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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-05-01 · 9 (1.5.1930) · p. Seite 119

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
9 (1.5.1930)
Article
Synagogenbau-Kunst
Date
1930-05-01
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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136 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 Die letzte Vorkriegssynagoge war die Synagoge zu Augsburg (konzipiert 1913, vollendet 1917), deren Bau mir auf Grund eines allgemeinen bayerischen Preisausschreibens übertragen worden war. Für die liberal gerichtete Gemeinde strebte ich an, den gewünschten Zentralbau im Stilsinne freier durchzubilden, aber so konsequent als möglich in Hinsicht auf die Erfüllung der Bedingungen des Kultes und der Konzentrierung der Beter auf den Gottesdienst. Ich versuchte eine charakteristische Gestaltung des Ganzen und seiner Teile; es wurde ein der Sammlung dienender offener Vorhof dem Eingang zum Tempel vorgelegt; unter Anwendung des Dreiklanges: Form — Farbe — Licht wurde die Ausprägung jüdischen Wesens in dem Raum und die Erzielung einer ergreifenden Stimmung der Andacht und Weihe a.ngeftrebt. Der Kunsthistoriker Dr. Eliasberg bezeichnete die Gestaltung mit dem Beiwort „neujüdisch". Die Verhältnisse nach dem Kriege vereitelten weitere Ausführungen nach erfolgreichen Projekten, z. B. Würzburg, Wien. Sie gaben dagegen Zeit zur Selbstbesinnung sowie Antrieb zu neuem geistigen Erfassen — und damit zu neuer Gestaltung auch auf diesem Gebiete. Zum ersten Male ward mir von der Gemeinde zu Plauen i. V. die Aufgabe zuteil — wiederum für eine liberale Gemeinde — ein Gemeindehaus mit Synagoge im n e u z e i t.l i ch e n Sinne durchzuführen. Ich fand dort größtes Verstehen und Eingehen auf meine Gedanken und mein Wollen sowie tätige Mitarbeit. Man war damit einverstanden,D>aßhMe Neuzeitliche Synagoge und Kirchenbaukunst üü'r aüs emer Dupchdringung der kirchlichen und kultlichen Tradition Mit der Kunstsprache der Zeit erstehen kann. Diese Zeitsprache ist nicht Selbstzweck, sie hat vielmehr die Aufgabe, Gehalt zu formen — wie jede Sprache! In unserem Falle: es muß, in einer edlen, gediegenen, d. i. ehrlichen Bauweise ein folgerichtig entwickelter Organismus geschaffen werden mit starkem und echtem Ausdruckswert so zwar, daß insbesondere der Kultraum die Seele des Besuchers zum Mitklingen bringt und zur Andacht führt; her Raum selbst muß zum weihevollen Symbol werden. Er erhielt Jnnenraum des Hamburger Tempels nach dem preisgekrönt. Entwurf :!.! 14 C:ö U-t VÜ--4WU V i C Grundriß des Hamburger Tempels nach dem preisgekrönten Entwurf — im Plauener Bau — eine feierliche Geschlossenheit; die Raumform ist einfachst und klar überschaubar, jedoch neuartig sowohl im Querschnitt wie in der Ausgestaltung; er erzielt, wie ich glaube, einen typischen Ausdruck des jüdischen Kultraumes, obwohl von der oft angewendeten Zentralform abgegangen wurde. Rein sachliche Erwägung veranlaßte mich, den Tageslichteinfall in den unteren Raumteil zu verlegen das Licht fließt in zerstreuter Weise ein, reichlich hell, ohne zu stören, durch die beiden gelagerten 16 SffltUv langen vergitterten Hauptfenfter. Der obere Raumkubus ist in Dämmer gehüllt, durch eine dunkle Holzstegdecke abgeschlossen. Die Ausstattung ist schlicht und doch feierlich; es herrscht betonte Konzentrierung auf die Ostseite, auf Estrade mit Almemor, Lade und Kanzel. Der rauhe Verputz hat grünlichgraue Färbung, die Galeriebrüftungen und die hohe Weftwand tragen schmückende hebräische Inschriften, die 10 Meter hohen Wände des Estradenraumes an der Ostseite sind — gleich feierlichen Teppichen — mit Symbolen in zurückhaltender Sgrafitotechnik farbig geschmückt. Der Schrein selbst, von schlanker 3 Meter hoher Form, ist von dem blau schimmernden Vorhang bedeckt in feierlicher Messingfassung. Zu einem engeren Wettbewerb für einen neuen Tempel zu Hamburg geladen, nahm ich die Gelegenheit wahr — über die bisherigen Aufgaben hinaus - die Gestaltung eines eigentlichen Typs des liberal-jüdischen Tempels zu versuchen, welcher durch Konzentration des Grundrisses sowohl die Bedingungen des Gottesdienstes sowie der heute besonders notwendigen Wirtschaftlichkeit Rechnung trägt. Die Lagebedingung dieser Bauaufgabe erlaubten eine freiere, fast idealistischere Gestaltung (die Abbildungen zeigen eine Skizze des Äußeren sowie des Tempelraumes meines preisgekrönten Entwurfes). Die Lösung scheint erreicht durch eine klare Erfüllung aller Wesensbedingungen der Bauaufgabe und zwar in der einfachsten Form: in der Außengestaltung soll der feierlich, sakral wirkende, verschlossene Steinkubus des Haupttempels als Dominante zur Erscheinung kommen (hinter dem Vorhof). Kongruent ist der

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