Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 16 (15.8.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-08-15
- Page
- Seite 262 (sequence 10)
- Language
- German
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262 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Herrn Rechtsanwalt Jung, nicht. Ich möchte daran erinnern, daß wir auch in Nürnberg an der Israelitischen Kultusgemeinde Lehrer aus der Lehrerbildungsanstalt Würzburg haben und dasselbe gilt für München und Augsburg und andere Gemeinden. Ich weiß positiv, daß gerade für Zweibrücken sich geeignete Kandidaten gemeldet haben und in Speyer liegen die Verhältnisse ähnlich. Ein Kandidat ist dort abgelehnt worden, weil er bereits 60 Jahre alt ist. Wir können doch nicht über die staatlichen Normen hinausgehen im Abbau. Volksschullehrer können auch noch mit 60 Jahren angestellt bleiben oder versetzt werden. Ich komme nun zu einer anderen Angelegenheit, zu den Ausführungen des Herrn Oberlandesgerichtsrats Dr. Neumeyer zum Gedächtnis für Moses Mendelssohn. Wir sind gewiß nicht der Meinung, daß diejenigen recht haben, die Mendelssohn für alles das, was nach ihm gekommen ist, veranwortlich machen. Ich meine, man sollte hierfür ein klein wenig psychologisches Verständnis aufbringen. Er ist mit Verständnis, Ernst und Würde für das Judentum eingetreten, er ist dem Judentum in positivem Sinne ein Führer gewesen, wie es eben damals möglich war. Aber wir müssen betonen, wir haben schon oft darüber gesprochen: Mendelssohn konnte die Einbürgerung der Juden nur dadurch gewinnen, daß er sie nicht für die Juden in ihrer Gesamtheit forderte, sondern nur für die Juden als einzelne. Ob wir zu seiner Zeit einen anderen Weg hätten einschlagen können, weiß ich nicht. Ferner: Konnte Mendelssohn es verantworten, ohne Erfüllung jüdischnationaler Forderungen die Juden weiter im Ghetto zu belassen? Wir sind nun durch diese Methode seit etwa 100 Jahren in unserem Judentum stark abwärts gekommen. Ich will keine zionistische Propaganda treiben, wenn ich historisch fortsetze und an folgendes erinnere. Wir begehen in diesen Tagen den 25jährigen Todestag Theodor Herzls. Er ist es gewesen, der die Judenfrage in ihrel Gesamtheit wieder zu einer Weltfrage gemacht hat. Herzl hat wieder gut gemacht, was das Zeitalter Mendelssohns vernachlässigt hat. Wir erheben heute durch Herzl und den Zionismus Forderungen im Namen des jüdischen Volkes, das sich jetzt in der Jewish Agency für Palästina zusammenschließt. Und wenn p>ir ferner heute davon gesprochen haben, daß wir uns mit dem gesamten deutschen Volk gegen die Schuld lüge wenden, so muß ich sagen: Wir Juden haben uns gegen eine furchtbare Schuldlüge von je zu wenden. Ich erinnere an den Fall in Manau u. a. Ich bin der Überzeugung, daß wenn gegen die katholische oder protestantische Kirche Derartiges gesagt worden wäre, was man seit Jahr und Tag uns zu sagen wagt, bestimmt Mittel und Wege gefunden worden wären, um das zu bekämpfen. Nur bei uns geht es nicht. Die Verrohung, die man in D eutsch lan-d , sp e z/ie ll in Vjayexn, gewähren läßt, gewinnt in jüdischen Fragen die schlimmsten Formen. Wenn hier von seiten des Staates nicht einbegriffen rüird, so jwerden nicht nur Rohlinge gegen das Judentum, sondern Rohlinge im allgemeinen erzogen und die „Prügel", die die Erzieher der Jugend d reifer j'etzt nicht geben, werden sie einmal selb erbekommen. Um der Jugend selbst willen müßte man soviel Vernunft haben und gegen diese Zustände eintreten. Es ist um die Sittlichkeit der Welt geschehen, wenn nicht dafür gesorgt wird, daß dieser Roheit und sittlich-moralischen Verwüstung ein Ende bereitet wird. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß die Verwüstungen von Friedhöfen usw. aushören und die Schändung und Verächtlichmachung der Lebenden nicht ungestraft bleibt. ' L012xlJEU&4ANN DAS FÜHRENDE HAUS FÜR EXQUISITESTE HERRENBEKLEIDUNG PERUSASTR. MÜNCHEN Der" "'1 das Lokal jedes Einheimischen und Fremden NEUER PÄCHTER S HANS FÜRST Damptmolkerel „SCHWABING“ München 23 Tel. 33557 Inhaber: Hans Wäßle Leopoldstr. 59—61 ■o empfiehlt sämtl. 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Wir wollen vor der ehrlichen Überzeugung des anderen Respekt haben und seine Arbeit anerkennen und deswegen vor allem auch vermeiden, daß Elssnhsimsrstraös 32, Tslsphon Nr. 61843 Abteilung Geldschranku.Tresorbau Fabrikation m o dernster Kassen«, Biicher ■ u. Ef fektenschränke Hauerschränke Rolljalousienschränke Zahlhauben Geschäftskassen und Kassetten REPA R ATUREN 27