Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 13 (1.7.1931)
- Article
- Werke jüdischer Volkskunst in Bayern
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
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198 Bayerische Israelitische Gcmeindezeitung Nr. 13 fefflüBlW* jHSTs? TunJUirv EKE tim* mittelalterliche ©fabf, oder solche des Tempelleuchters und der Schaubrote als Erinnerung an das f zerstörte Heiligtum. Bewegen sich all diese Darstellungen durchaus in dem Geist der Zeit und sind ihre Erscheinungsformen ganz aus dem Bauernbarock heraus zu begreifen, so tritt doch durch die Verwendung von Leisten und Feldern mit der dekorativ äußerst wirksamen hebräischen Quadratschrift (Abb. 2 und 6) ein Element hinzu, das die Arbeiten des Elieser Sußmann C"Z aus den Werken seiner Umgebung heraushebt. An dieser Verbindung kann man am besten erkennen, daß ein eigener, jüdischer Kunftwille den Meister regiert, ein Wille, der auch die dem allgemeinen Kunstgut entnommenen Formen durchflutet. Ihn können wir auf dem durch seinen farblichen und zeichnerischen Geschmack bemerkenswerten Thoraschrein aus Colmberg (Abb. 1) erkennen. Die liebevolle Tierschilderung tritt uns entgegen in der Darstellung eines Pfaues aus der Colmberger Synagoge (Abb. 3) oder in einem in Schäbisch-Hall (Abb. 7), wie auch auf anderen Werken des Meisters vorkommenden seltsamen Motiv, das drei Hasen in einer bisher nur als christliches Symbol uns bekannten kreisförmigen Anordnung zeigt, so daß wohl jeder Hase zwei Löffel zu haben scheint, im ganzen aber doch nur drei Löffel vorhanden sind. Die Bedeutung dieser Gruppe, die sich auch in Colmberg gefunden hat, im Bezirk der jüdischen . Mystik ist nicht erforscht, doch scheint sie keiner Laune unseres Meisters ihren Ursprung zu verdanken, weil sie auch auf Gravierungen vorkommt, deren jüdische Urheber ohne jede Berührung mit Elieser Sußmann E>Z waren. Die Beschäftigung mit dieser als jüdisch zu bezeichnenden Art der Volkskunst zeigt nicht nur Neues, bisher weiteren Kreisen Unbekanntes, sondern gibt uns auch Gelegenheit, unsere Kenntnis auf dem Gebiet der Kulturgeschichte zu erweitern. Abb. 6: Synagoge Bechhofen. Südwesiccke. grüne Untergründe, auf denen er seine Rankengespinfte und die wohl auf kabbalistische Einflüsse zurückführenden Tierfiguren ihr lebhaftes Wesen treiben läßt. Dabei verwendet der Maler auch leuchtende rote Töne, so daß ein farbenfrohes Gesamtbild entsteht. In Bechhofen, seinem frühest datierbaren Werke, tritt er schon als ein Fertiger vor uns. Dort, wo noch alles unverändert und vollständig an Ort und Stelle auf unsere Tage gekommen ist, können wir das Raumbild in seiner ganzen Schönheit auf uns wirken lassen. Aber auch kleinere Betstätten, wie die von Kirchheim, (Abb. 4 und 9), bekunden eine bedeutende künstlerische Freiheit und innere Geschlossenheit. Besonders eindrucksvoll unterbrechen das überall angebrachte Ornament Schildereien, wie die Jerusalems als Abb. 7: Ehemalige Synagoge Unterlimpurg (Museum Schwäbisch-Hall). Ornamentprobe.