Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.5.1931)
- Article
- Moderner Synagogenbau
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeiüdezeitung 147 4. Blick auf die Estrade sen Füllwände nur die für die Isolierung notwendige Stärke erhielten und besten senkrechte Cisenständer die Galerien tragen. — Die Bedingung des zweiseitig abfallenden Berggeländes und die Raumausnützung forderte ein Untergeschoß; es ward mit violettbraunen Klinkersteincn ummauert. Der darüberliegende Kultraum erscheint hierdurch charakteristisch und würdig emporgehoben. Durch neue technische Mittel wurde die Anlage eines hohen Daches überflüssig, es konnte das gesamte verfügbare Höhenmaß zur Steigerung der Kutlraumhöhe verwendet werden! Man ersieht aus Gesagtem und Folgendem, wie alle verwirklichten Gedanken und Möglichkeiten fast zwangsläufig aus praktischen und idcelen Zielen sich entwickelten, wie die gewonnene Bauform unter entsprechender Führung wie von selbst erstand — „geworden" ist, das Ganze zum in sich abgeschlossenen klaren Organismus wurde. Der Kultraum verlangte den Anschluß an die Ostseite (das Nachbarhaus) und den Tageslicht-Einfall an seinen beiden Längsseiten; so bot der Westteil des Hauses den Raum für die Verwaltung, Logenräume und Logentempel; im Erdgeschoß führt der Haupteingang unter der Pfcilerhalle in die große und kleine Vorhalle, zur Wochentagsspnagoge, Aufgang zum Kultraum und Verwaltungstreppe (der Weltteil wurde so in seinem Inneren ein Verwaltungsbau, was auch nach Außen in der Fassade der Senefelderstraße zum Ausbruch kommt). Ein großer Garderoberaum kann praktischer Weise sowohl bei Gottesdiensten, andererseits — von der kleinen Halle aus — bei Gemeindesaal-Benützung verwendet werden. Ein Nebeneingang an der Engelstraße führt zum Predigerzimmer, Chor, und Nottreppe, zu Gemeindesaalküche und Hausmeistcrwohnung, zu Heller, Heizanlage und in den Hof. Unter der offenen Pfeilerhalle führt ein dreiflügelig — feierliches breites Gittertor, eiscnbcschlagen, in tiefer Nische ins Haus. Der Eingangsraunt ist hell, geöffnet in die Halle, von welcher die breite Hauptstraße Männer und Frauen nach oben zur Synagoge leitet. Der mit geschliffenem Marmor bekleidete Pfeiler trägt die Haus-Inschrift und einen hebräischen Weihe-Spruch. Vom Eingangs-Vorplatz öffnen sich zwei getrennte Türen zu Männer- und Frauenteil der Wochentagssynagoge — einem bescheidenen Raum von eindringlichem Stimmrmgswert, — mit seinem elfenbeinfarbenen Rauhputz und Symbolschmuck, grüngauem Gestühl auf Ziegelboden, dem schlichten Schrein mit Vorbetertisch aus Kiefer und der Messingöllampe, dem ehrwürdigen Ewigen Licht. — Alle Vorräume sind licht und klar. Windfangtüren führen weiter zur kleinen Halle, dem Vorraum für Gemeindeversammlungen, Vortragsveranstaltungen und Feste; von hier aus der Aufgang zu Verwaltungs¬ und Sitzungszimmer. In den nächsten Stockwerken die stattlichen Logen-Gesellschaftsräume (mit Speisenabgabc und im Dach liegender Küche), darüber die Bibliothek und der feierliche Logcntcmpel monumentalen Ausmaßes. Der Eintritt aus der niedrigen und kühl gehaltenen Vorhalle der Männer und Frauen in den K u l t r a u m selbst ist, durch Mittel besonderer Steigerung, von sehr starkem Eindruck (trotz der Schlichtheit der Ausstattung). Eine Anlage von an sich imponierenden Raummaßen war in unserem Falle verhindert. Die Raumbreite beträgt nur 12 Meter — das Maß vieler Dorf- und Kleinstadtkirchen; ich stellte mir zur Aufgabe, durch sich gegenseitig steigernde Proportionen der Raumteile ein Höchstmaß von Monumentalität zu erzielen. Die Galerien sind weit nach unten gelegt, was die Höhenwirkung des Gesamtraumes wesentlich verstärkt, und diese Wirkung wird noch erhöht durch die Geschlossenheit der Oberwände. Der Ausschnitt des Ostraumes, der Fassung der Estrade und des Chores, ist straff in die Höhe geführt, so, daß die raumabschließende dunkle flache Holzstegdecke lus zum östlichen Ende hindurchschießt und den Raum vertieft. Die Raumform ist einfachst und klar überschaubar, jedoch neuartig in Querschnitt und A u s g e st a l t u n g. Der Grundriß zeigt nicht die oft angewendete Zentralform; aber in einer Anordnung sind die Sitze der Beter, Männer und Frauen, zusammengefaßt, starke Konzentrierung erzeugend um den Ort der gottesdienstlichen Handlung: Almemor, Heiligem Schrein 5. Blick von der Frauen-Empore