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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-15 · 18 (15.9.1929) · p. Seite 294

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
18 (15.9.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-09-15
Page
Seite 294 (sequence 1)
Language
German
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294 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes vaverischer Israelitischer Semeinden in ttschaltenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929 (Fortsetzung aus Nr. 16 der Zeitung) Fortsetzung der Verhandlungen am Montag, 1. Juli 1929, vormittags 9 Ahr Rabbiner Dr. Wohlgemuth (Kitzingen) übernimmt an Stelle des verhinderten Oberstlandesgerichtsrats Professor Dr. Silberschmidt den Vorsitz. Er teilt mit, daß die Absicht besteht, mit der Tagesordnung bis 3 Uhr durchzukommen und beantragt im Zusammenhang damit, von vornherein die Redezeit aus 10 Minuten zu beschränken. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Er erteilt hieraus Sanitätsrat Dr. Baron das Wort zu seinem Bericht über die Revision. Sanitätsrat Dr. Baron: Herr Horn und ich haben Kasse und Bücher eingehend geprüft und ich möchte mich darauf beschränken, das Protokoll zu verlesem Die Vornahme einer weiteren Revision in Aschaffenburg war nicht möglich, da die übrigen Mitglieder des Reoisionsausschusses nicht erschienen sind. Ich glaube aber, daß die vorgenommene Revision vollständig ausreichen dürfte. Das Protokoll lautet: „Der unterfertigte Reoisionsausschuß hat heute die Rechnungsablage des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden einer Revision unterzogen. Bücher und Belege wurden geprüft und durch eine große Reihe von Stichproben verschiedener Art wurde festgestellt, daß die Einträge in Ordnung sind. Die Bankauszüge sowie das Postscheckkonto weisen die Habensaldi aus, wie sie in der Schlußabrechnung aufgeführt sind. Der Revisionsausschuß nimmt gerne Veranlassung, der durchaus mustergültigen Führung der Bücher seine Anerkennung auszusprechen. München, den 10. Juni 1929. Der Reoisionsausschuß. Der Vorsitzende: gez. Dr. Baroy, Beisitzer: gez. David Horn. Bayerische Vereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins ^Bayerische Veceinsbank vpatbudi Günstige Verzinsung von Guthaben, auch au! Bank-Sparbuch Der Vorsitzende dankt für die Erstattung des Revisionsberichts. Nachdem er festgestellt hat, daß eine Aussprache zu diesem Punkte nicht gewünscht ist, wird der Verbandsleitung Entlastung erteilt. Kommerzienrat Joseph: Zum ersten Male seit 1920 haben wir es für notwendig erachtet, über die Verhältnisse in der Pfalz gegenüber dem Etat zu sprechen. Durch die Gebietsbesetzung sind Handel und Wandel bei uns so gut wie ausgeschaltet. Es ist dies ein Verhängnis, das aber noch verschlimmert wird durch die allgemeinen Verhältnisse in der Pfalz mit all ihrer Not und ihrem Elend. Ich möchte Ihnen einige Zahlen vortragen, die Ihnen zei-- gen werden, warum ich zum Etat sprechen will. Wenn im rechtsrheinischen Bayern ein Umlageneingang von RM. 635 000.—1 bei Erhebung von 3 Prozent erzielt wird, dann müßten wir in der Pfalz nach unserer Seelenzahl ein Sechstel hiervon — also RM. 106 000— an Umlagen hereinbekommen. Nun nehmen wir aber keine RM. 106 000.— sondern nur RM. 65 000.— ein, was ein Minus von RM. 40—«45 000.— bedeutet. Das ist der Kernpunkt der ganzen Sache. Wir möchten selbstverständlich gerne teilnehmen an den sozialen und kulturellen Aufgaben, die der Verband hat. Ich habe mich voriges Jahr absichtlich nicht zum Wort gemeldet, als über den Etat gesprochen wurde, weil es mir kleinlich erschien, wegen RM. 6 bis 8000.—, das Wort zu ergreifen und den bayerischen Verband zu bitten, für uns zu sorgen. Ich kann aber andererseits nicht immer zum Kultusministerium gehen, damit der Staat uns eine Pfalzzulage gewährt, damit es möglich ist, unseren Etat in Ordnung zu bringen. Wir haben durch das Kultusministerium aus Reichs- und Pfalzhilfe Zuschüsse erhalten, das sei bei dieser Gelegenheit dankbar erwähnt. Wir schulden dem bayerischen Verband für das vergangene Jahr RM. 8000.— für soziale und kulturelle Zwecke, die am Staatszuschuß gekürzt werden und für dieses Jahr RM. 9100.—, die ebenfalls wieder nur bezahlt werden können, indem wir vom Staatszuschuß aus dem Jahre 1929 diesen Betrag uns in Abzug bringen lassen. Nun kann es nicht Sache der Verbandsleitung sein, diesen Etat bei uns so zu belassen, wenn von sozialen und kulturellen Einrichtungen gesprochen wird und von Beträgen, die wir dem Reiche geben. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir zuerst für unseren Haushalt sorgen, ehe wir an den kulturellen und sozialen Leistungen für das Reich teilnehmen. Wenn ich in einem Monat etwa in München sein werde, werde ich durch Rechnungsbelege Nachweisen, was wir unseren Zuschußgemeinden leisten müssen. Ich möchte deshalb bitten, daß uns ein Teilbetrag für soziale und kulturelle Zwecke erlassen wird. Wir können die prozentuale Beteiligung, die seinerzeit in Nürnberg festgelegt worden ist, nicht mehr aufbringen. Die Leistungsfähigkeit unseres Verbandes steht zu der des bayerischen Verbandes wie 1:11. Dazu kommt, daß wir in der Pfalz keine Großstädte haben. Wir haben nur sechs Mittelstädte und etwa 66 Kleingemeinden. Unter diesen ist nicht eine einzige, die ihren Haushalt selbst decken könnte. Die Gemeinden an der West grenze des Vaterlandes haben überhaupt keine Einnahmen mehr. Wir erklären offen und ehrlich, wir können den Weg nicht mehr mitgehen, den der bayerische Verband einschlägt bezüglich der Aufwendungen für soziale und kulturelle Zwecke. Wir müssen darauf Hinweisen, daß hier gespart werden muß. Was die Frage des Seminars in Würzburg anlangt, und die von Rechtsanwalt Jung angeschnittene Frage der Beschaffung von Lehrern für die Pfalz, so liegt die Sache tatsächlich so: Der Lehrerverein hat gesagt, daß niemand gern in eine Pfälzer Gemeinde geht mit einer Orgelsynagoge. Die Korrespondenz hat uns belehrt, daß es sehr schwer sein wird, Lehrermaterial für die Pfalz zu bekommen. Wir werden gezwungen sein drei oder vier junge Leute nach Kaiserslautern in das Lehrerseminar zu schicken und werden durch die Pfälzer Rabbiner dafür sorgen, daß sie einen Religionsunterricht bekommen, der den Bedürfnissen der Pfalz entspricht. Das Seminar muß einsehen, daß dies für uns der einzige Weg ist, nachdem es den Prüflingen freisteht, dahin zu gehen, wohin sie gerne gehen.

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