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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-15 · 18 (15.9.1929) · p. Seite 295

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
18 (15.9.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-09-15
Page
Seite 295 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 295 Bezüglich des Altersheims habe ich eine Bitte. Ich lade Sie dringend ein, nach der Pfalz zu kommen, damit Sie unser Altersheim besichtigen können. Es ist dies eine Musteranstalt, wie dieses Heim ausgebaut ist. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer: Die Ausführungen des Präsidenten des Pfälzer Verbandes über die wirtschaftliche Notlage und die finanziellen Schwierigkeiten haben großen Eindruck auf uns gemacht und ich glaube, daß wir alle grundsätzlich damit einverstanden sind, daß in praktischer Weise diesen Bedürfnissen nach einem Ausgleich dev Lasten Rechnung getragen werden soll. Immerhin scheint die Angelegenheit zur sofortigen Beschlußfassung nach dieser Richtung noch nicht gereist. Wir möchten jedoch vom Präsidium aus die Bitte stellen, daß es dem Rat überlassen wird, eine Vereinbarung mit dem Pfälzer Verband in der Richtung der Erleichterung der Lasten des Pfälzer Verbandes zu treffen. Wenn Kommerzienrat Joseph in vier Wochen nach München kommt, werden die Unterlagen soweit gegeben sein, daß praktische Arbeit geleistet werden kann. Ich bitte also, um die Ermächtigung für den Rat, einen Schlüssel zu finden, der in Abänderung des bisherigen Verhältnisses eine Erleichterung der Lasten der Pfalz bewirkt. Der Vorsitzende stellt den Antrag des Präsidiums zur Abstimmung. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Kommerzienrat Joseph: Um ein Mßverständnis auszuschalten, muß ich hier zu Ehren des Lehrers Schwarz von Edenkoben, jetzt in Speyer, einige Worte sagen. Es ist davon gesprochen worden, daß wir keinen jungen Lehrer nach Speyer bekommen haben. Lehrer Schwarz war in Edenkoben. Er wurde seinerzeit vom Staat pensioniert. Er ist währenddessen 58 Jahre alt geworden. Während der ganzen Zeit war er bestrebt, wieder Lehrer zu werden, er kennt nur seinen Beruf. Er hat in Edenkoben etwa RM. 1800.— und freie Wohnung als pensionierter Lehrer erhalten neben seiner Pension. Trotzdem Schwarz in Edenkoben mehr Einkommen hatte und ein ruhiges Leben führen konnte, bei freier Wohnung, nahm er seine Berufung nach Speyer an. Julius Strauß: Zur Frage des Siechenheims möchte ich folgenden Antrag namens der Jüdischen Bolksparlei einbringen: „Die Tagung wolle beschließen: Die Verbandsleitung wird ermächtigt, aus Mitteln des Landeswohlfahrtsfonds das Jeidel'sche Anwesen in Bad Kissingen — ehemalig v. Sohlern'sches Sanatorium — käuflich zu erwerben, vorausgesetzt, daß der Kaufpreis sich nicht höher als RM. 170 000.— stellt und die Anzahlung höchstens RM. 40 000.— beträgt und die nach Abzug der Hypothekbelastung verbleibende Kaufschuld aus zehn Jahresraten verteilt werden kann. In das Anwesen soll nach der erforderlichen Adaptierung das Landessiechenheim des Verbandes, das zur Zeit in Würzburg sich befindet, verlegt werden. Es soll damit ferner verbunden werden, ein Altersheim und eventuell auch ein Beamtenerholungsheim des Verbandes. Die nähere Ausgestaltung wird dem Rat überlassen. Jüdische Volkspartei: I. A. gez. Julius Strauß." Zur Begründung dieses Antrags möchte ich folgendes ausführen und mich dabei an das Referat von Kommerzienrat Vraunschweiger halten. Von den vier vorgelegten Projekten darf wohl das Projekt Löwinski und das Projekt Burgreppach ausscheiden. Es bleiben dann noch die anderen zwei, das Jeidel'sche Anwesen in Kissingen und das Würzburger Projekt. Es ist gestern von Rechtsanwalt Jung ausgeführt worden, daß nach seiner Meinung das Würzburger Projekt den Vorzug verdient, weil es billiger ist. Aber nicht immer ist das, was billiger erscheint, auch wirklich billiger. Ferner habe ich immer wieder gesagt bekommen, daß man in fremden Boden kein Geld hineinstecken soll. Das würde beim Würzburger Projekt der Fall sein und das wäre ein sehr großer Schönheitsfehler. Denn die RM. 20 000.—, die wir hingeben würden, wären a fonds perdu ausgegeben und wir hätten immer nur Benützungsrecht, das Eigentum würde der Würzburger Stiftung verbleiben. Es ist mehr oder weniger immer nur eine halbe Sache. Dazu kommt, daß Würzburg nur ein Siechenheim sein kann, dagegen wäre Kissingen etwas Vollkommenes, auch Alters¬ und Beamtenheim. Meine Damen nud Herren! Alle, die das Kissinger Objekt gesehen haben, haben übereinstimmend zum Ausdruck gebracht, daß das etwas wirklich Vollkommenes ist und ganz besonders für unsere Zwecke geeignet wäre, insbesondere aus dem Grunde, weil es nicht nur als Siechenheim, sondern auch als Altersheim verwendet werden kann. Soweit es nicht belegt wird, kann es auch als Beamtenerholungsheim gegen mäßige Bezahlung benützt werden. Außerdem genießt Kissingen den Vorzug eines Weltkurortes mit seinen berühmten Heilquellen. Die Ausgaben für Kissingen wären kein verlorenes Geld, wir erwerben hierfür einen Besitz, der wieder als Aktivum erscheint und der immer sein Geld wert sein wird. Ich bitte Sie deshalb, zumal die Mittel doch sicher aufgebracht werden können, nachdem noch RM. 20 000.— von Krumbach zur Verfügung gestellt werden, dem vorgeschlagenen Projekt näherzutreten, wir haben dann etwas richtiges. Die Beträge brauchten nicht auf einmal aufgebracht zu werden, sie können in Jahresraten getilgt werden. Die Errichtung eines Alters¬ und Siechenheims des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bad Kissingen würde ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Verbandes sein und auch fernere Geschlechter würden den Tag. segnen, an dem dieser Beschluß zur Tat geworden ist. Kommerzienrat Weil: Ich möchte nicht wiederholen, was der verehrte Herr Vorredner in dieser Angelegenheit ausgeführt hat und nur einige Ziffern bekanntgeben. Teilweise sind diese schon von Kommerzienrat Braunschweiger mitgeteilt worden. Im Drange der Verhandlungen sind sie aber vielleicht doch nicht so ausgenommen worden, wie mir dies geboten erscheint. Ich will vorausschicken, daß es sich hier naturgemäß um keinerlei Parteiangelegenheit handelt, sondern um eine Angelegenheit im Interesse des gesamten Landes ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit. Vor etwa 14 Tagen hat eine Kommission im Aufträge des Verbandes die verschiedenen Gebäulichkeiten besichtigt. Dieser haben angehört Justizrat Dr. Straus, Justizrat Dr. Hammel, Kommerzienrat Braunschweiger und ich. Wir haben diejenigen Projekte besichtigt, über welche Ihnen referiert wurde und es ist mir nicht recht verständlich, warum der Herr Referent nicht namens dieser Kommission deren einstimmigen Beschluß, das Ehrenreich'fche Objekt zum Ankauf zu empfehlen, bekanntgegeben hat. Dieses ist mit dem Würzburger nicht zu vergleichen. Zunächst darf gesagt werden, daß, wenn wir-auch noch so gut in Würzburg in der projektierten Weise abschneiden, wir doch niemals in den Besitz des Anwesens kommen werden. Wir geben hier einen Bauzuschuß und außerdem noch ein Darlehen, ohne voraussichtlich diese Beträge wiederzusehen. Sie werden in Würzburg bestenfalls 24 neue Pfleglinge unterbringen können, während in Kissingen 42 vollkommen eingerichtete fertige Zimmer vorhanden sind. Sie können dort ohne weiteres schon heute ohne Umbau 65 Personen unterbringen. Das Hotel ist in wirklich gutem Zustande und kann ohne Bauaufwendungen bezogen werden. Erst später, wenn wieder mehr Geld vorhanden ist, können Neuaufwendungen gemacht werden. Es sind dort überdies sehr umfangreiche Nebenräumlichkeiten vorhanden, daß, wer die Objekte gesehen hat, sich wundern muß, daß unter diesen überhaupt ein anderes Projekt in Berücksichtigung gezogen wird. Zudem ist dort noch ein alter Flügel vorhanden, in dem sich auch noch 15 bis 16 Zimmer befinden. Schließlich sind dann noch alle möglichen praktischen Einrichtungen und große allgemeine Räume da. Die Erwerbskosten von etwa RM. 150 000, die der Kommission für das Gebotene äußerst günstig erscheinen, erfordern RM. 30 000.— Anzahlung und die Übernahme einer Hypothek auf dem Anwesen in Hohe von RM. 60000.— mit mäßigem Zinssatz. Der Kaufpreisrest kann in 10 Jahresteilzahlungen geleistet werden. Ich bin der Meinung, wir sollten kein anderes Projekt in Aussicht nehmen. Wir sind unseren Würzburger Freunden für die bisherige Unterbringung der Pfleglinge zu außerordentlichem Danke verpflichtet. Es ist dort eine wirklich vorzüglich geführte Anstalt. Aber in Kissingen können wir ja doch 65 Pfleglinge unterbringen und das steht doch in gar keinem Verhältnis zu der Anzahl in Würzburg. Was die Leistungen des Verbandes zum Erwerb betrifft, so. machen uns diese keinerlei Schwierigkeiten. Die Anzahlung steht aus den restlichen Barmitteln der Hermannschen Stiftung nahezu vollkommen zur Verfügung. Außerdem besitzt diese in Krumbach noch ein sehr schönes Grundstück, über das jederzeit eventuell zum Verkauf verfügt werden kann, wenn es der Verwalter der Hermannschen Stiftung, unser Tagungskollege Justizrat Dr. Fränkel, dem Verband zur Verfügung stellt. Dazu kommt, daß die Verwaltung sich in Kissingen billiger als in Würzburg wird durchführen lassen, wo meines Erachtens ein zu hoher Verpflegungssatz verlangt wird. Die Kosten der reinen Verpflegung in der Lipschützschen Dersorgungsanstat in München betragen z. B. pro Tag und Insasse RM. 1.60, während in Würzburg der Verband RM. 5.25 insgesamt für jeden Insassen bezahlt. Das ist eine sehr erhebliche Differenz. Ich darf ohne weiteres annehmen, daß

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