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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-15 · 18 (15.9.1929) · p. Seite 296

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
18 (15.9.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-09-15
Page
Seite 296 (sequence 3)
Language
German
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296 Bayerische Israelitische Gememdezekkmg Nr. 18 wir bei Ankauf des Ehrenreichschen Projekts in Kissingen mit dem Vorbesitzer oder anderen zu einer Vereinbarung kommen werden, die einen erheblich niedrigeren Verpflegungssatz erzielt. Ich möchte Ihnen dringend nahelegen, den Würzburger Freunden den Dank des Verbandes für das bisher Geleistete auszusprechen, nunmehr aber dazu überzugehen, endlich das Siechenheim, das von jeher unser vordringlichstes Ziel war, in eigene Regie zu nehmen. Ich setze mich hierbei nicht in Widerspruch zu meinen Parteifreunden, denn es kann sich unmöglich um einen liberalen Parteibeschlüß handeln, das Würzburger Projekt anzunehmen. Ich stehe nicht an zu erklären, daß ich für meine Person die gewünschten RM.20 000.— Zuschuß für Würzburg ablehnen möchte, weil ich, wenn Sie Kissingen nicht kaufen wollen, lieber noch mit dem ganzen Projekt bis zu besseren finanziellen Zeiten warten würde und nicht wieder ein Provisorium schaffen möchte. Justizrat Oppenheimer: Das Siechenheim ist ein altes Steckenpferd von mir. Es geht nicht an, länger zu warten; wir müssen ein Siechenheim haben. Ich gebe Ihnen einen Brief bekannt, der allein Bände sprechen wird. Mein Sohn, der jüdischer Sammelvormund in München ist, bekam am 16. Mai 1929 folgenden Brief: (verliest.) Es handelt sich hier um keine Geisteskranke, sondern eine Sieche. Sie wurde, da kein Platz bei uns vorhanden war, in eine christliche Anstalt in Niederbayern überführt. Das ist eine für die Judenheit in Bayern beschämende Tatsache. Es muß etwas geschaffen werden. Aber die jetzige Kommission geht etwas zu rasch vor. Ich bin der Meinung, daß die Errichtung eines großen Siechenheims von anderen Gesichtspunkten aus behandelt werden muß. Fälle, wie ich einen eben bekanntgegeben habe, gibt es eine ganze Reihe. Wir können Liefe Fälle leider nicht erledigen, weil wir keine Unterbringungsmöglichkeit haben. Ich bin deshalb der Meinung, daß unter allen Umständen sofort eine Vergrößerung des Heims in Würzburg stattfinden muß. Zu dem anderen Projekt können wir bei der heutigen Finanzlage unmöglich jetzt schon Stellung nehmen, nachdem immer von Sparsamkeit gesprochen wird. Wir brauchen für Würzburg nur RM. 20 000.—. Wichtig ist auch, daß das neue Siechenheim nicht im Norden und nicht Süden, sondern zentral gelegen sein muß, deshalb, weil Angehörige aus dem ganzen Land die Pfleglinge besuchen wollen. Der Besuch muß erleichtert werden. Es ist dies eine religiöse Pflicht und auch eine Notwendigkeit für die Kranken, die erst dann eine gewisse Gesundung erfahren, wenn sie von ihren Angehörigen besucht werden können. Ich bin der Meinung, daß die Kommission, die von der Tagung gewählt werden soll, überparteilich gewählt werden soll, aber unter Zuziehung von solchen Leuten, die sich um die Sache wirklich annehmen. Ich möchte nur noch zu einem Punkt sprechen, das ist das Projekt in Kissingen. Das Projekt hat verschiedene Nachteile, die es unmöglich erscheinen lassen, an einen Erwerb zu denken. Es ist von einem Beamtenerholungsheim die Rede gewesen. Ich möchte den Beamten sehen, der in ein solches Heim geht, wo er täglich den Ausblick auf Sieche und Kranke hat. Solche Anwesen, wie in Kissingen, bekommen Sie in den nächsten Jahren ausreichend. Ich möchte also beantragen, für Würzburg RM. 20 000— zu genehmigen und eine Kommission einzusetzen, die die Weiterberatung dieser außerordentlich wichtigen Frage energisch betreibt. Die Redezeit zu diesem Punkt wird auf 5 Minuten beschränkt. Justizrat Dr. Rosenthal: Ich muß sagen, die beiden Probleme gegeneinander gestellt kann man genau so wenig vergleichen, wie ein großes Haus mit einem kleinem Haus. Man kann nicht sagen, das eine ist besser als das andere. Es ist im vorliegenden Falle eine reine Zweckmäßigkeitsfrage, die hier zu entscheiden ist. Was Kommerzienrat Weil vorgetragen hat, ist wohl richtig, das wird ihm kein Mensch abstreiten können, wenn wir die Mittel hätten. Wir stehen aber doch vor der Frage, wie kann man mit den beschränkten Mitteln die notwendigen Maßnahmen treffen. In der ganzen Darstellung des Projekts Kissingen ist ein irriger Optimismus enthalten. Es ist gesagt worden, man kann den Bau so nehmen, wie er isü Die Adaptierung des Hauses Ehrenreich bedeutet aber eine Ausgabe von RM. 120 000.—. Ich bin der Meinung, daß wir die Mittel nicht haben. Nach dem uns vorliegenden Gutachten Dr. Lommels kommt es uns, bis das Haus beziehbar ist, im ganzen auf RM. 260—300 000.—. So ideal, wie es hingestellt worden ist, ist es nicht, daß man nur einzuziehen braucht. Es werden aber noch weitere Verbesserungen vorgenommen werden müssen. Der Schluß des Gutachtens Lommel lautet: „Den Wert des Anwesens möchte ich demnach auf RM. 160—180 000.— angeben. Wenn dazu, wie oben ausgeführt, RM. 100—120 000.— für Verbesserungen, im ganzen also RM. 260—300 000.— aufgewendet werden, so wird man — wenn auch keine ideale — so doch eine taugliche Anstalt zur Beherbergung von Alten und Siechen aus dem gebildeten Mittelstände haben." So ideal ist die Sache also nicht. Dies ist dem Verband im Referat Braunschweiger noch nicht vollständig klar dargestellt worden. Ich möchte noch auf eines Hinweisen. Es ist gesagt worden, Kissingen wäre besonders geeignet. Dem möchte ich nicht zustimmen. Kissingen ist doch einer der teuersten Plätze Bayerns, gerade weil es ein Kurort ist und Fremde dort verkehren. Sie wollen doch nicht glauben, daß man mit RM. 1.60 für Verpflegung auskommen kann. Ich weiß, daß der Verpflegssatz wiederholt Gegenstand eingehender Beratungen in Würzburg gewesen ist. Aber das gleiche, was in München RM. 1.60 kostet, kostet doch nicht in Würzburg über RM. 5.—. Das Projekt Kissingen ist sehr schön. Das Projekt Würzburg beruht darauf, daß wir sagen, es muß in kurzer Zeit etwas geschaffen werden, um die Unterbringung von 24 Personen innerhalb von drei Monaten zu ermöglichen. Das ist das Ziel und ich meine, solange wir nicht mehr Mittel haben, müßten wir uns mit diesem kleinen Projekt begnügen. D r. N a t h a n s e n : Ich kann mich nach den Ausführungen meines Vorredners kurz fasten. Es ist ein Irrtum, wenn man sagt, in Würzburg beträgt der Verpflegssatz RM. 5.25. Darin sind alle Spesen enthalten, Verpflegung, Beheizung, Beleuchtung, Arzt usw. Der reine Verpflegssatz beträgt nur RM. 2.85. Wenn gesagt worden ist, daß in München für RM. 1.60 die Leute verpflegt werden können, so möchte ich in München nicht essen müssen. Was das Projekt in Kissingen anlangt, so müssen Sie bedenken, daß Sie pro Jahr etwa RM. 20 000.— an Zinsen verlieren, wenn Sie in dieses Projekt RM. 200 000.— hineinstecken. Der Verband ist doch keine Hypothekenbank. Er braucht keinen festen Grund und Boden. Er muß mit seinen Einnahmen und Ausgaben das Budget ausgleichen. In Würzburg sind jetzt 18 Pfleglinge, es werden noch weitere 30 Betten hinzukommen. Es ist auch noch ein Aufbau möglich, dann hätten wir 60 Betten in Würzburg. Es ist noch ein weiteres zu bedenken: In Kissingen verlassen die Ärzte im Winter den Kurort, in Würzburg ist das nicht der Fall. Es sind dort Universitätskliniken. Wir müssen die Kliniken in der Nähe haben. Falls ein neues Siechenheim kommen sollte, d. h. ein anderes eigenes Heim gebaut wird, so wird das jüdische Krankenhaus Würzburg jederzeit bereit sein, die als Zuschuß gewährten RM. 20 000.— gegen Übernahme des Neubaus zurückzuzahlen. Diese RM. 20 000.— gehen Ihnen also nie verloren und wir haben heute kein anderes Projekt, das gleich billig und zweckmäßig ist. Kommerzienrat Rosenzweig: Ich möchte noch eines feststellen: Herr Strauß hat sich auf den kaufmännischen Standpunkt gestellt und gesagt, es feien RM. 20 000.— a fonds perdu auszugeben. Man kann verschiedener Ansicht sein.Die Amerikaner sind nicht ganz unkaufmännisch. Z. B. sagt Woolworth, es sei Verschwendung, wenn man durch Ankauf von Grundstücken zuviel an einen Nagel hängt. Dieses große Haus zahlt bei Gründung neuer Geschäfte dem Hauseigentümer entweder die ganzen Umbaukosten oder die Hälfte, kauft aber die Häuser nicht. In der gleichen Lage befinden wir uns. Würde das Projekt Strauß durchgehen, so würde sich bald Herausstellen, daß noch viele Verbesserungen notwendig sind. Ich möchte im Beisein von Herrn Ministerialrat Mezger sagen, wir Juden haben den Vorzug als intelligente Geschäftsleute zu gelten. Aber ich habe gesehen, daß der Appell ans Herz mehr eingeschlagen hat, als der Appell an den Verstand. Es ist tatsächlich so, aber es ist meines Amtes, diese Herzensergüsse einzu- Hunaaria Fürstenstr. 2, nächst Odeon Fernsprecher Nr 27313 Die SOVtderltlaSSe Julius Hellmann MM_._ M,_ _ (Park-Hotei Bad Töiz) MuiicheiierGaststatleii Dicker-Burian singt und spielt Äparte Gesellschaltsräume für Familienfestlichkeiten Äb 15. September Bridge Cercle

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