffaph-Gebet anschloß. Die Einweihungsfeier bezeugte in erhebender Weise den Geist, der die Münchener jüdische Gemeinde in ihrer Gesamtheit beseelt — dank der überlegenen, weitschauenden und von jedem Parteigeift fernen Leitung ihrer Führer. Von dieser Feier nahm man die absolute Gewißheit mit, daß dieser Geist der Treue, der einträchtigen und festen Sicherheit die Münchener jüdische Gemeinde über die ausnehmend großen Schwierigkeiten der Gegenwart hinweghelfen wird. über die Einzelheiten des Baues entnehmen wir dem „Jüdischen Echo" noch folgende Angaben: Der große Betraum, zu dem man durch eine kleine Vorhalle gelangt, wirkt schon beim betreten durch die beherrschende Lichtführung. Dem Betrachter bietet sich sofort ein Überblick über die Männerabteilung, zu der drei Stufen hinabführen, um dem Psalmworte Genüge zu tun: „Aus den Tiefen ruf' ich Dich!" Der Blick wird gefeffclt von der in sattem Gelb strahlenden Marmorverkleidung (aus veronesischem Nembro giallo) der großen Nische, die den Aron-Ha-Kodasch in sich birgt. Der türkisblaue Ton der Wände steht hierzu in einem angenehmen Färb: kontrast, der durch die cremefarbene Decke und die gleichgetönte weit hereinragende Brüstung der Fraucnempore überbrückt wird. Durch das cremefarbene Opaleszenzglas des mächtigen Oberlichts dringt tagsüber gleichmäßige Helle ein, die besonders dem Mittelfeld des Männerraums mit dem Almemor, der Ostnischc und den Frauenemporen zugute kommt. An den Abenden sorgen Lichtquellen in Mattglaskugeln und mächtige, auch dekorativ gut wirkende Lichtsäulcn für ausreichende Be: leuchtung. So wird, unterstützt durch Messingverzierungen am Aron-ha- Kodesch und Almemor, eine goldene Lichtfülle im Raume lagern, die von dem warmen Braun des eigens für diesen Raum vorn Architekten entworfenen Gestühls aufgenonnnen wird. Einen besonderen Schmuck erhält der Saal durch die in wirksamen zarten Farben gehaltenen Glasscnstcr, die nach den Entwürfen des Herrn Meyerstein geschaffen und von einigen Damen der Synagoge gestiftet worden sind. In einer geschickten, durchaus unserem Kunstempfinden entsprechenden Art sind in diesen Kunstverglasungen an den fünf Fenstern des Untergeschosses, an vier Durchbrüchen der Westwand der Empore und im Rondo der Ostnische jüdische Symbole zur Darstellung gelangt. So wird in einer unaufdringlichen Weise die Weihe des Orts unterstrichen. Durch die auf schwarzgrundigem Marmorsockcl in pompejinischcm Rot leuchtende Vorhalle gelangt man auch in die Werktagssynagogc, die in ihrem hellen auf Gelb, Rot und Grau getönten Farbklang sehr freundlich wirkt. Die in den Durchgang zum Hof führende Fassade ist mit ihren Blenden, in denen die Fenster sitzen, gut gegliedert und läßt durch ihre helle Tönung die Farbmotive des Innern anklingen.. Mit dieser künstlerisch wie technisch vollauf gelungenen Leistung hat Gustav Meyerstein, München, um eine beachtliche Synagoge bereichert und seine Eignung gerade auf dem Gebiete des jüdischen Kultbaus erwiesen. Die drcischiffige Synagoge ist (mit der Nische des Aron-ha-kodesch) 27 Meter lang,!4 Meter breit, die Höhe beträgt 8 Meter. Sie enthält in drei Bankreihen etwa 330 Hcrrenplätze, auf der Empore in drei Reihen an den Seiten und in sechs Reihen an der Rückwand etwa 220 Frauenplätze. Die Empore ijr in einer freiauflicgendcn, weitgespannten Cisenbctonrahmenkonsiruktion ausgeführt; ihre ganze Last ruht auf nur zwei Säulen. Der kleine Betsaal enthält etwa 30 Plätze. Der 300 Quadratmeter große Hof bietet für die Feiertage einen genügend großen, von der Straße und der Einsicht abgeschlossenen Raum; in die Hofrückwand, an der der Kaiblmühlbach vorbeifließt, wurde ein Fenster eingebrochcn, damit man von dort aus Taschlich machen kann. Der neue Betsaal ist gemeinsames Werk einer Reihe von angesehenen Münchener Firmen. Die Gesamtbauleitung hatte Architekt Diplomingenieur Gustav Meyerstein innc, der ja auch die Pläne ausgearbeitet hat; die statischen Berechnungen lieferte Diplomingenieur Dr. Leopold Bcr: t V I DER Q U A L I T Ä TSSTOFFE (1 N. STARK & Cie. NÜRNBERG! LUITPOLDSTRASSE 11 j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.