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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-05-01 · 9 (1.5.1930) · p. Seite 120

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
9 (1.5.1930)
Article
Synagogenbau-Kunst
Date
1930-05-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 137 Tempelraum in der klaren kubischen Raumform entwickelt; er soll von gleicher feierlicher Ruhe sein, Grundlage für eine konzentrierte Andacht des Beters. Der Grundgedanke ist die räumliche Kombination von Haupt- und Wochentagssynagoge; der wirtschaftliche Grund hierzu ist die Erweiterungsmöglichkeit des nicht übermäßig großen Haupttempels an den Feiertagen; der gottesdienfttechnische Vorteil liegt darin, daß für die normalen Gottesdienste, durch Abschließung der Wochentagssynagoge mit Klapptürwand, der Hauptraum verkleinert und akustisch viel günstiger wird. Ein weiterer wirtschaftlicher Gewinn ist die Benutzungsmöglichkeit der gleichen Vorräume und Garderobenanlagen für Haupt- und Nebensynagoge. Die Galerien sind so eingefügt, daß keine auf den Hauptraum drückende Wirkung entsteht (letzteres ein sehr häufiger Fehler) und daß große Freiheit des Tempelraumeö erzielt wird. Die klare Würfelform des Tempels ist durch horizontale Holzdecke abgeschlossen (die akustisch von großer Bedeutung' ist). Wesentlich für die feierliche und geschlossene Raumftimmung ist daö Nichtvorhandensein eigentlicher Fensteröffnungen. Es ist vielmehr der obere Teil der seitlichen Raumwände in eine enge Reihung schmälster Lichtschlitze aufgelöst, durch welche das Tageslicht fein gespalten, ohne Blendwirkung und doch reichlich eindringt. — In reicherer Weise ist nur die breiter gelagerte Oftnische ausgeftaltet gedacht, welche die Fassung der gottesdienstlichen Handlung bildet; hierauf findet die Konzentration der Andächtigen statt. Der Chor ist, ohne sich wichtig vorzudrängen, in die obere Oftwand in ruhiger, wagrechter Schlitzform eingeschnitten. Es ist in allem eine herbe Gebundenheit und Geschlossenheit angestrebt; in dem Gott geweihten Sammlungs- und Versammlungsraum, aufgelockert durch Farbe und zerstreutes Licht, soll weihevolle Feierlichkeit herrschen ohne Lauheit und ohne Prunk. Ich hoffe durch diese letzte Arbeit, die auch besondere Anerkennung in Fachkreisen gefunden hat, eine neue und wesentliche Anregung zur weiteren Entwicklung unseres Kultbaues zu geben. Ich meine, daß gerade in der angeftrebten Selbstbescheidung der Bauform und der Mittel ein Weg gegeben sei für eine typische Gestaltung, die den Bedingungen unserer Zeit entspricht. H f K| o \ A H Der äußere Bau des Hamburger Tempels nach dem preisgekrönten , Entwurf Gegr. 1869 Vereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins ibäuerische ÜecemsbanJc •2W-L Jpaibuth Günstige Verzinsung von Guthaben, auch aui Bank-Sparbuch Zum Abschluß dieser Ausführungen möge ein Anruf gerichtet sein an alle: der Künstler ist angewiesen auf ihre Mitarbeit. Denn die ganze Gemeinde ist Auftraggeber und sie wird nur in der Lage sein, ein die Sache fördernder Auftraggeber zu sein, wenn sie lebendigen Geistes Anteil'nimmt an dieser Zeitfrage und Kulturaufgabe. Dieser Anregung nachzukommen, erscheint nicht leicht; im Wesen gerade des kultivierten Menschen liegt ein Festhalten an erlebten und erarbeiteten Eindrücken und Werten sowohl seiner eigenen Iugendentwicklungszeit als der vorausgegangenen historischen Zeiten; ein großer Teil seiner Gefühle erscheint abhängig von Erinnerungswerten, von welchen er sich schwer freimachen kann (gleichgültig, ob e§ wirkliche Werte sind oder nicht). So haben wir bestimmte Vorstellungen von „Monumentalität", von „Sakralwirkrng", vom Ausdruck des Feierlichen und Heiligen. Und die konservativeren Geister, die weniger Beweglichen, werden zunächst geneigt sein, neue Aus drucksweisen abzulehnen, auch wenn diese echter und stärker sind als alte, überlebte. — Seelisches Erfassen neuer Ausdruckswerte, neuer Gestaltung und neuer Symbole ist nur ermöglicht durch geistige Mitarbeit am Werden und durch schöpferisches Miterleben. Solches sehe ich — in unserem Falle — als Aufgabe der Gemeinden und ihrer Leitung sowie ihrer religiösen Führer? „ Eine Anregung zur Stellungnahme der Gemeinden und Rabbiner- Verbände durch gemeinsame Aufstellung eines Bauprogramms für Synagogen werde ich an anderer Stelle geben.

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