Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 16 (15.8.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-08-15
- Page
- Seite 263 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727875-2727891-2736107--05018-2736158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Adolf Kober 1× ep/1002969
- Alfred Stern 1× ep/1024141
- Aron Freimann 1× ep/1003532
- Eugen Täubler 1× ep/1025677
- Guido Kisch 1× ep/1026184
- Heinrich Loewe 1× ep/1024049
- Leopold Zunz 1× ep/1026402
- Max Freudenthal 1× ep/1011982
- Oscar A. H. Schmitz 1× ep/1028042
- Raphael Straus 1× ep/1035976
- Samuel Steinherz 1× ep/1024128
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 263 eine Institution, wie es der Verband ist, der sich unendliche Verdienste um die Erhaltung des Judentums erworben hat, unberechtigt herabgesetzt wird. Die Arbeit des Verbandes spricht für sich selbst und bedarf keiner Stütze und Verteidigung. Wer es nicht einsieht und die Arbeit des Verbandes nicht würdigt, richtet sich selbst. Wenn wir morgen über die finanziellen Probleme abzustimmen haben, so wollen Sie nicht vergessen» datz wir in einer augenblicklichen finanziellen Kalamität nicht falsche Schlüsse ziehen dürfen. Wir wollen vorsichtig zu Werke gehen. Unsere Alten haben zu allen Zeiten diese Dinge der Gesamtheit bewältigt und finanziell zu überwinden verstanden, und das mit einem einzigen Zauberwort: Sie haben gewußt, daß der Jude verpflichtet ist, Mauser zu geben und wir müssen die Judenheit wieder zu dem alten jüdischen Maasergeben erziehen. Wenn dies alle Juden tun würden, würde es uns an nichts fehlen für unsere Bedürfnisse im einzelnen wie in der Gesamtheit; also: „Asser te asser! Verzehnten, verzehnten sollst du!" Schluß der Sitzung: 8 Uhr. (Fortsetzung des Protokolls in der nächsten Nummer der Zeitung.) Indische Sejckichle und jüdisches Leben > Von Theo Harb Obwohl die Juden das zweifellos älteste der noch bestehenden Geschichtsvölker der Erde darstellen, ist doch unbestreitbar, daß der historische Sinn, der erst den bei uns so ausgeprägten Traditionalismus zu einer Lebensmacht zu gestalten vermag, erst jüngeren, ja jüngsten Datums ist. Die Beschäftigung mit der Geschichte der Juden in wissenschaftlicher Weise — ohne die mehr religiös oder apologetisch gemeinte Hauptbedeutung einschlägiger Arbeiten aus früheren Zeiten — finden wir erst mit dem Aufblühen der „Wissenschaft des Judentums" im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Ohne der überragenden Bedeutung der führenden Männer dieser Epoche irgend nahe treten zu wollen, dürfen wir doch nicht vergessen, daß mit der Größte unter ihnen, Leopold Zunz, am Ende seiner Tage das Verbleiben im Judentum als die größte Grille seines Lebens bezeichnet haben soll. So darf uns schließlich nicht Wunder nehmen, daß aus einer solchen Auffassung und aus einer Art nur antiquarischen Interesses an der jüdischen Vergangenheit keine lebendige Verbundenheit mit der Fülle jüdischen Seins resultieren konnte, daß vielmehr das Gefühl entstand, es fei die Zeit gekommen, auf diese Weise das Judentum prunkvoll zu Grabe zu tragen. Dieser Geist, der in den letzten Jahrzehnten des vergangenen und in den ersten des jetzigen Jahrhunderts vorwiegend Geltung befaß, ist im Laufe der letzten Jahre, insbesondere, seit der Weltkrieg die Geschicke der gesamten Judenheit so katastrophal beeinflußt hat, einem anderen gewichen. Wie die materialistische Geschichtsauffassung, die nur in äußeren Faktoren den Kern der Vorgänge zu erkennen glaubte, einer synthetischen Betrachtungsweise das Feld räumte, so mußte auch die nach rein geistesgeschichtlichen Zusammenhängen fragende Forschungsmethode sich dieser unterordnen. Die Erkenntnis, daß nicht wirtschaftspolitische Bedingungen allein, nicht lediglich äußere Einflüsse, auch nicht innere Bewegungen für sich das Ergehen von Gesamtheiten bestimmen, ist Allgemeingut geworden. So suchte und fand auch die jüdische Geschichtsschreibung den Weg zu einer lebensvolleren Darstellung, wobei alle erreichbaren Quellen herangezogen werden. Mit solchen Mitteln, die sich jedes Weges zur Aufhellung der Vergangenheit bedienen wollen, geht die vor kurzem hier angezeigte „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" (vergl. Nr. 10 dieser Zeitschrift) an die Erreichung ihres Zielst Das erste Heft dieser Zeitschrift will den Umfang der übernommene Aufgabe skizzieren und tut dies am besten durch seinen umfassenden Inhalt. Der eine der beiden Redakteure, Raphael Straus (München), setzt sich in einem instruktiven r g e r (München) Artikel „Zur Forschungsmethode der jüdischen Geschichte" mit den bisher aufgetauchten Schwierigkeiten der Darstellung der jüdischen Vergangenheit auseinander und zeigt ihren Hauptgrund in der Verschiedenheit der Betrachtungsweise und der Quellenverarbeitung der Autoren auf, je nachdem es sich um jüdische oder nichtjüdische Forscher handle. Adolf Kober (Köln) gibt einen kurzen aber alles Wesentliche umfassenden Bericht über die Geschichtsschreibung der deutschen Juden in den letzten 35 Jahren. Im Zusammenhang damit muß die von Heinrich Loewe (Berlin) geleitete Bibliographie der Neuerscheinungen über die Juden in Deutschland genannt werden. Eigene Forschungsergebnisse bietet S. Levi (Mainz) mit einer Studie „Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland", zu der die Herren Blaufuß (Nürnberg), Behrens (Mainz), Neeb (Mainz) und Oxö (Krefeld) Nachbemerkungen gefügt haben, die.beitragen werden, daß das interessante, 1 „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland". Unter Mitwirkung von Guido Kisch (Halle), Richard Koebner (Breslau), Wilhelm Levison (Bonn), Samuel Steinherz (Prag), Moritz Stern (Berlin), Alfred Stern (Zürich), Eugen Täubler (Heidelger), Adolf' Warschauer (Berlin), herausgegegeben von Jfmar Elbogen (Berlin), Aron Freimann (Frankfurt), Max Freudenthal (Nürnberg). Philo-Verlag und Buchhandlung G. m. b. H., Berlin SW. 68. Abonnementspreis: jährlich 10 RM.; Einzelpreis: 2.75 RM. SOEBEN ERSCHEINT Oscar A. H. Schmitz WESPENNESTER Neue Folge Die Einordnung des Sozialismus j des Judentums in die abendländische Kultur Der erste Band „Wespennester“ enthält die Essays „Der Bankrott der modernen Persönlichkeit“ u. „Die Verwirrung der Geschlechter“ Jeder Band Leinen 7 RM., kartoniert 5 RM. MUSARION VERLAG MÜNCHEN SroitwERcK I SCHOKOLADE-PRALINEN "1