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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-11-01 · 21 (1.11.1929) · p. Seite 353

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
21 (1.11.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-11-01
Page
Seite 353 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 353 Großer l/l?eihnochts~ l?3rkQUf aam 3a Oktober bis 16. Nooember SONDER-ANGEBOTE in Wäsche, Vorhänge, Decken, Spitzen, Seiden- und Wäschestoffen flut nicht reduzierte Waren 10 Frozenf Filiale Marienplatz 2 SpifZGIlhoUS f\OSQ Mloüber Theatinerstraße 35 lungswerkes sehr große Mittel erforderlich sind. Genehmigen Sie diesen Betrag und geben Sie damit den übrigen Landesverbänden und der ganzen deutschen Judenheit ein glänzendes Vorbild. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer: Ich möchte an die überaus beachtenswerten Ausführungen meines Vorredners anknüpfen. Die Bevölkerungsfrage, die Frage der Berufsumschichtung ist die jüdische Frage, hinter der alle anderen Fragen zurücktreten. Denn wenn die Substanz schmilzt, wenn unser Intellektualismus verkümmert, dann verkümmert unser Judentum. Diese außerordentlich wichtigen Gedanken sangen nunmehr an, Gemeingut im ganzen Deutschen Reich zu werden. Und wenn es dahin gekommen ist, daß diese Gedanken jetzt erfaßt werden in den weitesten Kreisen der deutschen Länder, dann ist nicht zum letzten die dankenswerte Ursache unser bayerischer Verband. Ich konnte im vorigen Jahre in den Räumen des preußischen Herrenhauses vor einer großen Versammlung der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten mitteilen, daß aus der Mitte unseres Verbandes nach den glänzenden Ausführungen von Herrn Rechtsanwalt Dr. Werner (München) die von unserer Verbandsleitung vorgeschlagene Summe für Siedlungszwecke erhöht worden ist. Sie hätten sehen sollen, wie das eingeschlagen hat. Ich möchte Sie herzlich bitten, diesen Weg nicht zu verlassen: in den wichtigsten jüdischen Fragen der bayerische Verband voran. Wohl sind unsere Mittel beschränkt und wir können nur innerhalb des Rahmens unserer Mittel Beschluß fassen. Aber ich bitte Sie, auf dem Wege fortzusahren und der ganzen jüdischen Welt zum Ausdruck zu bringen, daß die Frage der Bevölkerung und der Berufsumschichtung die maßgebende Frage ist und ich bitte Sie, diese ideellen und praktischen Bestrebungen dadurch zu billigen und zu propagieren, daß so viel als nur irgend möglich bewilligt wird. Sie werden vielleicht sagen, das ist ein Steckenpferd von mir, das ich immer wieder vorbringe, aber ich muß sagen, diese Gedanken sind in meinem Innersten verwurzelt und ich meine es gut. Ich möchte Sie bitten daß Sie Ihre volle Aufmerksamkeit dieser Frage zuwenden. Das ist keine Parteifrage, sondern es handelt sich hier um die gesamte Judenheit und die bayerische Judenheit soll auch hier eine führende Stellung einnehmen. I u st i z r a t D r. H o m m e l: Es ist mir eine besondere Freude, daß aus dem Gesichtspunkte der Förderung des Siedlungswesens mit so besonderer Wärme und so besonderem Nachdruck der Gedanke propagiert wird, den wir seit Gründung des Verbandes vertreten haben, der Gedanke, daß wir unsere jüdische Bevölkerung auf dem Lande erhalten und zu diesem Zweck im Interesse der Gesamtheit Opfer bringen und alles tun müssen, was in unseren Kräften steht, um die wirtschaftlichen Verhältnisse zu bessern und den Leuten draußen auf dem Lande das Leben zu erleichtern, damit sie sich nicht gezwungen sehen das Land zu verlassen und in die Großstädte zu ziehen. So bestätigt sich, daß dieser Gedanke auch aus dem Gesichtspunkt einer gesunden Bevölkerungspolitik von allergrößter Bedeutung ist. Damit komme ich auf das zu sprechen, was vorhin schon Herr Rabbiner Dr. Stein betont hat und was auch mir Sorge macht: Ich glaubte gestern aus einzelnen Ausführungen herauszuhören. daß die an sich selbstverständliche Pflicht der Sparsamkeit allzusehr in den Vordergrund gestellt und aus Sparsamkeitsgründen manches nicht mit der Wärme vertreten wird, wie es aus der Idee des Verbandes heraus vertreten werden sollte. Herr Rechtsanwalt Jung hat gestern eine Statistik gefordert, um sestzustellen, ob von den Zuschußgemeinden nicht unberechtigte Ansprüche gestellt und die Mittel des Verbandes nicht zu Unrecht verwendet werden. Dem ist zuzustimmen, weil wir alle ein Interesse daran haben, unberechtigten Ansprüchen entgegenzutreten, damit die wirklich bedürftigen Gemeinden und Anstalten, so wie es notwendig ist, unterstützt werden können; es hat aber doch aus den Ausführungen des Herrn Rechtsanwalt Jung der Vorwurf herausgeklungen, daß in weitem Maße mit Verbandsmitteln Mißbrauch getrieben worden sei und dem muß widersprochen werden. Die Statistik, die Herr Rechtsanwalt Jung wünscht, ist bereits in Arbeit; es wurden schon vor einem Jahr die Fragebogen an die Gemeinden hinausgegeben, in denen Aufschluß über alle Gemeindeverhältnisse verlangt wurde; ich habe das Ergebnis der Enquete zunächst für den Kreis Unterfranken bearbeitet; die von mir gefertigten Zusammenstellungen lege ich zu Ihrer Einsichtnahme auf. Es ergibt sich daraus, daß auf dem Lande eine große Verarmung um sich gegriffen hat; die Verhältnisse sind recht ungünstig und die Belastung mit Umlagen eine sehr hohe. Das Staatssteuersoll ist in den Gemeinden, wenn ich die größeren Städte Würzburg, Aschaffenburg. Schweinfurt, Kitzingen, Kissingen außer Betracht lasse, im Durchschnitt etwa RM. 50.— aus den Kopf der Bevölkerung, während die Belastung durch Umlagen trotz der Zuschüsse des Verbandes RM. 30.— im Durchschnitt (auf den Kops der Bevölkerung gerechnet) also 60 Prozent beträgt; es gibt Gemeinden, die bis 200 Prozent an Umlagen aufbringen. Ich wollte Ihre Aufmerksamkeit hierauf richten, damit nicht die Meinung aufkommt, daß die Gemeinden nur auf Kosten des Verbandes leben. Wir wollen uns bewußt sein, daß wir die Interessen der Gesamtheit wahren, wenn wir dafür sorgen, daß das Leben in den Kleingemeinden nicht verkümmert. Rabbiner D r. Bamberger: Es ist überaus erfreulich, daß in Angelegenheiten der Schechita Einmütigkeit besteht, und ich muß mit großer Genugtuung feststellen, daß alle Richtungen für die Erhaltung dieser Einrichtung eintreten. Ganz besonders erfreulich ist es, daß auch diejenigen dafür Interesse zeigen, die sich persönlich darüber hinwegsetzen. Trotzdem ist es notwendig, daß wir alle durch die Tat zeigen, daß uns diese Angelegenheit sehr nahegeht. HauptlehrerDr. Bamberger: Ich wollte für unsere Fraktion feststellen, daß wir grundsätzlich den Ausführungen von Dr. Landenberger zustimmen und daß wir den Antrag stellen, der Verband soll Mittel zur Verfügung stellen in dem Maße, das der Rat für möglich hält. Wir möchten aber auf dem lausenden gehalten werden, was in dieser Angelegenheit geschieht. Die Angelegenheit des Centraloereins möchte ich nicht weiter erörtern. Kommerzienrat Rosenzweig: Ich möchte konstatieren, daß die von uns gewünschte Statistik dazu führen wird, daß in Hotel Kaiserin)! München SchülzenslröDe 12 Gebr. Greif Beliebtes Cafe - Restaurant f Künstler-Kapelle

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