Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 22 (15.11.1929)
- Article
- Zur Geschichte der Familie von Hirsch
- Date
- 1929-11-15
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Bayerische Israelitische Gemeindezeftung Nr. 22 r> \%f-nc/e>s-is/£c &c &ifcr£c/%iru}cÄ.l vv>. Abbildung 8: Silberne Medaille zur Erinnerung an einen auf I. I. v. Hirsch verübten Überfall, v. Hirsch konnte sich infolge seiner großen Körperkraft des Attentäters, den er bei einem Einbruch in seiner Wohnung überrascht hatte, erwehren artigen Fällen — dem Samuel von Hirsch, dem Sohne des Joel Jacob, die Genehmigung zur Ausübung der Patrimonialgerichtsbarkeit in Oberndorf. Im' anderen Falle handelt es sich um einen Entscheid der Regierung von Unterfranken vom 28. Oktober 1845, daß Joel Jacob nicht zur Ausübung des aktiven Wahlrechts bei der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer der Ständeversammlung aus der Klasse der adeligen Gutsbesitzer mit Gerichtsbarkeit berechtigt sei, da hierzu der Besitz des v o l - len Staatsbürgerrechts gefordert werde, v. Hirsch aber als Israelit sich nicht in vollem Besitze dieses Rechtes befinde. In erfreulichem Gegensatz hierzu sieht eine ältere Verfügung der Regierung des Untermainkreises vom 4. August 1851, bei der sich Joel Jacob über die Verweigerung seiner Aufnahme in den Handelsverein in Würzburg beschwert hatte. Als Vorwand diente dem Verein, daß v. Hirsch „den Handel weder ordnungsmäßig erlernt, noch Servirjahre zurückgelegt habe". Die Regierung blieb auf diese durchsichtigen Ausreden die Antwort nicht schuldig. In ihrer Entscheidung heißt es, „daß auf dieser Anforderung in einem Falle nicht mit engherziger Beharrlichkeit bestanden werden darf, in welchem, wie in dem vorliegenden, der Bittsteller nach dem Umfange der Unternehmungen, über welche er gebietet und nach der Wichtigkeit der Geschäfte, welche derselbe in fast allen Zweigen des Handels unternimmt, die erste Stelle unter dem Handelsstand nicht nur der hiesigen Stadt, sondern des ganzen Kreises einnimmt und hierdurch befriedigender als auf irgend eine andere Weise seine Tüchtigkeit zum Betriebe des Handels beurkundet. Der Magistrat wird daher beauftragt... unverzüglich an diesen Verein zu verfügen, der in keiner Beziehung weder an äußerer Achtung noch an Wichtigkeit seiner Bestimmung verlieren kann, indem er einen Mann wie den Bittsteller unter seine Mitglieder zählt, dessen Wirken als Kaufmann und Unternehmer die K. Regierung in staatswirtschaftlicher Beziehung volle Anerkennung widmet. Der Vollzug der gegenwärtigen Weisung ist binnen 8 Tagen unfehlbar nachzuweisen." Dieses glänzende Zeugnis über Joel Jacobs kaufmännische Fähigkeiten und geschäftlichen Unternehmungsgeist war natürlich in keiner Weise übertrieben. So sagt der bereits erwähnte Nachruf über seine zahlreichen Unternehmungen u. a.: „Im Jahre 1811 gründete er ein Bank- und Wechselgeschäft, das sich bald durch seine Solidität wie durch die Popularität und Ehrenhaftigkeit seines Besitzers das unbeschränkte Vertrauen des Publikums erwarb, unter den großen Bankfirmen.Süddeutschlands eine sehr geachtete und ehrenwerte Stelle einnahm und seinerzeit an den meisten Staatsanleihen, wie an sonstigen größeren Finanzoperationen sich hervorragend beteiligte. Namentlich war er Mitbegründer der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, dieses seit einer langen Reihe von Jahren so segensreich wirkenden vaterländischen Instituts, sowie der Donau- Main-Kanal-Gesellschaft und trug so zur Verwirklichung der großartigen Idee König Ludwigs I. wesentlich bei. Insbesondere negotiierte er eine größere Anzahl von Kavaliers-Anlehen zu sehr mäßigen Bedingungen und erleichterte auf diese Weise vielen Gutsbesitzern die Konsolidierung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse auf gesunder Grundlage... Zu einer Zeit, wo die Landesregierung die Eisenbahnen noch mit scheelen Augen ansah und sich nur widerwillig den Anforderungen der Zeit und des Verkehrs fügte, war er Mitglied mehrerer Eisenbahnkomitees und daher mit das treibende Element, das den Eisenbabnbau bei uns in Fluß brachte. Alö bei uns die Holzpreise sehr niedrig waren, etablierte er einen großartigen Exporthandel von Schiffsholz nach Holland und führte dadurch den Staatskassen, Korporationen und Privaten große Massen ausländischen Geldes zu, ohne für sich selbst einen irgend beträchtlichen Nutzen daraus zu ziehen. Auch bei Gründung seiner Zuckerfabrik hatte er mehr die Hebung der Bodenkultur und der Industrie als seinen finanziellen Vorteil im Auge. Hauptsächlich aber verfolgte er damit den Zweck, der armen Bevölkerung der Umgegend dadurch lohnenden Erwerb zu verschaffen."! Gelegentlich einer vom Bankhause I. I. von Hirsch im Jahre 1850 auf seine Besitzungen zu Gereuth, Schloß Wiesen, Wöllried, Rottendorf, Schwamberg, Gerolzhofen und in Würzburg aufgenommene Anleihe von annähernd 1 Million Gulden wird der jährliche Ertrag dieser Güter auf fast 70 000 Gulden, der Wert dieses Vermögensteils allein demnach auf ungefähr 2a/4 Millionen Gulden amtlich geschätzt. Joel Jacob war, wie bereits erwähnt, zeitlebens tief in der ererbten Religion verwurzelt. So führte er in seinem Hause den von seinem gleichgesinnten Vater bald nach der Übersiedlung in den Ebracherhof gegründeten Hausgottesdienft weiter, und das i> HAUS DER QUALITÄTSSTOFFE N. STARK & Ol , MÜNCHEN k KARLSPLATZ 5 NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11