Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 16 (15.8.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-08-15
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 261 zusammenzukommen und zu bewilligen, was von der Verbandsleitung oorgeschlagen wird, sondern daß sie berufen ist, mitzuarbeiten. Dies wird den Abgeordneten oft dadurch schwer gemacht, daß sie nicht genügend über die Arbeiten des Verbandes informiert sind. Auch von seiten des Seminars ist das Material zu spät an die einzelnen Tagungsmitglieder hinausgegeben worden. Bei dem Seminar wurde es als Schönheitsfehler bezeichnet, daß außerbayerische Schüler ausgenommen werden. Ich fasse das so auf, daß nicht entsprechend der Zahl der außerbayerischen Schüler unseren Leistungen die Leistungen der außerbayerischen Verbände gegenüberstehen. Ich glaube, auch hier muß gesagt werden, es muß unser Bestreben sein, die außerbayerischen Verbände stärker heranzuziehen. Wir dürfen aber nicht sagen, wir bauen ab. Es ist schon vieles auf diesem Gebiete besser geworden. Ein letztes: Ich habe einen Antrag namens meiner Fraktion eingebracht, der im Widerspruch steht zum Sparen. Es handelt sich um zwangsläufige Erhöhung der Ausgaben für Wohlfahrtszwecke. Es ist dies das Problem, das ich bereits gestreift habe, und ich habe beantragt, die Mehreinnahmen von 10 000 RM. dafür zu verwenden, daß dem notleidenden Mittelstand Hilfe gebracht wird. Ich bin beauftragt worden, mit einer Kommission Maßnahmen auszuarbeiten, die der Errichtung einer Darlehenskasse dienen sollten. Wir haben noch nicht die nötigen Unterlagen sammeln können, ich weiß auch nicht, ob die richtige Form der Hilfe eine Darlehenskasse ist; vielleicht ist die Anregung beachtenswert, die mir ein Kollege vom badischen Verband mitgeteilt hat, nämlich durch Verbilligung der Zinsenlast Kreditmöglichkeiten zu schaffen. Aber eines steht fest und darüber werden Sie nicht hinwegkommen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse auf dem Lande sehr schlecht sind und daß Abhilfe dringend nottut. In den Städten sind meist Darlehenskassen errichtet, aber auf dem Lande erleben wir Fälle, wo einfach niemand da ist, der einem in Not Geratenen helfen könnte. Es handelt sich dabei nicht darum, Wohltätigkeit zu üben, sondern lebensfähige Existenzen zu halten oder aufzubauen. Darum möchte ich dringend bitten, stimmen Sie mir zu, wenn ich beantrage, 10 000 RM. für diesen Zweck bereitzustellen. Ich kann jetzt noch Nicht sagen, auf welche Weise dieses Geld verwendet werden soll, aber wir werden geeignete Vorschläge bei der Verbandsleitung einreichen. Darüber bin ich mir im klaren, daß irgend etwas einmal geschehen muß, um nicht nur die kulturelle sondern auch die Lebensnot auf dem Lande zu lindern. Es wird in Verbindung mit dem Finanzausschuß der Wohlfahrtsausschuß versuchen müssen, hier Abhilfe zu schaffen. Ich schließe mit dem Wunsche, daß wie bisher so heute der Lebensnotwendigkeit der Juden auf dem Lande Rechnung getragen wird und daß Sie diesem meinem Antrag zustimmen. Dr. Vamberger (Nürnberg): Gestatten Sie mir namens meiner Freunde einige Bemerkungen zu machen. Ich möchte zunächst feststellen, daß es uns ein Bedürfnis ist, der verehrlichen Verbandsleitung, sowohl dem Präsidenten wie dem Schatzmeister, unsere Anerkennung und unseren Dank zum Ausdruck zu bringen für alle ihre hingebungsvolle Arbeit. Ich möchte ferner grundsätzlich bemerken, daß wir absolut Verständnis dafür haben und gewillt sind daran mitzuarbeiten, daß Sparsamkeit in unserem Haushalte durchgeführt wird. Wir beantragen deshalb, daß ein Unterausschuß einberufen wird, der möglichst bald zusammentreten soll, der die Verhältnisse in den Zuschußgemeinden nachprüft. So sehr wir aber auf der einen Seite für Sparsamkeit eintreten, so dürfen wir uns doch nicht zu überstürzten Sparsamkeitsmaßnahmen hinreißen lassen, und eine Verkümmerung unserer geistigen und sozialen Institution herbeiführen. Es ist von einer Seite betont worden, daß die Zuwendungen für die Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und das Siechenheim zurückgestellt werden könnten. Einer unserer Freunde wird dazu noch Stellung nehmen. Trotzdem sage ich schon jetzt: Wenn wir nicht die künftige Lehrerbildung sofort stützen, laufen wir Gefahr, daß wir auf Persönlichkeiten zurückgreifen müssen, die wahrhaftig in ihrer Lehrtätigkeit dem Judentum nicht zur Ehre gereichen. Gerade in unserer Zeit ist es doppelt notwendig, daß wir recht tüchtig gebildete und gefestigte Persönlichkeiten haben, die in der Lage sind, unsere moralische Lage, besonders auf dem Lande, zu sichern, nach innen und nach außen. Was die Klage des liberalen Wortführers anlangt, daß für die Pfalz, für Pirmasens und Speyer keine Kandidaten von Würzburg zu haben seien, weil die Lehrer aus jener Anstalt zu orthodox seien, so begreife ich den Vertreter der liberalen Fraktion, MÜNCHEN HOTEL EUROPÄISCHER HOF BES. 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