Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 19 (1.10.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 314 (sequence 3)
- Language
- German
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314 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 Yelwdi Menuhin Der dreizennjanrioe Geiger Äflsslellnoostialle, Donnerstag. ÜL- Oktoher. § Uhr O Einziges Auftreten Kein Wunderkind, sondern ein ergreifendes musikalisches Wunderl Am SteinwayiFlügel x HUBERT GIESEN 0 Menuhin auf ElektrolaaPlatten D Numerierter Sitzplatz RM. 12.—,9.—,7.— und 5.—. Unnumerierter Sitzplatz: 3.— ausschließlich Steuer. Keine Stehplätze. > Von 9—1 u. 3—*/»6 Uhr in den Musikalienhandl. von Otto Bauer, Maximilianstr. 5 (T. 20 509) > O. Halbreiter. Promenadeplatz 16 (T. 822 72), A. Schmld Nachf,, Residenzstr. 7 (T. 23494—98), Amt!. Reisebüro, Promenadeplatz 16 (T. 92701), Musiksalon Soldan, Theatinerstr. 47/1 und Hieber, Marienplatz 18. der Tagung, zwecks Festsetzung der Modalitäten im einzelnen. Gez. Jung." D r. Bamberger (Nürnberg) beantragt, die Angelegenheit zurückzustellen. Cs wird über diesen Antrag als den weitergehenden zuerst abgestinunt. Der Antrag wird abgelehnt. Es wird nunmehr über den Antrag Jung abgestimmt. Der Antrag Jung wird mit Mehrheit angenommen. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer beantragt im Rat, dem Beschluß der Tagung sich anzuschließen. Dieser Antrag wird gegen die Stimme des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger angenommen. Rabbiner Dr. Wohlgemuth: Wir treten nun in die Beratung über den Ausbau der Lehrerbildungsanstalt Würzburg ein. Die Redezeit wird auch für diesen Punkt auf 5 Minuten beschränkt. Oberlehrer Stoll: Die Äußerungen von Kommerzienrat Joseph über die Lehrerbildung bzw. über die Schwierigkeit der Beschaffung von Lehrern für die Pfalz veranlassen mich zu Liner Richtigstellung. Es ist richtig, daß für die Beschaffung eines Lehrers in Speyer sich Schwierigkeiten ergeben haben, nur werden die Schwierigkeiten an einer falschen Stelle gesucht. Speyer hat gesagt, wir bekommen nicht den Lehrer, den wir wünschen, und hat deshalb gesagt, das Seminar hat die Schuld. Aber die gleichen Vorwürfe bekomme ich von orthodoxer Seite. Im Rabbinat Würzburg sind bereits seit 5 Jahren zwei Stellen zu besetzen, aber wir können keinen geeigneten Bewerber finden. Die außerbayerischen Verbände sagen, ihr verlangt, daß wir euch Beiträge leisten, aber wenn wir einen Lehrer brauchen, bekommen wir ihn nicht. Für die Volksschullehrerstellen kommen nur solche Bewerber in Frage, die die zweite Prüfung in Bayern mit guter Note bestanden haben. Wir haben seit etwa 25 Jahren in Deutschland einen gewaltigen Lehrermangel. Die Junglehrerschaft ist teils ein Opfer des Krieges, teils ein Opfer der Inflation geworden. Es sind in den Jcchren 1924 bis 1928 große Nachfragen von allen Großstädten in Deutschland nach Lehrern gewesen. Aber die Absolventen können nicht gleich aus dem Seminar heraus Volksschullehrer werden. Im Jahre 1929 sind drei Lehrer nach Frankfurt gegangen, der eine als Volksschullehrer, die beiden anderen in die liberale Gemeinde. Daraus ersehen Sie doch, daß junge Leute da sind. In den letzten Jahren setzte der Zugang zur Lehrerbildungsanstalt wieder ein. Zum ersten Male haben wir 193i mit einem stärkeren Bestand an Lehrern zu rechnen. Speyer verlangt aber, es muß ein Bewerber aus dem rechtsrheinischen Bayern sein. Das geht natürlich nicht. Ich kann Ihnen versichern, daß die Schwierigkeit, Lehrer zu bekommen, in drei Jahren überwunden sein wird. Hauptlehrer Rofenfeld: Es ist von dem Mangel an Bewerbern um freie Lehrerstellen die Rede gewesen. Die Sache ist nur teilweise erklärt worden. Ich habe eine Zusammenstellung gemacht über die im Lehrerverein organisierten Lehrer. Es stellt sich heraus, daß etwa 60 bis 70 Prozent der im Amte befindlichen Lehrer über 40 Jahre alt sind, 20 Prozent haben das 60. Lebensjahr bereits überschritten. Die Erklärung hierfür ist sehr einfach. Sie dürfen nicht vergessen, daß die Kriegs- und Jnflationsjahre hinter uns liegen. Wir haben im Kriege 20 Lehrer in Bayern verloren. Wir haben jetzt etwa 120 seminaristisch gebildete Lehrer in Bayern, so daß etwa der sechste Teil aus dieser Zahl durch den Krieg uns genommen wurde. Der Zugang zum Lehrerberuf in den Jnflationsjahren war sehr gering. Im Jahre 1926 ist kein einziger Kandidat aus dem Seminar ausgetreten. Daraus erklären sich die heutigen Verhältnisse. In wenigen Jahren wird dies jedoch ganz anders sein, dann wird es wieder Lehrer genug geben. Es ist der spezielle Fall von Speyer angeführt worden. Es hat sich hier darum gehandelt, daß nur provisorisch ein Lehrer angestellt wird und da wird sicher mancher junge Lehrer erst überlegen, ob er eine provisorische Stelle in der Pfalz annehmen und sich damit die Aussicht auf eine orthodoxe Stelle im rechtsrheinischen Bayern ganz verschließen soll. Früher hat die Regierung die Volksschullehrer bestimmt. Aber auch hier ist eine Änderung eingetreten. Sie werden doch anerkennen, daß auch ein älterer Lehrer, der längere Zeit in einer kleineren Gemeinde gewesen ist, die Möglichkeit haben sollte, in eine größere Stadt zu kommen. Ich habe wiederholt die Erfahrung gemacht, daß es geheißen hat, welcher Richtung gehört der Lehrer an. Das Ministerium hat auch bei Besetzung von Volksschullehrerstellen darauf Rücksicht genommen. In wenigen Jahren werden die Dinge anders liegen und auch die Pfalz wird wieder Lehrer bekommen. Hier muß vor allem der Zusammenhang dieser Frage mit dem Ausbau der Lehrerbildungsanstalt ins Auge gefaßt werden. Es wird über den Ausbau der Lehrerbildungsanstalt noch weiter zu sprechen sein. Justizrat Dr. Fränkel: Ich möchte namens der Volkspartei folgenden Antrag stellen: „Im Hinblick auf die derzeitige Finanzlage des Verbandes kann dem Antrag Stoll auf Gewährung eines Beitrags von RM. 120 000,— teils als Zuschuß, teils als Darlehen im gegenwärtigen Moment leider nicht im vollen Umfange stattgegeben werden. Wir beantragen daher zu beschließen: Die Tagung ermächtigt den Rat, aus dem Landeswohlfahrtsfonds für die Zwecke des Ausbaus der Würzburger Lehrerbildungsanstalt einen Zuschuß 'von RM. 20 000.— und ein Darlehen bis zu RM. 50 000.— zu gewähren und daneben eventuell die Garantie für die Zinsen bis zu jährlich RM. 5000.— eines von der Lehrerbildungsanstalt aufzunehmenden Hypothekdarlehens auf die Zeit von längstens zehn Jahren zu übernehmen. Voraussetzung dafür ist, daß die Leitung der Lehrerbildungsanstalt den Nachweis erbringt, daß sie bei diesen Leistungen des Verbandes ein den nötigsten Bedürfnissen Rechnung tragendes Ausbauprogramm Lurchzuführen imstande ist. gez. Dr. Fränkel. gez. Dr. I. Bamberger. gez. Dr. Feuchtwanger." Zur Begründung möchte ich folgendes ausführen: Wir haben soeben einen weittragenden Beschluß für die Finanzen des Verbandes bezüglich des Siechenheims gefaßt. Aber wenn es auch außerordentlich wichtig ist, daß allen Bedürfnissen Rechnung getragen wird, so ist doch das Interesse der Siechen nicht so wichtig, wie das Interesse der jüdischen Jugend, des Fortbestandes der jüdischen Erziehung. Von diesem Standpunkt aus gesehen kann ich die absolute Ablehnung seitens der „Jung"-Liberalen Partei nicht verstehen. Ich bin der Meinung, daß unter allen Umständen hier etwas geschehen muß. Wir haben in den Gemeindestuben unserer Großgemeinden eingehende Debatten über die Schulfragen gehabt. Es geht nicht an, daß man der jüdischen Schule den Äbensfaden abschneidet. Unser Verband ist überflüssig, wenn er sich auf einen ^Uiiorüierta,?mm Electrola Columbia Odeon Grammophon Pnriophon nsw. SCHRAMM Sfeinway & Sons Ibach Fenrich TbOrmer Schiedmayer nsw. 8^^0887562