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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-09-15 · 18 (15.9.1929) · p. Seite 292

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
18 (15.9.1929)
Article
Die neue deutsche Bibel
Date
1929-09-15
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 Bayerische Israelitische Gemeindezeiümg Nr. 18 du des Todes wärest, Todes!" - und so wird einmal durch ein einziges Wort eine ganze Szene bildhaft: Schlomo nimmt Rache an Schirm, dem Feinde seines Vaters David, der ein Abkommen mit dem jungen König nicht gehalten hat und nun deshalb zur Rede gestellt wird. Bei Luther heißt der Abschluß der Szene: „Und der König gebot Benaja, dem Sohn Iojadas; der ging hinaus, und schlug ihn, daß er starb." So wird der Schauplatz in zwei zerrissen, wohl unentsprechend dem wirklichen Verlauf und wenig sinnfällig. Bei Buber-Rosenzweig aber heißt es: „Der König gebot Benajahu, Sohn Iehojadas, der trat hervor und schlug ihn tot." „Der trat hervor" — also war er schon in des Königs Gefolge, und nun vollzieht er den Befehl. Aber über alle diese Einzelheiten hinaus — haben wir nicht versprochen, nach ihrer Betrachtung eine weitere Legitimation dieses neuen Ubersehungswerkes zu gewinnen, und zwar eine für unsere heutige jüdische Zeitlage besonders charakteristische Legitimation? Hier ist sie: Wir sagten mit Rosenzweig, daß „der Eintritt eines Volkes in die Weltgeschichte bezeichnet wird durch den Augenblick, wo es sich die Bibel übersetzend aneignet" und fragten das neue Werk, ob dieser Augenblick nicht durch Luthers Übersetzung unwiderbringlich geschehen sei. Nun, nach der Erkenntnis des hebräischen Grundcharakters dieser neuen deutschen Bibel, dürfen wir unseren früheren Antworten die weitere hinzufügen, daß eine von Juden unternommene Übersetzung der Bibel, wenn sie in jüdisch-hebräischem Geiste geschieht, auch für das jüdische Volk selbst einen neuen Eintritt in seine Weltgeschichte, will sagen: eine neue Folge von Kulturbegegnungen bedeutet. Daß aber gerade in diesem Geschichtsaugenblick, der beinahe das ganze Judentum um den Aufbau Palästinas sammelt, zugleich die erste wahre Begegnung der jüdisch-hebräischen Bibel mit dem Geiste der deutschen Sprache erfolgen kann, dies ist ein großes Zeichen. Mendelssohnfeier in vessau Von Dr. Max Freudenthal (Nürnberg) An der Geburtsstätte Moses Mendelssohns muhte sich die Feier seines 200. Geburtstages zu einer ganz besonders würdigen und weihevollen gestalten. Sie wurde es nicht bloß durch die äußeren Festlichkeiten, sondern auch durch den ganzen Geist, der aus ihnen sprach und des großen Vertreters der Toleranz und Humanität in höchstem Grade würdig war. Dieser Geist war schon dadurch gegeben, daß Staat, Stadt und Kultusgemeinde gemeinsam die Veranstalter der Festlichkeiten waren und so dem Ganzen eine Harmonie verliehen, die den Gedanken an die sonst in Deutschland herrschenden Gegensätze überhaupt nicht aufkommen ließ. Die Schar der Teilnehmer zeigte dasselbe Bild: die besten Köpfe aus dem ganzen Reich, führende Männer des Geistes, der Technik und des Handels, Vertreter der Universitäten, Geistliche aller Konfessionen, leitende Staatsmänner, Künstler und Schriftsteller von Weltruf, inmitten dieses erlesenen Kreises von hervorragenden Männern und Frauen die Familie Mendelssohn in ihren verschiedenen Stammlinien! Die Festlichkeiten begannen am 6. September, dem Geburtstage Mofes Mendelssohns, mit einer Aufführung Nathans des Weisen, eingeleitet durch einen von Arnold Zweig verfaßten Prolog. Sie bildete den weihevollen Auftakt, indem sie die Gestalt Moses Mendelssohns in der dichterischen Verklärung seines Freundes Lessing —. sogar in der wohlgelungenen Gesichtsmaske des Schauspielers — vor die Seele stellte. Am folgenden Tage, dem Sabbat, fand in der Synagoge ein feierlicher Festgottesdienst statt. Den musikalischen Teil führten Kantor, Organist und Synagogenchor der Leipziger Gemeinde aus, die Gedenkrede hielt der Dessauer Rabbiner Dr. Walter. Die Synagoge war von den geladenen Gästen aller Konfessionen voll besetzt, die in andächtiger Ehrfurcht dem Gottesdienst auch in dem ritualem Teil einer kurzen Thora- Vorlesung folgten. Anschließend vereinigte ein rituelles Festessen, das die Gemeinde in ihren schönen Räumen veranstaltete, eine Anzahl der jüdischen Teilnehmer. Am Nachmittag wurde durch den Anhaltischen Ministerpräsidenten die Moses-Mendelssohn-Ausstellung in den Räumen der Dessauer Gemälde-Galerie feierlich eröffnet. Sie gibt ein ausgezeichnetes Bild der Zeit des Philosophen und weist wertvolle Ausgaben seiner und zeitgenössischer Werke, kostbare Gemälde und Zeichnungen, sowie auch eigenhändige Niederschriften Moses Mem delssohns und seiner Freunde aus. In den oberen Räumen des früheren Palais gab alsdann die Kultusgemeinde einen Tee für die zahlreichen geladenen Gäste, die von dem Vorsitzenden der Gemeinde Justizrat Dr. Cohn begrüßt wurden. Dr. Klee (Berlin) überbrachte dabei die Glückwünsche des Verbandes preußischer Gemeinden, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer die des bayerischen Gemeindeverbandes und der übrigen süddeutschen Verbände. Professor Sobernheim (Berlin) wies auf die Neuausgabe der Werke Moses Mendelssohns hin, von der er bereits zwei Bände in festlicher Ausstattung überreichen konnte. Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), als ehemaliger Anhaltischer Landesrabbiner herzlich begrüßt, zeichnete das Bild Mendelssohns im Zusammenhang mit seiner Abstammung und mit dem durch das Anhaltifche Fürstenhaus freier als in anderen Ländern gestaltete Schicksal der Dessauer Judenschast. Am Abend fand ein Festkonzert im Stadttheater statt, das nur Werke von Felix Mendelssohn (Bartholdy) in ausgezeichneter Weise zur Ausführung brachte. Die offizielle Gedenkfeier am folgenden Sonntag war gleichfalls von klassischer Musik, Bach und Beethoven, umrahmt. Der Oberbürgermeister verkündete in seiner Festrede, die in eine eindringliche Mahnung zur Pflege gemeinsamen Menschentums im Sinne Moses Mendelssohns ausklang, die Begründung einer „Moses-Mendelssohn-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschasten getreu dem Wirken und Streben des edlen Mannes für Menschheitsbildung und Menschenwohl". Den Grundstock zur Stiftung in Höhe von RM. 250 000 stellten die Häuser Mendelssohn & Co. in Berlin und Amsterdam zur Verfügung. Die Stiftung hat ihren Sitz in Dessau und soll Forschern und Studierenden ohne Unterschied des Glaubens Beihilfen zur Durchführung wissenschaftlicher Arbeit oder zum Studium - gewähren. Dem Kuratorium gehören hervorragende Vertreter von Wissenschaft und Kunst an, von jüdischen Männern Professor Ein st ein, MäxLieber m a nn,ArnoldZweig. Es folgten alsdann die Festreden des Staatsministers a. D. Dr. Müller (Dessau) und Professor Dr. E l b o g e n (Berlin), von denen der erstere Moses Mendelssohns deutsche Sendung, der letztere seine Bedeutung für das Judentum kennzeichnet«. Beide Festredner wurden ihrer Aufgabe in hervorragender Weise gerecht und fanden den lebhaften Beifall der glänzenden Versammlung, der HAUS DER Q U A L I 1 Ä7SSTOFFE MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 N. STARK & Cil NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11

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