Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.5.1931)
- Article
- Moderner Synagogenbau
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
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148 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 6. Wochentagssynagoge und Kanzel. Die geschaffene Beziehung Aller zu Gottesdienst und Predigt wird vollendet durch eine gleichwertige Sichtbarkeit von allen Plätzen. Die Hauptgalerie erhielt eine zunehmende Steigung der Reihen, was freiesten Blick gewährleistet. Die feierliche Geschlossenheit des Raumes erhöht diesen Ausdruck der Konzentration. Zunächst rein sachliche Erwägung veranlaßte mich, den Tageslicht-Einfall in den unteren Raumteil zu verlegen: Das Licht fließt in fein zerstreuter Weise ein, reichlich hell, ohne zu blenden, vor allem durch die beiden 16 Meter langem Hauptfenster mit ihren farbig gefaßten Holzgittern. Es sind nicht mehr (wie aus der romanischen und gotischen Zeit fälschlicher Weise auf die früheren Synagogen-Bauten übertragen) hochgestellte senkrechte Fenster angeordnet, die von den Galerien zerschnitten wurden; sondern im logischen Sinne ist die Leichteinführung unter Respektierung der Galerieanordnung angelegt. Die unter den Galerien Sihenden erhalten noch besondere Belichtung durch gereihte Gitterfenster. So ist der untere Raum hell genug für die Betenden; der obere Raumteil ist dagegen — eine feierliche Kontrastwirkung — in leichter Dämmerung gehalten, die den mit dunklem Holz gedeckten Raum weitet und ihm seine Überschärfe der Form nimmt. Die Lichtführung muß übrigens für unsere Aufgabe als Wichtigstes gelten nach der Raumform, dies nicht nur im sachlichen Sinne: Licht ist ein überaus feiner Träger des Seelischen und ein erstes Instrument für den Künstler des Raumes. Die Ausstattung und Ausschmückung ist schlicht und doch feierlich — oder gerade hierdurch feierlich, denn sie ist nicht nüchtern. Eindrucksvoll wirkt die schmuckhafte Bedeckung der Ostwandflachen mit Symbolen in zurückhaltender farbiger Sgrafitto-Technik, welche — gleich 7. Vorhalle für Männer und Frauen