Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.5.1931)
- Article
- Moderner Synagogenbau
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 2. Außenansicht, Längsseite des künstlerisch Schaffenden, beide Aufgaben in gleichem Maße und gleichzeitig zu erfüllen. Die Entwicklung des zweiten Teiles ist für den Laien schneller erkennbar, leichter zu erfassen, gerade deshalb erscheint mir als besonders wichtig das Erfühlen des Wesentlichen, den symbolischen Gehalt einer Gestaltung, des Kunstwerkes als eines Ganzen der Allgemeinheit näher zu bringen. Cs ist eigentümlich: Beim Bewachten und Genießen alter Werke der Baukunst empfindet der Nichtfachmann in erster Linie und oft ausschließlich den künstlerischen Ausdruck, die Charakterisierung und Symbolik, — hier verhindert die gegebene Distanz oft von Jahrhunderten das Hängenbleiben des Gedankens an-den praktischen Zweck des Baues. Dagegen sind heute für die meisten Betrachter die praktische Bauaufgabe und vor allem ein Komplex überkommener und konventioneller Gedankenverbindungen Grundlage der Beurteilung eines Bauwerkes. Im Interesse der Förderung einer echten und vor allem Leben-erfüllten Gestaltung unserer Kultbauten ist aber die wirklich mitfühlende und geistig mitschaffende Teilnahme aller Kreise Notwendigkeit. Das hier abgebildete G e me indehaus mit Synagoge wurde im vorigen Jahre eingewecht. Ich darf vorweg nehmen: Bei Betrachtung des Äußeren muß der Beschauer bedenken, daß es sich hier um die Lösung eines Einzelfalles handelt, eine durch besondere Bauplatz-Bedingungen und Bauprogramm gestellte Aufgabe. Es möge hier versucht werden, das Werden, die Entwicklung eines solchen Baues als Organismus darzulegen, — für jene Leser, welche Neigung und Gelegenheit haben, durch eigenes Urteil und Anregung bei der Gestaltung künftiger Kultbauten mitzuwirken oder die an sich eine vertiefte Anschauung zu gewinnen wünschen. Ich muß hierbei ein wenig weitgehend -„aus der Schule" — oder bester „aus der Werkstatt" sprechen, als dies sonst Gepflogenheit ist. Die Aufgabe, welche sich bei der Gestaltung des Synagogenbaues uns stellt und insbesondere eines Bauprogrammes, das — auf kleinem Platze— mit vielen Räumen profaner Art belastet ist, ist eine sehr vielgestaltige. Cs muß dabei auf vieles geachtet werden, auf: Städtebauneue Technik, praktische Raumdisposition, Wirtschaftlichkeit, einheitliche Gestaltung, Charakterisierung des Äußern und Innern, Ausdruckswert mit neuen erfaßbaren Mitteln. Ich ließ mich durch die Aufgabe und die in ihr liegenden Bedingungen selbst führen; diese waren mir der lebendigeStoff — nicht nur sachlicher, auch geistiger und seelischer Art —. für meine Gestaltung. Der Laie ahnt oftnicht, wie weittragend für jedes Bauwerk die Bedingungen der Örtlichkeit sein müssen, in die es gestellt wird;'— wie denn der Betrachter im allgemeinen ein Haus als ein Totes, ein Ding sieht, nicht als ein gewordenes, lebendiges Wesen. Zum Verständnis der Baulösung möge festgestellt sein: Die Plauener Baufläche, ein sehr knapper Eckplatz zwischen steilabfallenden Wohnstraßen, erlaubte keinen Tempelbau in dem üblichen Sinne, daß der Kultraum selbst in dominierender Weise auch nach außen zu Erscheinung und Ausdruck kommt. Auch Umfang und Art des Bauprogrammes forderten anderes. Für zwei getrennte Zwecke war ein einheitlicher ungeteilter Baukörper zu schaffen; zu vermeiden war Zersplitterung, etwa in zwei Bauteile: Kultbau und Verwaltungsflügel. Die Bedingung des Anschlusses an Wohnbauten nach beiden Seiten verlangte straffen und flächigen Zusammenhang der Fronten, einfachste kubische Grundform des Baues; — nur so konnte alles Kleinliche des Ausdruckes ausgeschaltet und im Straßenbild eine würdige Hervorhebung des Gesamtbaues erzielt werden. — Cs entstand ein Gemeindehaus, das über dem Erdgeschoß den Kult-Raum in sich birgt. Der Beschauer ahnt ihn hinter der großzügigen, verschlossenen Hochwand, die durch ein breitlagerndes Steinfenster von 16 Meter Länge gelockert ist. Die Überbauung des Fußgänger-Steiges, erhöhte das zur Verfügung stehende Raum-Maß und verstärkte zugleich den Ausdruck des Baues nach außen: Derselbe bekam Richtung, lagernde Länge, und eine beschwingte Statik, wie er mit seinem Oberbau hinaus ragt über leichttragenden Klinkerpfeilern. — Sparsamkeit und Raumknappheit riefen nach Anwendung neuer technischer Konstruktionsmittcl; anstelle von. dichsten Mauern, die dem Winddruck standzuhalten haben, umspannt, den Kultraum ein einfaches Stahlgerüst, des- 3. Blick zum Allerheiligsten und Sängerchor